Honorar-Brief für Steuerber... / 1 Honorarmanagement: Außenstände optimal minimieren durch Factoring

Außenstände von bis zu 3 Monaten und teilweise auch mehr sind im steuerberatenden Beruf leider keine Seltenheit. Wesentliche Gründe hierfür sind, dass die Rechnungen nicht zeitnah mit Erledigung/Be endigung der Angelegenheit geschrieben und nicht konsequent angemahnt/beigetrieben werden.

Zu oft lassen sich Steuerberater von ihren Mandanten vertrösten bzw. einen Bären aufbinden, warum sie im Moment das Honorar nicht bezahlen können. Sie versprechen hoch und heilig dies zu tun, sobald es ihnen oder ihrem Unternehmen finanziell wieder besser geht.

Da der Steuerberater sich mit dem Mandanten duzt und schon viele Jahre von ihm gelebt hat, lässt er sich hierauf ein und läuft seinem Geld weiter hinterher. Nicht immer holt er es ein, womit es dann endgültig verloren ist.

Forderungsmanagement konsequent auslagern kann Abhilfe schaffen

Diese Konsequenzen lassen sich leicht vermeiden, wenn das Forderungsmanagement ausgelagert und an einen professionellen Dienstleister übergeben wird. Musterbeispiel ist die "Privatärztliche Verrechnungsstelle". Zwar konnten auch Steuerberater bisher schon ihre Forderungen von Inkassounternehmen einziehen lassen, aber nur, wenn

  • der Mandant zuvor schriftlich eingewilligt hatte oder
  • die Forderung rechtskräftig festgestellt wurde.

Seit dem 8. Steuerberatungsänderungsgesetz gibt es aber auch die weitere und viel elegantere Lösung, die Forderungen ohne Zustimmung der Mandanten (= still) abzutreten, wenn es sich bei dem Inkassounternehmen um Angehörige des steuerberatenden Berufs i. S. d. § 3 StBerG handelt (Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, Rechtsanwälte, niedergelassene europäische Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer, Partnerschaftsgesellschaften, deren Partner ausschließlich die in § 3 Nr. 1 StBerG genannten Personen sind sowie Steuerberatungsgesellschaften, Rechtsanwaltsgesellschaften, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Buchprüfungsgesellschaften).

Allerdings ist das Inkasso Steuerberatern bzw. Steuer­beratungsgesellschaften nur erlaubt, wenn sie über eine von der Steuerberaterkammer erteilte Ausnahmegenehmigung vom Verbot der gewerblichen Tätigkeit verfügen (§ 57 Abs. 4 Nr. 1 StBerG i. V. m. § 16 BOStB). Rechtsanwaltsgesellschaften dagegen ist die Inkassotätigkeit auch ohne Ausnahmegenehmigung erlaubt, da ihnen im Gegensatz zu Steuerberatern eine gewerbliche Betätigung nicht verboten ist.

Als erste bot die berufsständische Genossenschaft "DEGEV eG" (www.degev.com) in Kooperation mit der DTE.W. Rechtsanwaltsgesellschaft GmbH (zuvor DTE.W. Steuerberatungsgesellschaft mbH) mit Sitz in Bad Dürkheim Steuerberatern das stille Factoring – ohne Notwendigkeit der Zustimmung der Mandanten – ganz legal an.

Für Steuerberater bedeutet dies, dass sie mit Fälligkeit, also unmittelbar nach Erledigung/Beendigung der Angelegenheit i. S. d. § 7 StBVV, die Berechnung erstellen und der DTE.W. einreichen können. Von dort erhalten sie innerhalb von 24 Stunden 100 % des Brutto-Rechnungsbetrags ausgezahlt.

Bei Abtretungen an andere Factoring-Anbieter benötigt der Steuerberater die ausdrückliche schriftliche Zustimmung des Mandanten.

 

Achtung

Auch bei Globalzessionen wird die ausdrückliche schriftliche Zustimmung des Mandanten benötigt

Auch bei Globalzessionen (Abtretung i. S. d. §§ 398 ff. BGB) Ihrer Honorarforderungen an Banken zur Absicherung von Kontokorrent und Darlehen oder Übertragung an Inkassogesellschaften zum Einzug, benötigen Sie die ausdrückliche schriftliche Zustimmung Ihres Mandanten. Ansonsten machen Sie sich als Steuerberater strafbar (§ 203 StGB i. V. m. § 402 BGB).

Nach einer Studie der Dualen Hochschule Mannheim betrifft dies mehr als 7 % der Steuerberater im Bundesgebiet!

Weitere Vorteile durch Factoring mit Berufsangehörigen

Das Factoring mit Berufsangehörigen bringt neben der Sicherheit der legalen zustimmungsfreien Abtretung und einer günstigeren Finanzierungsalternative als teure Kontokorrentlinien eine Vielzahl weiterer Vorteile für Steuerberater mit sich. Außer dem Forderungsausfallschutz und der Verbesserung der Liquidität werden die Kanzlei und der Kanzleiinhaber im Einzelnen auch entlastet:

  • Durch Auslagerung des Forderungsmanagements freiwerdende Zeiten stehen nunmehr für das Kerngeschäft zur Verfügung und verringern dadurch den Fristendruck.
  • Der Forderungseinzug wird professionalisiert.
  • Der Mandant muss Honorardiskussionen mit einem Dritten – dem Factor – führen. Das Verhältnis zu diesem ist nicht von der Vertrautheit und der persönlichen Beziehung geprägt wie gegenüber dem Steuerberater.
  • Die Zulässigkeit der Abtretung hängt weder von der schriftlichen Einwilligung der Mandanten noch dem Erwirken eines rechtskräftigen Urteils ab, da die Abtretung von Forderungen an Berufsgesellschaften i. S. d. § 64 Abs. 2 StBerG ohne Zustimmung der Mandanten möglich ist.
  • Im Rahmen des echten Factorings übernimmt der Factor (= Käufer) die Forderung endgültig, ohne Rückgriffmöglichkeit auf den Forderungsverkäufer. Sollte der Schuldner (= Debitor) die Forderung nicht ausgleichen können,...

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