Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / Abtretung
 

Rn. 1

Stand: EL 131 – ET: 10/2018

Die Abtretung einer Forderung hat iRd § 11 EStG grundsätzlich keine Auswirkungen auf den Zufluss o den Abfluss. Erfolgt die Abtretung zur Einziehung (Inkasso), als Sicherheitsabtretung o erfüllungshalber o als Vorwegabtretung, vgl dazu BFH v 13.05.1976, IV R 83/75, BStBl II 1976, 592, erfolgen Zufluss beim neuen wie beim alten Gläubiger bzw Abfluss beim Schuldner erst bei der Zahlung des Schuldners an den neuen Gläubiger. Dies gilt selbst dann, wenn die Abtretung steuerlich unwirksam ist, vgl BFH v 14.12.1976, VIII R 146/73, BStBl II 1977, 115; BFH v 29.05.2001, VIII R 11/00, BFH/NV 2001, 1393 zur unwirksamen Bestellung eines Nießbrauchs an Wertpapieren.

 

Rn. 2

Stand: EL 131 – ET: 10/2018

Erfolgt nach der unentgeltlichen Abtretung der Forderung ein Geldeingang beim ursprünglichen Gläubiger, liegt ein Zufluss bei diesem vor, FG Nds v 15.07.2009, 4 K 92/09, EFG 2010, 1021 (nachgehend BFH v 06.11.2009, VIII B 187/09, BFH/NV 2010, 1409). Ist die erfüllungshalber abgetretene Forderung jedoch fällig, unbestritten u einziehbar u zieht der Zessionar die Forderung nicht ein, sondern lässt sie im eigenen Interesse stehen, sollen Abfluss bzw Zufluss auf den Zeitpunkt der Abtretung vor zu verlagern sein, BFH v 30.10.1980, IV R 97/78, BStBl II 1981, 305; FG Nds v 10.03.2015, 12 K 70/14. Zufluss von Arbeitslohn bereits dann, wenn dem ArbN eine bereits fällige, unbestrittene u einziehbare Forderung (Ansprüche aus einer Rückdeckungsversicherung) abgetreten wird, aA – zutr – Seiler in Kirchhof, § 11 EStG Rz 29 (17. Aufl); Krüger in Schmidt, § 11 EStG Rz 50 "Abtretung" (37. Aufl): Zufluss bzw Abfluss nur dann, wenn Zahlung angeboten u willkürlich ausgeschlagen wird. Die von der Rspr vorgenommene Vorverlagerung des Abfluss- bzw Zuflusszeitpunkts widerspricht dem System der Einkünfteermittlung bei den Überschusseinkünften. Gleiches gilt für den gesetzlichen Forderungsübergang nach § 103 Abs 1 SGB X, BFH v 10.07.2002, X R 46/01, BStBl II 2003, 391; vgl auch BFH v 09.12.2015, X R 30/14, BStBl II 2016, 624 zum Zufluss bei Erwerbsminderungsrente nach vorherigem Bezug erstattungspflichtigen Krankengelds.

 

Rn. 3

Stand: EL 131 – ET: 10/2018

Die Grundsätze für die rechtsgeschäftliche Abtretung gelten gleichermaßen für den gesetzlichen Forderungsübergang, zB den auf den Sozialleistungsträger gem § 115 Abs 1 SGB X, vgl BFH v 16.03.1993, XI R 52/88, BStBl II 1993, 507.

 

Rn. 4

Stand: EL 131 – ET: 10/2018

Erfolgt die Abtretung (ausnahmsweise) an Erfüllungs statt, steht dies einer Zahlung gleich (§ 364 Abs 1 BGB). Deshalb liegt in dem Übergang der Verfügungsmacht über die abgetretene Forderung bereits der Abfluss eines geldwerten Vorteils beim bisherigen u der entsprechende Zufluss beim neuen Gläubiger, vgl dazu BFH v 22.04.1966, VI 137/65, BStBl III 1966, 394; FG D'dorf v 12.09.2000, 3 K 8148/97 E, EFG 2001, 429. Der Zufluss erfolgt mit dem Zeitwert der Forderung (BFH v 30.10.1980, IV R 97/78, BStBl II 1981, 305 unter 1.c.); erfolgt später eine höhere o niedrigere Zahlung, wirkt sich dies nicht auf den Zufluss aus Krüger in Schmidt, § 11 EStG Rz 50 "Abtretung" (37. Aufl). Der Schuldner muss allerdings zahlungsfähig sein, BFH v 21.07.1987, VIII R 211/82, BFH/NV 1988, 224, da eine Verfügung über eine wertlose Forderung nicht als Zufluss gewertet werden kann.

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