Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / 1. Zufluss
 

Rn. 21

Stand: EL 131 – ET: 10/2018

§ 11 Abs 1 S 1 EStG stellt auf den Zufluss von Einnahmen ab. Maßgeblich für den Zufluss ist dabei der Zeitpunkt, in dem der StPfl tatsächlich die wirtschaftliche Verfügungsmacht über die Einnahme erlangt, BFH v 30.06.2011, VI R 37/09, BStBl II 2011, 923; BFH v 11.12.2008, VI R 9/05, BStBl II 2009, 385; BFH v 30.09.2008, VI R 67/05, BStBl II 2009, 282; BFH v 12.04.2007, VI R 89/04, BStBl II 2007, 719. Ob ein StPfl tatsächlich die wirtschaftliche Verfügungsmacht erlangt hat, ist eine grundsätzlich dem FG obliegende Frage der Tatsachenfeststellung und -würdigung, BFH v 30.06.2011, VI R 37/09, BStBl II 2011, 923; BFH v 30.11.2010, VIII R 40/08, BFH/NV 2011, 592.

Ohne Bedeutung ist dabei idR die Fälligkeit, vgl dazu BFH v 23.09.1999, IV R 1/99, BStBl II 2000, 121, sowie der Zeitraum, für den die Leistung erfolgt. Die Fälligkeit einer Forderung kann jedoch ein Beweisanzeichen für den Übergang der wirtschaftlichen Verfügungsmacht beinhalten, BFH v 21.10.1981, I R 230/78, BStBl II 1982, 139. Die Erlangung der wirtschaftlichen Verfügungsmacht (vgl dazu BFH v 02.10.1987, VI R 65/84, BFH/NV 1988, 86) kann durch einen tatsächlichen Vorgang, zB eine Barzahlung erfolgen, sie kann jedoch auch auf einer Rechtshandlung, zB einer Willenserklärung, beruhen (Aufrechnung, Abtretung, vgl dazu FG Nds v 15.07.2009, 4 K 92/09, EFG 2010, 1021). Der StPfl hat die wirtschaftliche Verfügungsmacht erlangt, sobald er in Kenntnis der Verfügungsmöglichkeit über die Einnahme wirtschaftlich verfügen kann (BFH v 01.10.1993, III R 32/92, BStBl II 1994, 179; BFH v 21.11.1989, IX R 170/85, BStBl II 1990, 310; BFH v 18.08.2016, VI R 18/13, BStBl II 2018, 72; Oenings/Altenburg, DStR 2017, 538) o über sie verfügt (BFH v 02.05.2001, VIII R 44/00, BStBl II 2001, 562; BFH v 10.12.1985, VIII R 15/83, BStBl II 1986, 342; BFH v 14.06.2005, VIII R 53/03, BFH/NV 2005, 2183).

Die Möglichkeit der Kenntnisnahme reicht aus, das konkrete Kennen des Zuflusses ist nicht erforderlich, Walter in Frotscher/Geurts, § 11 EStG Rz 15 (Dezember 2017). Die Herkunft der Mittel ist unerheblich, BFH v 10.07.2001, VIII R 35/00, BStBl II 2001, 646.

 

Rn. 22

Stand: EL 131 – ET: 10/2018

Wirtschaftlich verfügen kann der StPfl (Gläubiger) bereits dann über die Leistung, wenn ihn der Schuldner dazu in die Lage versetzt hat, den Leistungserfolg ohne weiteres Zutun des Schuldners herbeizuführen. Dies gilt allerdings nur unter der weiteren Voraussetzung, dass der Schuldner leistungsbereit u leistungsfähig ist, BFH v 28.10.2008, VIII R 36/04, BStBl II 2009, 190; BFH v 30.10.1980, IV R 97/78, BStBl II 1981, 305; BFH v 16.03.2010, VIII R 4/07, BStBl II 2014, 147; BFH v 11.02.2010, VI R 47/08, BFH/NV 2010, 1094.

Mit der Hingabe des gedeckten Schecks ist deshalb grds bereits die Scheckzahlung zugeflossen, da der Schecknehmer davon ausgehen kann, dass er die Schecksumme ausgezahlt o gutgeschrieben erhält, BFH v 28.10.2008, VIII R 36/04, BStBl II 2009, 190; BFH v 20.03.2001, IX R 97/97, BStBl II 2001, 482; BFH v 30.10.1980, IV R 97/78, BStBl II 1981, 305. Der Empfänger des – bei Hingabe – gedeckten Schecks ist in der Lage, den Leistungserfolg durch Einreichung des Schecks bei der Bank herbeizuführen, Kister in H/H/R, § 11 EStG Rz 45 (Januar 2017). Reicht der Empfänger den Scheck erst später bei der Bank ein u ist der Scheck in diesem Zeitpunkt nicht mehr gedeckt, ist somit gleichwohl ein Zufluss gegeben (Kister in H/H/R, § 11 EStG Rz 45 (Januar 2017).

Nimmt der leistungsbereite u leistungsfähige Schuldner in seinen Büchern eine Gutschrift vor, kann dies für einen Zufluss bereits dann ausreichen, wenn dem Schuldner kein Leistungsverweigerungsrecht zusteht u die Gutschrift zum Ausdruck bringt, dass dem Gläubiger der gutgeschriebene Betrag von nun an zur Verfügung steht, BFH v 24.03.1993, X R 55/91, BStBl II 1993, 499; BFH v 24.01.1990, I R 55/85, BStBl II 1991, 147; BFH v 12.11.1997, XI R 30/97, BStBl II 1998, 252; BFH v 30.11.2010, VIII R 40/08, BFH/NV 2011, 592; BFH v 11.02.2010, VI R 47/08, BFH/NV 2010, 1094; BFH v 19.06.2007, VIII R 63/03, BFH/NV 2008, 194; BFH v 18.12.2001, IX R 74/98, BFH/NV 2002, 643. Nach dem Gesamtbild der Verhältnisse entscheidet sich, ob der geschuldete Betrag dem Gläubiger zur Verfügung steht. Dafür ist ua maßgebend, ob der geschuldete Betrag im Interesse des Gläubigers stehen bleibt, BFH v 11.02.2010, VI R 47/08, BFH/NV 2010, 1094 u der Gläubiger von der Gutschrift Kenntnis hat, BFH v 16.03.2010, VIII R 4/07, BStBl II 2014, 147; Kister in H/H/R, § 11 EStG Rz 51, 52 (Januar 2017); Krüger in Schmidt, § 11 EStG Rz 50 "Gutschrift" (37. Aufl).

Die Schuldumschaffung (Novation) muss sich als Folge der Ausübung der wirtschaftlichen Verfügungsmacht des Gläubigers (Anlegers) über den Gegenstand der Altforderung darstellen u auf dessen freiem Entschluss beruhen. Entscheidend ist, ob der dem Gläubiger geschuldete Betrag gerade in dessen Interesse nicht ausgezahlt u aufgrund der Novation fortan aus einem anderen Rechtsgrund geschuldet wird. Ein alleinig...

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