Gürsching/Stenger, Bewertun... / jj) Besonderheiten bei Kapitalgesellschaften
 

Rz. 483

Bei Kapitalgesellschaften rechnen alle ihnen gehörenden Wirtschaftsgüter zum Betriebsvermögen. Dabei ist ohne Bedeutung, ob die Kapitalgesellschaft eine genuin gewerbliche Tätigkeit entfaltet oder nicht; denn die Kapitalgesellschaft unterhält ohne Rücksicht auf ihre tatsächliche Betätigung kraft gesetzlicher Fiktion einen Gewerbebetrieb (kraft Rechtsform). So zählen bei Kapitalgesellschaften auch solche aktiven und passiven Wirtschaftsgüter sowie sonstigen aktiven und passiven Ansätze in der Steuerbilanz zum Betriebsvermögen, die nicht genuin gewerblichen Zwecken, sondern etwa land- und forstwirtschaftlichen Betätigungen oder der reinen Vermögensverwaltung dienen. Auch der Einsatz von Wirtschaftsgütern für Zwecke außerhalb der einkommensteuerrechtlich relevanten Einkünfteerzielung, z.B. der Liebhaberei, steht der Qualifikation solcher Wirtschaftsgüter als Betriebsvermögen nicht entgegen.

 

Rz. 484

Unterhält eine Kapitalgesellschaft mehrere – nach allgemeinen Grundsätzen eigenständige – Betriebe, so liegt gleichwohl nur ein einheitliches Betriebsvermögen vor mit der Konsequenz, dass nur ein einziger Betriebsvermögenswert festzustellen ist.

 

Rz. 485

Bei Kapitalgesellschaften waren sämtliche auf der Passivseite ausgewiesenen Schulden und sonstigen passiven Ansätze mit Ausnahme des Eigenkapitals als Schulden und sonstige Abzüge bei der Bewertung des Betriebsvermögens zu berücksichtigen. Ein Schuldenabzug bei der Kapitalgesellschaft kam aber nicht in Betracht, wenn die Schuld oder der sonstige Abzug mit einem steuerfreien Wirtschaftsgut im Zusammenhang stand oder wenn die Schuld dem Sonderbetriebsvermögen einer Personengesellschaft zuzurechnen war, an der eine GmbH als Gesellschafterin beteiligt war. Wegen der Problematik der Schuldenzuordnung bei Betriebsgrundstücken vgl. Anm. 391 ff.

 

Rz. 486

Das Eigenkapital einer Kapitalgesellschaft stellt keine Schuld gegenüber Dritten dar; es war und ist somit bei der Ermittlung des Betriebsvermögenswerts nicht abziehbar. Zu dem Eigenkapital gehört auch der gesamte Reingewinn des letzten Geschäftsjahres vor dem Feststellungszeitpunkt. Soweit die Kapitalgesellschaft nach dem Abschlussstichtag eine Gewinnausschüttung für das abgelaufene Geschäftsjahr beschloss, konnte diese am Abschlussstichtag noch nicht als abzugsfähige Schuld angesetzt werden. Denn die Schuld entsteht erst mit dem Gewinnverwendungsbeschluss. Dies galt selbst dann, wenn der Gewinnanspruch einem beherrschenden Gesellschafter zustand. In dem zuletzt genannten Fall kam allerdings ein Schuldenabzug nach § 103 Abs. 2 BewG (näher dazu vgl. Anm. 996 ff.) in Betracht.

Nicht als Eigenkapital, sondern als Fremdkapital wird ein Gesellschafterdarlehen angesehen, das ein beschränkt steuerpflichtiger Gesellschafter der Kapitalgesellschaft gewährt hat. Entsprechendes galt für die sog. eigenkapitalersetzenden Darlehen.

 

Rz. 487

War eine Kapitalgesellschaft als Organgesellschaft mit Gewinnabführungsvertrag zur Ablieferung des Gewinns aus dem vorangegangenen Wirtschaftsjahr an den Organträger verpflichtet, so war dieser Gewinnanspruch in der Schlussbilanz der Organträgergesellschaft als Forderung zu bilanzieren. War bei der Organgesellschaft ein Verlust angefallen, so war die Organträgergesellschaft verpflichtet, diesen Verlust auszugleichen und einen entsprechenden Passivposten in die Steuerbilanz einzustellen. Dieser Passivposten war auch bei der Bewertung des Betriebsvermögens der Organträgergesellschaft abziehbar.

 

Rz. 488– 497

Einstweilen frei.

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