Gürsching/Stenger, Bewertun... / d) Substanzwertorientierte und andere nicht ertragsorientierte Bewertungsverfahren
 

Rz. 331

Die bisher – unter b und c – dargestellten Bewertungsmethoden haben gemeinsam, dass sie – mit Ausnahme einzelner Varianten der Multiplikatorenverfahren (siehe unten) – entweder ausschließlich, vorrangig oder doch zumindest neben anderen Faktoren, die Ertragsaussichten der zu bewertenden Unternehmen berücksichtigen. Die Anwendung dieser Methoden steht nicht unter dem "Üblichkeitsvorbehalt" des § 11 Abs. 2 Satz 2 BewG n.F.

 

Rz. 332

§ 11 Abs. 2 Satz 2 BewG n.F. ermöglicht indessen, neben der Anwendung dieser zumindest auch auf die Ertragsaussichten rekurrierenden Bewertungsmethoden, die Heranziehung anderer anerkannter Verfahren, vorausgesetzt, dass letztere im gewöhnlichen Geschäftsverkehr für nichtsteuerliche Zwecke üblich sind.

 

Rz. 333

In diesem Zusammenhang spielen insbesondere die sog. Multiplikatorenverfahren eine Rolle, soweit sie nicht auch die Ertragsaussichten als Wertfindungsfaktor berücksichtigen, sondern ausschließlich andere Wertgrößen, wie etwa den Umsatz oder die Absatzmenge in den Blick nehmen. Solche Varianten können in bestimmten einzelnen Branchen gebräuchlich (üblich) sein und sind sodann auch im Rahmen des § 11 Abs. 2 Satz 2 BewG n.F. zu beachten.

 

Rz. 334

Darüber hinaus sind die ausschließlich substanzwertorientierten Bewertungsmethoden zu beachten, wenn deren Anwendung – ausnahmsweise – im gewöhnlichen Geschäftsverkehr für nichtsteuerliche Zwecke üblich ist. Deren Anwendungsbereich wird sich freilich auf ertragsschwache Unternehmen sowie auf Insolvenzfälle beschränken.

 

Rz. 335

Hierbei handelt es sich – im Unterschied zu den bisher skizzierten Methoden – um Einzelbewertungsverfahren, welche den Unternehmens(gesamt-)wert – vergleichbar der Mindestwertermittlung nach § 11 Abs. 2 Satz 3 BewG n.F. (dazu unten, Anm. 351 ff.) – aus der Summe der gemeinen Werte der zum Betriebsvermögen gehörenden Wirtschaftsgüter und sonstigen aktiven Ansätze abzüglich der zum Betriebsvermögen rechnenden Schulden und sonstigen Abzüge errechnen.

 

Rz. 336

Je nachdem, ob die Substanzwertermittlung unter der Annahme der Unternehmensfortführung ("going concern") oder der (alsbaldigen) Einstellung des Unternehmens vollzogen wird, ist der sog. Reproduktionswert oder der Liquidationswert ("Zerschlagungswert") maßgebend.

 

Rz. 337

Zur Ermittlung des Substanzwerts als Mindestwert i.S.v. § 11 Abs. 2 Satz 3 BewG n.F. vgl. unten, Anm. 351 ff.

 

Rz. 338– 350

Einstweilen frei.

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