Kapitalvermögen

Zusammenfassung

 
Begriff

Die Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist in § 20 EStG geregelt. Es handelt sich um Überschuss­einkünfte. Hierdurch sollte bis zum Jahr 2008 die Frucht des Kapitals versteuert werden. Wertsteigerungen im Vermögensstamm waren nur im Ausnahmefall nach § 20 EStG anzusetzen. Es ergab sich ggf. eine Steuerpflicht nach § 23 EStG. Durch die Einführung der Abgeltungsteuer hat der Gesetzgeber diese Unterscheidung aufgegeben. Nunmehr werden auch Wertsteigerungen im Kapitalstamm nach § 20 EStG versteuert, wobei dies regelmäßig nur für Kapitalanlagen gilt, die nach dem 31.12.2008 erworben wurden.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Gesetzliche Regelungen enthält § 20 EStG.

1 Vorrang anderer ­Einkunftsarten

Einkünfte aus Kapitalvermögen i.  S.  d. § 20 EStG liegen nicht vor, wenn die Kapitalerträge einer anderen Einkunftsart, z.  B. Einkünfte aus Gewerbebetrieb, § 15 EStG, zuzurechnen sind. § 20 EStG ist nachrangig anzuwenden.

2 Besteuerungs­grundsätze

Durch die ab 2009 geltende Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge wurde die Versteuerung von Kapitaleinkünften reformiert.

Die folgende Übersicht zeigt die frühereund die aktuelleRechtslage:

 
  Jahre bis 2008 Jahre ab 2009
Tatbestände Frucht des Kapitals, z.  B. Zinsen, Dividenden; i. d. R. keine Veräußerungsgewinne Frucht des Kapitals und Veräußerungsgewinne (i.  d.  R. Bestandsschutz für "Altpapiere")
Besteuerungs­zeitpunkt Zufluss der Erträge Zufluss der Erträge
Zurechnung Gläubiger der Kapitalerträge, ggf. wirtschaftlicher Eigentümer;
für Gewinnausschüttungen: Anteilseigner
Gläubiger der Kapitalerträge, ggf. wirtschaftlicher Eigentümer;
für Gewinnausschüttungen: Anteilseigner
Einkunftsermittlung

Einnahmen
./. tatsächliche Werbungskosten (mindestens Pauschbetrag)

./. Sparer-Freibetrag

Einnahmen
./. Sparer-Pauschbetrag

(i. d. R. kein Abzug tatsächlicher Kosten)
Verlustverrechnung
  • Verluste können grundsätzlich mit allen anderen Einkunftsarten verrechnet werden
  • gesonderte Beschränkun­gen für Steuerstundungs­modelle
  • eingeschränkte Verlustverrechnung nach § 20 Abs. 6 EStG
  • gesonderte Beschränkun­gen für Steuerstundungs­modelle
Steuersatz progressiver Steuersatz zzgl. SolZ und ggf. Kirchensteuer fixer Steuersatz von 25 % zzgl. SolZ und ggf. Kirchensteuer
Steuerabzug für bestimmte Kapitalerträge für bestimmte Kapitalerträge (Erweiterung durch Abgeltungsteuer)
Vermeidung des Steuerabzugs durch Freistellungsaufträge und sog. Nichtveranlagungs­bescheinigungen durch Freistellungsaufträge und sog. Nichtveranlagungs­bescheinigungen
Charakter des Steuerabzugs wird auf die Einkommensteuerschuld angerechnet für Privatanleger i.  d.  R. Abgeltungswirkung
Einkommen­steuer­veranlagung ja grundsätzlich nein, soweit abgeltender Steuerabzug

3 Einkünfte ab 2009

3.1 Laufende Einnahmen

Zu den laufenden Kapitalerträgen gehören insbesondere:

  • Gewinnausschüttungen aus Körperschaften, z.  B. Dividenden;
  • ab 2018: Investmenterträge i. S. d. InvStG, d. h. Ausschüttungen, Vorabpauschalen, Veräußerungsgewinne (bis 2017 wurden die laufenden Erträge – ausgeschüttete/ausschüttungsgleiche Erträge – sowie der Zwischengewinn nach der bis dahin geltenden Fassung des InvStG angesetzt).
  • Erträge als stiller Gesellschafter bzw. aus partiarischen Darlehen;
  • Erträge aus Kapitallebensversicherungen (Erlebensfallleistungen);
  • sonstige Kapitalerträge, z.  B. Zinsen;
  • Stillhalterprämien.

3.2 Veräußerungserträge

Ab 2009 unterliegt der Verkauf aller Kapitalforderungen der Einkommensteuer, wobei für die meisten der bis zum 31.12.2008 erworbenen Kapitalanlagen ein Bestandsschutz gilt. Werden "Bestandsschutzpapiere" veräußert, ist dies nach Ablauf der Jahresfrist des § 23 EStG steuerfrei.

Ab 2009 sind insbesondere folgende Geschäfte steuerpflichtig:

  • Verkauf von Aktien und anderen Anteilen an Körperschaften (bei Erwerb ab 2009; entsprechendes gilt für den Verkauf von Investmentanteilen bis 2017 nach der früheren Fassung des § 8 Abs. 5 InvStG);
  • Verkauf von Zins- und Dividendenscheinen (ohne die Wertpapiere);
  • Termingeschäfte (bei Begründung ab 2009);
  • Verkauf/Auflösung einer stillen Gesellschaft bzw. eines partiarischen Darlehens (bei Begründung ab 2009);
  • Verkauf von steuerpflichtigen Kapitallebensversicherungen;
  • Verkauf sonstiger Kapitalforderungen (besondere Anwendungsrege­lungen).

3.3 Sonstige Erträge

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören auch besondere Entgelte oder Vorteile, die neben den in § 20 Abs. 1, 2 EStG bezeichneten Einnahmen oder an deren Stelle gewährt werden. Hierzu gehören z.  B. Sachdividenden oder Entgelte von dritter Seite.

3.4 Einkunftsermittlung

3.4.1 Laufende Erträge und Veräußerungsgewinne

Zinsen und Dividenden sind in voller Höhe steuerpflichtig; bei Stillhaltergeschäften und Lebensversicherungserträgen gelten Besonderheiten.

Der Veräußerungsgewinn wird für Kapitalanlagen nach § 20 Abs. 2 EStG ab 2009 nach den Sonderregelungen des § 20 Abs. 4 EStG ermittelt. Es gilt:

 
Veräußerungs-/Einlösungspreis
./. Anschaffungskosten
./. Veräußerungskosten
Veräußerungsgewinn/Veräußerungsverlust

Obwohl der Werbungskostenabzug grundsätzlich ausgeschlossen ist, werden reine Veräußerungskosten und Anschaffungsnebenkosten bei der Veräußerungsgewinnermittlung berücksichtigt. Auch bei der Einkünfteermittlung für Termingeschäft...

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