Gürsching/Stenger, Bewertun... / III. Berechnung der Steuerermäßigung für den Zweiterwerb (Abs. 2)

1. Umfang der Ermäßigung

 

Rz. 25

Je nachdem, ob der Zweiterwerb nur aus dem ursprünglichen Vermögen des Ersterwerbs besteht, was i.d.R. selten ist, oder ob mit dem zweiten Erwerb zusammen mit dem begünstigten Vermögen weiteres Vermögen des Zwischenerwerbers übergeht, das nicht begünstigt ist, ist die Berechnung einfach oder kompliziert.

 

Rz. 26

Im letzteren Fall ist die Steuer für den Letzterwerber in dem Verhältnis aufzuteilen, in dem der Wert des begünstigten Vermögens zu dem Wert des steuerpflichtigen Gesamterwerbs ohne Abzug des ihm zustehenden Freibetrags steht. Der dementsprechend gekürzte Betrag ermäßigt dann die Erbschaftsteuer.

 

Beispiele

S. H E 27 ErbStH 2011.

 

Rz. 27

Ist eine genaue Trennung nicht möglich, so setzt zugunsten des Steuerpflichtigen die Finanzverwaltung die beim ersten Erwerb vorhandenen Beteiligungsverhältnisse in begünstigtes und nicht begünstigtes Vermögen an.

 

Rz. 28

Stehen mit dem mehrfach erworbenen Vermögen Schulden und Lasten in wirtschaftlichem Zusammenhang, so ist die Steuer für den Gesamterwerb in dem Verhältnis aufzuteilen, in welchem der Nettowert des begünstigten Vermögens nach Abzug der mit diesem Vermögen zusammenhängenden Schulden und Lasten zu dem Wert des steuerpflichtigen Gesamterwerbs nach Abzug aller Schulden und Lasten und vor Abzug des dem Erwerber zustehenden Freibetrags steht. Die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit begünstigtem Vermögen stehenden Schulden und Lasten (z.B. Erbfallkosten, sonstige Erblasserschulden, Vermächtnisse, Auflagen sowie Pflichtteils- und Zugewinnausgleichsansprüche) sind dem begünstigten Vermögen nur anteilig zuzuordnen.

2. Sonderfälle

 

Rz. 29

Zur Berechnung, falls die Erbschaftsteuer beim zweiten Erwerb durch einen Dritten übernommen wird.

 

Rz. 30

Zur Berechnung, wenn mehrere Vermögensanfälle nach § 14 ErbStG zusammenzurechnen sind (s. § 14 ErbStG Anm. 64 ff.).

 

Rz. 31

Zur Berechnung bei Zusammentreffen von § 14 Abs. 2, § 21 und § 27 ErbStG s. R E 14 .1 Abs. 5 ErbStR 2011.

 

Rz. 32

Sind am zweiten Erwerb mehrere Erwerber beteiligt, so ist die Ermäßigung auf die einzelnen Erwerber entsprechend ihrem Anteil oder der Erbquote an dem Vermögen zu verteilen. (H E 27 Abs. 1 ErbStR 2011).

3. Höchstbetrag der Ermäßigung (Abs. 3)

 

Rz. 33

Die Ermäßigung nach § 27 ErbStG darf nach Absatz 3 nicht den Betrag überschreiten, der sich bei Kürzung der Steuer ergibt, die der Vorerwerber für den Erwerb desselben Vermögens tatsächlich entrichtet hat. Die zu § 14 Abs. 1 Satz 2 ErbStG ergangene Rechtsprechung (s. § 14 ErbStG Anm. 13) findet keine Anwendung, denn § 27 ErbStG sieht im Gegensatz zu § 14 Abs. 1 Satz 2 ErbStG keine fiktive Steuerberechnung vor.

Bei mehreren Erwerbern darf die Summe der Ermäßigungsbeträge auch nicht höher sein als der sich nach § 27 Abs. 3 ErbStG ergebende Höchstbetrag. Da ab 2009 sämtliche Vermögenswerte mit dem gemeinen Wert anzusetzen sind, würde die Anhebung der Werte in vielen Fällen dazu führen, dass die Begrenzung des § 27 Abs. 3 ErbStG zur Anwendung kommt. Die Finanzverwaltung sieht eine solche Wertsteigerung zwischen den beiden Erwerben nicht als relevant an, weil nur mit den alten Werten das Vermögen schon einmal der Besteuerung unterlegen hat.

 

Beispiele

S. H E 27 Abs. S. 1 ErbStH 2011.

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