Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / A. Zuwendung von WG (§ 10b EStG Abs 3 S 1 EStG)
 

Rn. 231

Stand: EL 125 – ET: 12/2017

§ 10b Abs 3 EStG stellt klar, vgl BFH v 22.19.1971, VI R 310/69, BStBl II 1972, 55, dass als Zuwendungen iSd § 10b EStG auch die Zuwendung von WG gilt (Sachzuwendungen), mit Ausnahme von Nutzungen u Leistungen. Zum Begriff des WG s §§ 4, 5 Rn 599 (Hoffmann). Als Sachzuwendungen kommen neben Sachen iSd § 90 BGB auch nicht körperliche Objekte, wie Immaterialgüterrechte, werthaltige (Kredit-)Forderungen, sonstige Vermögensrechte u tatsächliche Zustände sowie konkrete Möglichkeiten u Vorteile in Betracht, soweit ihnen ein selbstständiger Wert zukommt u sie verkehrsfähig sind, BFH v 22.19.1971, VI R 310/69, BStBl II 1992, 977; Kirchhof in Kirchhof, § 10b EStG Rz 56 (16. Aufl). Gebrauchte WG, zB gebrauchte Kleidung, u selbst geschaffene Kunstwerke können dann Sachzuwendungen sein, wenn ihnen im Geschäftsverkehr ein Marktwert zukommt, vgl BFH v 23.05.1989, X R 17/85, BStBl II 1989, 879; FG Bln v 14.11.1977, V 231/77, EFG 1978, 376; zur Bewertung von gebrauchten WG ausführlich s Rn 233ff u s Rn 244.

Bei den Sachzuwendungen ist es für den SA-Abzug ohne Bedeutung, ob der Zuwendungsempfänger das WG unmittelbar für steuerbegünstigte Zwecke einsetzt o ob er das zugewendete WG weiterveräußert u den Erlös für die steuerbegünstigten Zwecke einsetzt, vgl Brandl in Blümich, § 10b EStG Rz 120 (September 2016). Für die Abziehbarkeit der Zuwendung ist es ferner ohne Bedeutung, ob der Zuwendungsempfänger durch die Verwertung der zugewendeten WG einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb begründet, Brandl in Blümich, § 10b EStG Rz 120; zum wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb bei Altkleidersammlungen vgl BFH v 10.06.1992, I R 76/90, BFH/NV 1992, 839; BFH v 21.12.1994, I B 14/94, BFH/NV 1995, 568.

Str ist, ob Blutspenden als Sachzuwendungen anzusehen sind. Während dies die FinVerw verneint (vgl OFD Ffm v 15.12.1994, FR 1995, 287; so auch Heinicke in Schmidt, § 10b EStG Rz 7 (36. Aufl); Kulosa in H/H/R, § 10b EStG Rz 121 (Dezember 2015); Kirchhof in Kirchhof, § 10b EStG Rz 57 (16. Aufl) ; Brandl in Blümich, § 10b EStG Rz 120 (September 2016): Verzicht auf die kommerzielle Verwertung des eigenen Blutes), vertreten ; Geserich in K/S/M, § 10b EStG Rz D 115, 116 (Dezember 2008); Lindberg in Frotscher, § 10b EStG Rz 16 (Februar 2017) u Drasdo, DStR 1987, 327 die gegenteilige Auffassung. Zwar handelt es sich bei Blut heute um ein gängiges Handelsgut mit Vermögenswert, es fehlt gleichwohl an einer Wertabgabe, da es zu keiner wirtschaftlichen Belastung des Spenders kommt; Entsprechendes gilt für Organspenden; Kulosa in H/H/R, § 10b EStG Rz 121 (Dezember 2015). Etwas anderes gilt nur dann, wenn derjenige, der Blut spendet, auf einen Geldanspruch verzichtet, vgl Heinicke in Schmidt, § 10b EStG Rz 7 (36. Aufl); Kulosa in H/H/R, § 10b EStG Rz 121 (Dezember 2015).

 

Rn. 232

Stand: EL 125 – ET: 12/2017

Nutzungen u Leistungen iSd § 100 BGB sind hingegen nach § 10b Abs 3 S 1 Hs 2 EStG ausdrücklich vom SA-Abzug ausgenommen, sofern sie nicht mit einer Wertabgabe aus dem geldwerten Vermögen des Zuwendenden verbunden sind, Heinicke in Schmidt, § 10b EStG Rz 2 (36. Aufl); Kulosa in H/H/R, § 10b EStG Rz 122 (Dezember 2015). Kein SA-Abzug ist deshalb bei der Nutzungsüberlassung von Räumen o der eines Kfz gegeben, ebenso wenig bei der Gewährung eines zinslosen Darlehens sowie bei der unentgeltlichen Arbeit. Etwas anderes gilt nur bei einem Verzicht auf ein Entgelt.

 

Rn. 233

Stand: EL 125 – ET: 12/2017

Die Zuwendungsbestätigung (zu den vorgeschriebenen Vordrucken vgl BMF v13.12.2007, BStBl I 2008, 4; BMF v 17.06.2011, BStBl I 2011, 623 sowie BMF v 30.08.2012, BStBl I 2012, 884) muss bei Sachzuwendungen nicht nur den v Zuwendungsempfänger ermittelten Wert des WG enthalten. Das zugewendete WG muss ferner so genau bezeichnet sein, dass die FinVerw die Wertangabe überprüfen kann, BFH v 29.11.1989, X R 154/88, BStBl II 1990, 570; BFH v 28.11.1990, X R 61/89, BFH/NV 1991, 305; BMF v 17.06.2011, BStBl I 2011, 623 Tz 8; BMF v 30.08.2012, BStBl I 2012, 884 Tz 5. Der Zuwendungsempfänger hat den Marktwert der zugewendeten WG zu ermitteln; dafür reicht eine Gruppenbewertung nicht aus, jedes einzelne WG ist zu bewerten. Ferner hat der Zuwendungsempfänger festzuhalten, welcher Unterlagen er sich bei der Wertermittlung bedient hat, BFH v 29.11.1989, X R 154/88, BStBl II 1990, 570; zu den Mustern der Zuwendungsbestätigungen vgl BMF 07.11.2013, BStBl I 2013, 1333; BMF v 30.08.2012, BStBl I 2012, 884 sowie BMF v 13.12.2007, BStBl I 2008, 4. Die in der Zuwendungsbestätigung enthaltene Wertangabe bindet das FA nicht, BFH v 23.05.1989, X R 17/85, BStBl II 1989, 879.

 

Rn. 234

Stand: EL 125 – ET: 12/2017

 

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