Gürsching/Stenger, Bewertun... / IV. Die Regelung des Abs. 2 i.d.F. vor Inkrafttreten des Erbschafsteuerreformgesetzes

1. Vorbemerkungen

 

Rz. 148

Die folgenden Ausführungen zu IV.2 bis 4. betreffen die alte, bis zum 31.12.2008 geltende, noch in einer gewissen Übergangszeit für die Praxis bedeutsame Rechtslage zu § 99 Abs. 2 BewG a.F. Zur Entwicklungsgeschichte des § 99 Abs. 2 BewG a.F. und dessen Streichung vgl. oben, Anm. 1 ff. und Anm. 12 ff.

 

Rz. 149

Die Vorschrift des § 99 Abs. 2 BewG a.F. hat folgenden Wortlaut:

Dient das Grundstück, das, losgelöst von dem Gewerbebetrieb, zum Grundvermögen gehören würde, zu mehr als der Hälfte seines Werts dem Gewerbebetrieb, so gilt das ganze Grundstück als Teil des Gewerbebetriebs und als Betriebsgrundstück. Dient das Grundstück nur zur Hälfte seines Werts oder zu einem geringeren Teil dem Gewerbebetrieb, so gehört das ganze Grundstück zum Grundvermögen. Ein Grundstück, an dem neben dem Betriebsinhaber noch andere Personen beteiligt sind, gilt auch hinsichtlich des Anteils des Betriebsinhabers nicht als Betriebsgrundstück. Abweichend von den Sätzen 1 bis 3 gehört der Grundbesitz der im § 97 Abs. 1 bezeichneten inländischen Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen stets zu den Betriebsgrundstücken.

2. Allgemeine Regelung; Grundstücke im Alleineigentum eines Einzelgewerbetreibenden, eines Mitunternehmers oder dessen Ehegatten

 

Rz. 150

Diente ein Grundstück, das, losgelöst vom Gewerbebetrieb des Grundstückseigentümers, zum Grundvermögen gehört haben würde, nur teilweise dem Gewerbebetrieb, so gehörte das Grundstück – abweichend von der ertragsteuerlichen Beurteilung – entweder in vollem Umfang oder gar nicht zum Betriebsvermögen (§ 99 Abs. 2 Satz 1 und 2 BewG a.F.). Das Grundstück gehörte zur Gänze zum Betriebsvermögen, wenn es zu mehr als der Hälfte seines Wertes (dazu Anm. 156) dem Gewerbebetrieb des Grundstückseigentümers diente. Diente das Grundstück hingegen nur zur Hälfte oder zu einem geringeren Teil dem Gewerbebetrieb, so gehörte es ganz zum Grundvermögen. Diese Regelungen, die erstmals in § 57 RBewG 1934 enthalten waren (vgl. Anm. 1), dienten der Vereinfachung.

 

Rz. 151

Diese Grundsätze galten auch für solche Grundstücke, die ein Mitunternehmer (insbesondere Gesellschafter einer Personengesellschaft) der Mitunternehmerschaft (vor allem Personengesellschaft) für ihre betrieblichen Zwecke überlassen hatte (Sonderbetriebsvermögen I).

 

Rz. 152

Auch ein Grundstück, das Eheleuten gemeinsam gehörte, war dann, wenn es zu mehr als 50 % den eigengewerblichen Zwecken eines der Ehegatten diente, Betriebsgrundstück. Dasselbe galt nach älterer, inzwischen obsoleter Rechtsprechung des BFH, wenn das Grundstück allein dem Ehegatten des Betriebsinhabers gehörte und dem Gewerbebetrieb überwiegend (zu mehr als 50 %) diente. Gleiches galt nach der älteren, inzwischen überholten Rechtsprechung des BFH auch, wenn ein Grundstück im Alleineigentum eines Ehegatten stand und dem Betrieb einer Personengesellschaft zu mehr als 50 % diente, an der der andere Ehegatte als Gesellschafter beteiligt war, Nach der neueren Rechtsprechung stellt jedoch Grundbesitz, der im Alleineigentum eines Ehegatten steht, nicht deswegen ein Betriebsgrundstück dar, weil das Grundstück dem Gewerbebetrieb des anderen Ehegatten dient.

Als Betriebsgrundstück war indessen ein Grundstück zu qualifizieren, das zu mehr als der Hälfte seines Wertes dem Betrieb einer Personengesellschaft diente und zum Gesamthandsvermögen einer aus mehreren Gesellschaftern und deren Ehefrauen bestehenden vermögensverwaltenden Gesellschaft des bürgerlichen Rechts gehörte.

 

Rz. 153

Die Zurechnung von Grundstücken eines Ehegatten zum Gewerbebetrieb oder zum gewerblichen Sonderbetriebsvermögen des anderen Ehegatten folgte aus § 26 BewG.

 

Rz. 154

Umstritten war und ist, ob § 26 BewG auch im Rahmen der Erbschafts- und Schenkungsbesteuerung Geltung beanspruchte und beansprucht. Für steuerpflichtige Erwerbe im Jahr 2006 war dies schon deswegen zu verneinen, weil in § 26 BewG i.d.F. des Jahressteuergesetzes 1997 nicht auf § 99 BewG verwiesen worden war. Diese Verweisung erfolgte indessen im Gesetz zur Fortsetzung der Unternehmenssteuerreform v. 29.10.1997. Dennoch ist die Anwendung des § 26 BewG für den Bereich der Erbschaft- und Schenkungsteuer auch für Bewertungsstichtage nach dem 31.12.1996 nach zutreffender Auffassung zu verneinen.

 

Rz. 155

§ 99 Abs. 2 Sätze 1 und 2 BewG a.F. bezogen sich nur auf die Fälle des § 99 Abs. 1 Nr. 1 BewG. Sie galten nicht für solchen Grundbesitz, der, losgelöst vom Gewerbebetrieb, einen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft gebildet haben würde (= Fälle des § 99 Abs. 1 Nr. 2 BewG). Eine Verteilung des Wertes eines Grundstücks auf Betriebsvermögen einerseits und auf land- und forstwirtschaftliches Vermögen andererseits war daher nicht ausgeschlossen. Diente z.B. der eine Teil eines Grundstücks dem gewerblichen Betrieb des Eigentümers (z.B. einer Gastwirtschaft), während der andere Teil zu einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb gehörte, dann galt nur der gewerblich genutzte Teil als Betriebsgrundstück.

 

Rz. 156

Für die Beurteilung der Frage, ob das Grundstück "zu mehr als der Hälfte seines Wertes" dem gewerblichen Betrieb diente, kam es ausschließlich auf die Verhä...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge