Gürsching/Stenger, Bewertun... / 3. Abzug von Kosten aufgrund des Erbfalls (Abs. 5 Nr. 3)
 

Rz. 116

Der Erwerber kann gem. § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG weitere Kosten erwerbsmindernd abziehen: die Kosten der Bestattung des Erblassers, die Kosten für ein angemessenen Grabdenkmal und die übliche Grabpflege sowie die Kosten, die dem Erwerber unmittelbar mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses oder mit der Erlangung des Erwerbs (z.B. Kosten für die Erfüllung eines Vermächtnisses oder einer Auflage) entstehen. So kann z.B. der Erwerber eines Nacherbenanwartschaftsrechts das Entgelt für den Erwerb des Anwartschaftsrechts als Erwerbskosten abziehen (s. § 3 ErbStG Rz. 343). Strittig ist derzeit inwieweit ein unmittelbarer Zusammenhang vorliegen muss. Für eine weite Auslegung ist das Finanzgericht Düsseldorf im Gegensatz zur Meinung des Finanzgerichts Baden-Württemberg (s.a. Rz. 123 Rechtsverfolgungskosten).

Kosten für die Verwaltung des Nachlasses sind nicht abzugsfähig (s. § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 3 ErbStG). Vorfälligkeitsentschädigungen, die ein Miterbe für die vorzeitige Ablösung von Bankkrediten zahlt, um die als Sicherheit dienenden Grundstücke aus der Mithaftung herauszulösen, gehören nicht zu den abziehbaren Nachlassabwicklungskosten.

Bei einem Erwerb durch Schenkung ist der Erwerbsaufwand entsprechend abzugsfähig (s. Rz. 135).

a) Pauschbetrag (Abs. 5 Nr. 3 Satz 2)

 

Rz. 117

Werden keinerlei Kosten über 10 300 EUR nachgewiesen, so wird für jeden Erbfall einmal der Pauschbetrag von 10.300 EUR gewährt. Kosten müssen jedoch dem Grunde nach entstanden sein, es handelt sich dabei nicht um einen Freibetrag.

Neben dem Pauschbetrag können nach Auffassung der Finanzverwaltung keine weiteren Kosten geltend gemacht werden, es sei denn, es handelt sich um Kosten zur Erlangung des Erwerbs. Ein Abzug von Grabpflegekosten daneben kommt jedoch in Betracht, falls der Erblasser eine solche Auflage nach § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG (s. Rz. 107) getroffen hat. Die Finanzverwaltung ist der Auffassung, dass sich der Pauschbetrag auch auf entsprechende Auflagen des Erblassers bezieht. Der BFH ist hingegen der Auffassung, dass sich der Pauschbetrag nur auf Kosten i.S.v. § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG bezieht. Dass § 10 Abs. 5 Nr. 3 insoweit § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG vorgehen soll, ist zudem m.E. aus dem Gesetz nicht ersichtlich.

 

Rz. 118

Grundsätzlich kann jeder Erwerber diese Kosten abziehen, sofern eine Verpflichtung zur Kostenübernahme bestand, wobei eine sittliche Verpflichtung ausreicht.

Der Pauschbetrag bezieht sich jedoch auf den gesamten Erbfall, so dass bei mehreren Erwerbern der Pauschbetrag aufzuteilen ist (gemeinsamer Antrag oder im Verhältnis der tatsächlich übernommenen Kosten).

 

Rz. 119

Lediglich wenn ein Erwerber Aufwendungen hatte, die sich allein auf die Erlangung seines Erwerbs beziehen und nicht den Nachlass belasten, können diese selbständig neben dem Pauschbetrag abgezogen werden, soweit sie nachgewiesen werden.

 

Rz. 119.1

Für Schenkungen unter Lebenden gibt es den Pauschbetrag nicht. Etwaige Erwerbskosten müssen im Einzelnen nachgewiesen werden.

 

Rz. 119.2

Der Pauschbetrag ist nicht zu kürzen, soweit zum Nachlass nicht der Besteuerung unterliegendes Vermögen gehört.

b) Abzug der Bestattungskosten durch Einzelnachweis

 

Rz. 120

Grundsätzlich sind die Bestattungskosten in voller Höhe abzugsfähig. Das Erbschaftsteuergesetz ist insoweit weitgehender als § 1968 BGB, nach dem der Erbe nur die Kosten der standesgemäßen Beerdigung über § 1610 BGB zu tragen hat. Lediglich die Kosten für das Grabdenkmal (Kosten für die Erstbepflanzung des Grabes, Grabeinfassung, Grabstein – nicht der Erwerb der Grabstätte, der unter die allgemeinen Bestattungskosten fällt) müssen angemessen sein und die Kosten der Grabpflege der Üblichkeit entsprechen. Die Kosten der Grabpflege werden mit ihrem Kapitalwert für eine unbestimmte Dauer abgezogen. Gem. § 12 Abs. 1 ErbStG i.V.m. § 13 Abs. 2 Satz 2 BewG ist dies das 9,3-fache der Jahreskosten (§ 15 BewG).

Bestattungskosten sind die Kosten

  • der Beerdigung oder Feuer- oder Seebestattung,
  • der Todesanzeigen,
  • der eigens dafür angeschafften Trauerkleidung,
  • der Überführung,
  • der üblichen Trauerfeierlichkeiten einschließlich der Bewirtung der Trauergäste,
  • der Todesanzeigen, Danksagungen,
  • des Erwerb der Grabstätte,
  • der Reise des Erwerbers zur Beerdigung; Reisekosten die für Angehörige des Erblassers gezahlt werden, sind nur unmittelbar veranlasst, wenn es sich um bedürftige nahe Angehörige handelt (sofern nicht der Erblasser dies zur Auflage gemacht hatte!).
 

Rz. 121

Trägt ein nicht am Erbfall beteiligter Dritter die Kosten, so können diese nicht abgezogen werden.

Wie im Einzelnen Grabpflegekosten berücksichtigt werden, hat die Finanzverwaltung ausführlich in H E 10.7 ErbStH 2011 geregelt.

Ein Abzug der Beerdigungskosten als außergewöhnliche Belastung gemäß § 33 EStG kommt nur in Betracht, wenn der Nachlass überschuldet ist oder keine sonstigen im Zusammenhang mit dem Tod zugeflossene Geldleistungen vorliegen.

 

Gestaltungstipp:

Steuerlich am günstigsten ist es, wenn der Erblasser bereits vertra...

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