Zusammenfassung

 
Überblick

Zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage für Absetzungen für Abnutzung von Gebäuden[1] ist es in der Praxis häufig erforderlich, einen für ein bebautes Grundstück gezahlten Gesamtkaufpreis auf das Gebäude, das der Abnutzung unterliegt, sowie den nicht abnutzbaren Grund und Boden aufzuteilen. Dabei ist eine von den Vertragsparteien vorgenommene Aufteilung des Kaufpreises grundsätzlich der Besteuerung zugrunde zu legen. Einer vertraglichen Einigung über die Aufteilung ist steuerlich zu folgen, solange dagegen keine Bedenken bestehen und die Einigung von den wechselseitigen Interessen der Vertragsparteien getragen ist.

Nicht zulässig ist, nur den Grund und Boden zu bewerten und in Anwendung der sog. Restwertmethode den Wert des Gebäudes aus der Differenz zwischen dem Gesamtkaufpreis und dem Bodenwert abzuleiten. Vielmehr sind zunächst der Boden- und Gebäudewert gesondert zu ermitteln und sodann die Anschaffungskosten nach dem Verhältnis der beiden Wertanteile in Anschaffungskosten für den Grund- und Bodenanteil und den Gebäudeanteil aufzuteilen. Fehlt es an einer Einigung der Parteien oder kann sie steuerrechtlich nicht zugrunde gelegt werden, sind für den Grund und Boden und das Gebäude die jeweiligen Einzelwerte zu ermitteln. Das BMF hat zur vereinfachten Kaufpreisaufteilung auf seiner Internetseite[2] eine Arbeitshilfe als xls-Datei zur Verfügung gestellt, die es unter Berücksichtigung der höchstrichterlichen Rechtsprechung ermöglicht, in einem typisierten Verfahren entweder eine Kaufpreisaufteilung selbst vorzunehmen oder die Plausibilität einer vorliegenden Kaufpreisaufteilung zu prüfen. Für alle Erwerbe nach dem 31.12.2012 kann dieses bundeseinheitliche vereinfachte Verfahren zur Kaufpreisaufteilung verwendet werden. Der folgende Beitrag gibt hierzu Erläuterungen.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Steuerrechtliche Regelungen zur Aufteilung eines Gesamtkaufpreises finden sich in H 7.3 EStH (Kaufpreisaufteilung) und in R 7.3 EStR (Bemessungsgrundlage für die AfA). Darüber hinaus wurden die Grundsätze zur Aufteilung eines einheitlichen Kaufpreises durch die Finanzrechtsprechung in zahlreichen Urteilen entwickelt. Grundlegende Ausführungen enthält u. a. das Urteil des BFH v. 15.1.1985, IX R 81/83, BStBl 1985 II S. 252, zuletzt bestätigt durch das Urteil des BFH v. 16.9.2015, IX R 12/14, BFH/NV 2016 S. 266.

1 Grundsätze der Rechtsprechung zur Aufteilung eines Gesamtkaufpreises­

1.1 Aufteilung eines Gesamtkaufpreises durch die Vertragsparteien

Nach dem Grundsatz der Einzelbewertung sind bei einem gleichzeitigen Erwerb mehrerer Wirtschaftsgüter steuerrechtlich die Anschaffungskosten jedes einzelnen Wirtschaftsguts zu ermitteln.[1] Nur Gebäude können steuerlich abgeschrieben werden, nicht jedoch der Grund und Boden. Zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Absetzungen für Abnutzung von Gebäuden ist es in der Praxis häufig erforderlich, einen Gesamtkaufpreis für ein bebautes Grundstück auf das Gebäude, das der Abnutzung unterliegt, sowie den nicht abnutzbaren Grund und Boden aufzuteilen.[2] Das gilt auch bei der Anschaffung von Eigentumswohnungen; dabei rechtfertigt die eingeschränkte Nutzungs- und Verfügungsmöglichkeit des Wohnungseigentümers hinsichtlich seines Bodenanteils keinen niedrigeren Wertansatz des Bodenanteils.[3]

Eine von den Vertragsparteien vorgenommene Aufteilung des Kaufpreises auf einzelne Wirtschaftsgüter ist hierbei grundsätzlich der Besteuerung zugrunde zu legen.[4] Der BFH hat in ständiger Rechtsprechung[5] jedoch entschieden, dass bei der Zahlung eines Gesamtkaufpreises für mehrere Wirtschaftsgüter der vertraglich vereinbarten Kaufpreisaufteilung auf die Einzelwirtschaftsgüter nicht zu folgen und eine Zuordnung nach dem Verhältnis der Werte geboten ist, wenn Bedenken gegen die wirtschaftliche Richtigkeit der im Vertrag vorgesehenen Aufteilung bestehen. Eine den wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht entsprechende Aufteilung ist dann in Betracht zu ziehen, wenn die Aufteilung nicht von gegensätzlichen Interessen der Vertragspartner getragen wird und in erster Linie Gründe der Steuerersparnis für sie maßgebend waren und zumindest eine der Vertragsparteien ein besonderes Interesse an einer bestimmten Aufteilung hat.[6] Dementsprechend geht die Rechtsprechung von einer Bindung an eine vertragliche Kaufpreisaufteilung von Grundstück und Gebäude aus, sofern sie zum einen nicht nur zum Schein getroffen wurde sowie keinen Gestaltungsmissbrauch i. S. d. § 42 AO darstellt und zum anderen keine Anhaltspunkte vorliegen, dass die vertragliche Kaufpreisaufteilung die realen Wertverhältnisse in grundsätzlicher Weise verfehlt und wirtschaftlich nicht haltbar erscheint.[7]

 
Hinweis

Zweifel am Aufteilungsmaßstab

Nach Auffassung des dem Verfahren IX R 12/14 beigetretenen Bundesministerium der Finanzen ist häufig nicht auszuschließen, dass die von den Vertragsparteien selbst vorgenommene Aufteilung nicht den wirtschaftlichen Gegebenheiten entspreche und nur „der Steuern wegen” vorgenommen wurde. Die Aufteilung sei deshalb unter Heranziehung eines einzelfallgerechte...

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