Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / D. Nachversteuerung bei vorzeitigem Wegfall des negativen Kapitalkontos trotz Fortbestehens der PersGes/KG

Verwaltungsanweisung:

OFD NRW v 07.07.2014, S 2241–2014/0015 – St 113, FR 2014, 823 zu 2 u 3 (Bürgschaften von Kommanditisten für Verbindlichkeiten der KG).

 

Rn. 6c

Stand: EL 131 – ET: 10/2018

Hier sind die folgenden beiden Sachverhalte angesprochen:

Gesellschafterbezogen

Negatives Kapitalkonto bei vorzeitigem Ausscheiden des Gesellschafters bzw bei Anteilsveräußerung o stichtagsbezogener (auch allmählicher: s Rn 58) Auflösung der PersGes ohne Ausgleichsverpflichtung, dazu auch s Demuth, Negatives Kapitalkonto bei Aufgabe u Veräußerung im EStG, KÖSDI 2013, 18 381: steuerbegünstigter Gewinn gem §§ 16, 34 EStG infolge § 52 Abs 24 S 3 EStG (auch OFD NRW v 07.07.2014, FR 2014, 823 zu 2.).

Gesellschaftsbezogen

Vorzeitige Auflösung negativer steuerlicher Kapitalkonten trotz fortbestehender PersGes bei negativer KG-Gewinnprognose: s nachfolgend.

Die Zurechnung von Verlusten wird durch § 15a Abs 14 EStG nicht berührt; nach der Intention des Gesetzgebers u der Rspr des BFH ist für die steuerliche Anerkennung eines negativen Kapitalkontos zum Bilanzstichtag ausschließlich die wirtschaftliche Haftung des Gesellschafters im Innenverhältnis aus der Vorbelastung zukünftiger Gewinnanteile maßgebend, s Rn 6b. Nur soweit eine Verlusthaftung mit zukünftigen Gewinnen zum Bilanzstichtag noch in Betracht kommt, ist ein negatives Kapitalkonto anzuerkennen, ansonsten fällt es vorzeitig trotz weiter fortbestehender KG fort. Ein vorzeitiger Wegfall des negativen Kapitalkontos entfällt demnach, wenn, der Kommanditist im Innenverhältnis, abw von § 167 Abs 3 HGB iVm § 707 BGB, aufgrund einer entsprechenden Regelung im Gesellschaftsvertrag (Hinweis auf BGH, BB 1982, 2007) unbegrenzt wie ein Komplementär subsidiär für die Verbindlichkeiten der KG einzustehen hat u demgemäß nachschusspflichtig ist (s Rn 10 u BFH BFH/NV 1986, 534/36). Eine lediglich überschießende Außenhaftung – Haftsumme – des Kommanditisten gem § 15a Abs 1 S 2 EStG ermöglicht bei negativer Gewinnprognose dagegen nicht die Fortführung des negativen Kapitalkontos (hierzu sei verwiesen auf die grundlegenden Überlegungen von Thiel, DB 1979, 664 sowie BFH v 02.07.1992, BFH/NV 1993, 421; BFH v 10.11.1980, BStBl II 1981, 164 u BFH v 19.03.1981, BStBl II 1981, 570).

Steht aufgrund einer für den Bilanzstichtag anzustellenden Prognose fest, dass eine Haftung des Gesellschafters im Innenverhältnis mit künftigen Gewinnanteilen nicht mehr stattfinden wird, weil die KG ihre werbende Tätigkeit eingestellt hat o aus offensichtlich zwingenden wirtschaftlichen Gründen bald einstellen muss u nennenswerte stille Reserven nicht vorhanden sind (krit wegen der praktischen Schwierigkeiten Lempenau, StuW 1981, 235, 238), so ist das negative Kapitalkonto in der StB zum Bilanzstichtag vorzeitig aufzulösen: BFH VIII, BStBl II 1994, 174; BFH BStBl II 1981, 668 u 572.

Soweit ein negatives Kapitalkonto des Kommanditisten auf Entnahmen zurückzuführen ist, scheidet eine vorzeitige Nachversteuerung aus. In Höhe dieser Entnahmen entsteht jedoch ein Gewinn im Zeitpunkt der Auflösung der KG bzw des Ausscheidens des Kommanditisten, soweit dieser nicht zu Ausgleichszahlungen verpflichtet ist: OFD NRW v 07.07.2014, FR 2014, 823 zu 2. Werterhellende Umstände bis zur Aufstellung der Bilanz sind zu berücksichtigen (BFH v 30.03.2017, IV R 3/15, BFH/NV 2017, 1019; BFH v 30.03.2017, IV R 4/15, BFH/NV 2017, 1023; BFH v 30.03.2017, IV R 9/15, BFH/NV 2017, 1258 – auch s nachfolgend Kommentar zu den Urt zu (1); BFH v 26.09.1996, BStBl II 1997, 277; BFH v 26.01.1995, BStBl II 1995, 473/85; BFH v 10.12.1985, BFH/NV 1986, 404). Soweit der BFH BStBl II 1997, 277 bei der notwendigen Prognose jedoch auch noch berücksichtigen möchte, ob der Gesellschafter "zwischenzeitlich", dh bis zur Bilanzaufstellung, ausgeschieden ist, kann dem nicht zugestimmt werden. Er stellt sich damit ausdrücklich in Widerspruch zu seiner sinnvollen Entscheidung v 26.05.1981 (BFH BStBl II 1981, 795/97), worin er § 15a EStG restriktiv zugunsten der StPfl dahin gehend ausgelegt hat, dass es bei Bilanzaufstellung hinsichtlich der Feststellung künftiger, die vorzeitige Auflösung erfordernden fehlenden Gewinnaussichten nur darauf ankomme, dass "bei der KG als solcher Gewinne nicht mehr entstehen u/o bei dem Rechtsnachfolger des ausgeschiedenen Kommanditisten Gewinnanteile, die zur Auffüllung des negativen Kapitalkontos zu verwenden sind, nicht mehr anfallen können." Durch die Zusammenfassung von altem u ersatzweise eintretendem neuem Kommanditisten ergibt sich als Resultat eine Erhöhung des berücksichtigungsfähigen Verlustes des alten Kommanditisten mit zum Ausgleich erhöhtem tarifbegünstigtem Veräußerungsgewinn.

 

Beispiel:

Eine KG wird im Jahr 12 insolvent, der Insolvenzantrag wird noch im gleichen Jahr mangels Masse abgewiesen. Stille Reserven sind nicht vorhanden, das Privatkonto weist keinen Bestand aus, es existiert nur ein Verlustvortragskonto. Die Haftsumme übersteigt nicht die eingezahlte Pflichteinlage.

 
  TEUR TEUR
Pflicht- = Hafteinlage (Kapitalkonto I)   1...

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