Gürsching/Stenger, Bewertun... / B. Anlässe für die Ermittlung des gemeinen Wertes
 

Rz. 6

Die Verwendung des gemeinen Werts als Bewertungsmaßstab ist gesetzlich in steuerrechtlichen sowie anderen öffentlich-rechtlichen Vorschriften (z.B. § 67 Abs. 1 Satz 1 TierSG) vorgesehen. Die Begriffsbestimmung des gemeinen Werts nach § 9 BewG gilt über § 1 Abs. 2 BewG für sämtliche steuerrechtlichen Vorschriften, soweit sich nicht aus diesen Gesetzen etwas anderes ergeben sollte. Steuerrechtliche Anlässe für die Ermittlung des gemeinen Werts sind gewöhnlicherweise einmalige oder besondere Vorgänge wie z.B. Entnahme oder Veräußerung eines Wirtschaftsgutes, Umwandlung oder Wegzug von Gesellschaften, Erbschafts- oder Schenkungsvorgänge.

Die Verwendung des gemeinen Wertes erfolgt z.B. im

Mit dem "Gesetz über steuerliche Begleitmaßnahmen zur Einführung der Europäischen Gesellschaft und zur Änderung weiterer steuerrechtlicher Vorschriften (SEStEG)" v. 7.12.2006 ist der Anwendungsbereich des gemeinen Werts erheblich erweitert worden. Davon sind die folgenden Regelungen betroffen.

  • § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG: Im Falle der Überführung eines von einer Betriebsstätte in einem anderen Staat angeschafften bzw. hergestellten Wirtschaftsgutes in das inländische Stammhaus liegt ein sog. Verstrickungstatbestand vor, der mit einer Einlage gleichzustellen ist. Dies hat zur Folge, dass gem. § 6 Abs. 1 Nr. 5a EStG als Einlagewert der gemeine Wert zugrunde zu legen ist.
  • § 4 Abs. 1 Sätze 3–5 EStG: Gemäß dieser Regelung steht der Ausschluss oder die Beschränkung des Besteuerungsrechts Deutschlands hinsichtlich des Gewinns aus der Veräußerung eines Wirtschaftsguts einer Entnahme für betriebsfremde Zwecke gleich (fiktive Entnahme bzw. Entstrickung). In diesem Fall ist gem. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 EStG die "Entnahme" mit dem gemeinen Wert anzusetzen
  • § 17 Abs. 5 EStG: Wird eine Kapitalgesellschaft mit ihren Wirtschaftsgütern durch Verlegung des Sitzes oder der Geschäftsleitung in Ausland verbracht, wird dies der Veräußerung der Anteile zum gemeinen Wert gleichgestellt.
  • § 12 Abs. 1 KStG: Danach hat bei Vorliegen der Voraussetzungen der in § 12 KStG aufgeführten Entstrickungstatbestände für Körperschaften eine Gewinnrealisierung auf der Basis des gemeinen Werts zu erfolgen.
  • Das SEStEG geht bei allen Umwandlungsformen vom Grundsatz der Gewinnrealisierung durch den Ansatz des gemeinen Wertes aus (vgl. §§ 3 Abs. 1, 11 Abs. 1, 20 Abs. 1, 21 Abs. 1, 24 Abs. 1 UmwStG). Im Regelungsbereich der bisherigen Bewertungsmaßstäbe des UmwStG (Buchwert, Zwischenwert, Teilwert) wird der Teilwert durch den gemeinen Wert ersetzt.
 

Rz. 7– 9

Einstweilen frei.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge