Literaturauswertung EStG/KS... / 2.16 § 6 EStG (Bewertung)

• 2015

Leerkosteneliminierung statt Teilwertabschreibung / § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG

 

Wird ein Betrieb infolge teilweiser Stilllegung oder mangelnder Aufträge nicht voll ausgenutzt, sind die dadurch verursachten Leerkosten bei der Berechnung der Herstellungskosten nicht zu berücksichtigen (R 6.3 Abs. 6 EStR). Die nicht volle Ausnutzung von Produktionsanlagen führt allerdings nicht zu einer Minderung der in die Herstellungskosten einzubeziehenden Fertigungsgemeinkosten, wenn sich die Schwankungen in der Kapazitätsauslastung aus der Art der Produktion, wie z. B. bei Zuckerfabriken als Folge der Abhängigkeit von natürlichen Verhältnissen, ergibt. Die Leerkosteneliminierung kann im Einzelfall anstelle einer Teilwertabschreibung eine Möglichkeit darstellen, um eine drohende spätere Wertaufholung im Rahmen einer Teilwertabschreibung zu vermeiden. Voraussetzung für die Eliminierung von Leerkosten ist aber das Vorhandensein einer aussagefähigen Kosten- und Leistungsrechnung.

(so Köhler, Leerkosteneliminierung anstelle einer Teilwertabschreibung - Gestaltungsinstrument zur Vermeidung einer Wertaufholung, DB 2015, 763)

Bewertung von Verbindlichkeiten in Schweizer Franken / § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG

 

Bedingt durch die Aufhebung der Wechselkursanbindung durch die Schweizerische Nationalbank wurde der Schweizer Franken erheblich aufgewertet. Es stellt sich nun die Frage, inwieweit Verbindlichkeiten in Schweizer Franken steuerbilanziell mit dem höheren Wert angesetzt werden können. Nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG sind Verbindlichkeiten grundsätzlich mit dem Nennwert zu bewerten. Der Nennwert einer Fremdwährungsverbindlichkeit ist in Euro umzurechnen. Abzustellen ist auf den Wechselkurs im Zeitpunkt der Darlehensaufnahme. Nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG können Verbindlichkeiten mit dem Teilwert angesetzt werden, sofern dieser aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertänderung über dem Nennwert liegt. Schweizer Franken-Verbindlichkeiten in Steuerbilanzen, deren Bilanzstichtag vor dem 15.1.2015 (Tag der Aufhebung der Wechselkursanbindung) liegt, können nicht mit dem durch die Aufhebung der Wechselkursanbindung erhöhten Teilwert bewertet werden. Insoweit liegt ein wertbeeinflussender Umstand vor. Anders ist dies bei Schweizer Franken-Verbindlichkeiten in Steuerbilanzen, deren Bilanzstichtag nach dem 15.1.2015 liegt. Da voraussichtlich keine Rückkehr zu dem durch staatliche Interventionen niedrig gehaltenen Wert des Schweizer Franken erfolgen wird, kommt eine Bewertung mit dem höheren Teilwert in Betracht. Eine am Bilanzstichtag noch nicht abzusehende Abwertung des Schweizer Franken dürfte keinen Einfluss auf die Bewertung einer Schweizer Franken-Verbindlichkeit zum jeweiligen Bilanzstichtag haben.

(so Hölscher, Steuerbilanzielle Bewertung von Verbindlichkeiten in Schweizer Franken, DStR 2015, 1401)

Reichweitenverfahren / § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG

 

Über das Reichweitenverfahren können pauschale Abschreibungen auf den niedrigeren Teilwert nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 i. V. m. Nr. 1 Satz 3 EStG bei großen Warenvorräten vorgenommen werden. Nachgewiesen werden müssen die lange Lagerdauer, die mangelnde Gängigkeit und die Verwertungsrisiken. Auch dürfen die gewählten Abschlagssätze der Höhe nach nicht unbegründet oder unschlüssig sein. Dabei dürfen bei Waren mit einem hohen Materialwert Abschläge nur bis zum Schrottwert erfolgen. Werden die Waren im Folgejahr nicht verschrottet oder nicht verkauft, müssen sie in den Folgezeiträumen auf mindestens den doppelten Schrottwert zugeschrieben werden. Waren mit einem geringen Materialwert können regelmäßig nicht auf einen Wert von unter 10 % der Anschaffungskosten abgewertet werden.

(so Görgen, Grenzen zulässiger Teilwertabschreibungen auf Warenvorräte durch Gängigkeitsverfahren - Voraussetzungen, Schlüssigkeits- und Untergrenzen bei Abschreibungen durch Reichweitenverfahren, DStR 2015, 2250)

Werthaltigkeit von Gesellschafterdarlehen / § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG

 

Im Rahmen von Gesellschafterfremdfinanzierungen sind vielfach Gesellschafterdarlehen zu bewerten. Bewertungsanlässe sind z. B. Teilwertabschreibungen nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG, wobei § 8b Abs. 3 Satz 4 bis 6 KStG zu beachten ist oder Forderungserlasse vor dem Hintergrund der verdeckten Einlage. Zugangs- und Folgebewertung erfolgen grundsätzlich mit den Anschaffungskosten, also mit dem Nominalwert. Im Rahmen der Folgebewertung ist der niedrigere Teilwert durch Schätzung zu ermitteln. Maßgebend sind die Verhältnisse des konkreten Einzelfalls. Abzustellen ist auf die Bonität des Darlehensnehmers. Bei einer insolvenzrechtlichen Überschuldung ohne positive Fortführungsprognose ist der Teilwert der Darlehensforderung regelmäßig mit 0 anzusetzen. Eine Teilwertabschreibung scheidet aus bei entsprechenden Aufrechnungsmöglichkeiten. Bei einer Verjährungseinrede kommt eine Teilwertabschreibung erst dann in Betracht, wenn am Bilanzstichtag mit einer entsprechenden Einrede ernsthaft zu rechnen ist. Im Fall eines konzerninternen Forderungsverzichts zum Zw...

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