Gürsching/Stenger, Bewertun... / cc) Hohe, niedrige oder fehlende Verzinsung
 

Rz. 84

§ 12 Abs. 1 Satz 2 BewG sieht ausdrücklich vor, dass bei einer hohen, niedrigen oder fehlenden Verzinsung von besonderen Umständen auszugehen ist, so dass eine höhere oder niedrigere Bewertung gerechtfertigt ist.

 

Rz. 85

Seit der VSt.-Hauptveranlagung 1974 bis zum Bewertungsstichtag 1.1.1988 wurde in diesem Sinne eine besonders hoch verzinsliche Forderung oder Schuld bei einer Verzinsung von mehr als 10 % und eine besonders niedrig verzinsliche Forderung oder Schuld bei einer Verzinsung von weniger als 4 % angenommen (vgl. Abschn. 56 Abs. 4 und 6 VStR 1974 bis 1986). Ab der VSt.-Hauptveranlagung 1989 lautete die entsprechende Verwaltungsanweisung dahin, dass eine niedrig verzinsliche Forderung oder Schuld bei einer Verzinsung von weniger als 3 % und eine hoch verzinsliche bei einer Verzinsung von mehr als 8 % angenommen wird. Die Rückkehr zu der Anweisung, die schon vor dem 1.1.1984 galt, wird mit der Entwicklung der Kapitalmarktzinsen vor dem Hauptveranlagungszeitpunkt 1.1.1989 begründet. Wie kurzlebig solche Verhältnisse sein können, zeigt die Entwicklung, die die Zinsen in den letzten Jahren genommen haben. Die Länderfinanzverwaltungen hatten in gleich lautenden Erlassen die Bewertung solcher Forderungen und Schulden im sog. personellen Verfahren geregelt, um im Einzelfall die bei der VSt.-Veranlagung durch das FA im maschinellen Verfahren vorgenommene Bewertung mit Grenzzinssätzen von 3 % und 8 % überprüfen zu können.

  • Nach dem aktuellen Ländererlass liegt eine niedrige Verzinsung vor, wenn der Zinssatz unter 3 % liegt. Eine hohe Verzinsung wird dagegen angenommen, wenn der Zinssatz über 9 % liegt.

In beiden Varianten ist entscheidend, dass die Laufzeit der Kapitalforderung oder der Kapitalschuld noch mindestens vier Jahre beträgt. Bei einer kurzen Restlaufzeit ist ansonsten eine Bewertung mit dem Nennwert vorzunehmen (s. Anm. 82 zu den unverzinsten Forderungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr und den niedrig verzinsten Forderungen und einer Laufzeit von mindestens einem Jahr).

 

Rz. 86

Soweit die Restlaufzeit ausreichend lang ist, führt eine niedrige Verzinsung, also eine Verzinsung, die unter 3 % liegt, dazu, dass die Kapitalforderung oder Kapitalschuld unter ihrem Nennwert bewertet wird. Eine Verzinsung, die über 9 % liegt, führt dazu, dass die Kapitalforderung oder dass der Nennwert der Kapitalforderung oder Kapitalschuld erhöht wird.

 

Rz. 87

Zur Ermittlung dieser Abweichung wird der jährliche Zinsverlust bzw. Zinsgewinn mit einem Vervielfältiger versehen, der sich aus Tabellen ergibt, die in den gleich lautenden Ländererlassen vom 10.10.2010 enthalten sind (siehe Anhang).

Dabei wird differenziert, ob die Kapitalforderung oder Kapitalschuld

  • in einem Betrag (Tabelle 1),
  • in Raten (Tabelle 2) oder
  • in Annuitäten (Tabellen 1 und 2)

getilgt wird.

 

Rz. 88

Einstweilen frei.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge