Gürsching/Stenger, Bewertun... / a) Begriff des Gewerbebetriebs

aa) Allgemeines

 

Rz. 120

§ 95 Abs. 1 BewG bestimmt, dass das Betriebsvermögen alle Teile eines Gewerbetriebes i.S.v. § 15 Abs. 1 und 2 EStG umfasst, die bei der steuerlichen Gewinnermittlung zum Betriebsvermögen gehören. Nach der Begründung zur Regierungsvorlage zu § 95 BewG sollen grundsätzlich nur solche Wirtschaftsgüter dem Betriebsvermögen zugerechnet werden, die auch bei der steuerlichen Gewinnermittlung dazu gehören. Damit knüpft das BewG an den einkommensteuerrechtlichen Begriff des Gewerbebetriebes an. Die für die Einkommensteuer getroffene Entscheidung ist damit auch für den Umfang der wirtschaftlichen Einheit des Betriebsvermögens im Rahmen des § 95 BewG maßgebend (Grundsatz der Bestandsidentität). Der Gewerbebetrieb ist in § 15 Abs. 2 EStG umschrieben als eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht unternommen wird, Gewinne zu erzielen und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist.

 

Rz. 121

Wie aus § 32 BewG folgt, finden die §§ 95 ff. BewG nur für das inländische Betriebsvermögen Anwendung. Für das ausländische Betriebsvermögen gelten die Regelungen der §§ 31, 9 BewG (s. dazu auch unten Anm. 585 f.).

bb) Selbstständigkeit

 

Rz. 122

Die gewerbliche Betätigung muss selbständig ausgeübt werden (Gegensatz: nichtselbständige Tätigkeit = Arbeitnehmertätigkeit). Das setzt voraus, dass die sich betätigende Person Unternehmerrisiko trägt (Tätigkeit auf eigene Rechnung und Gefahr) und Unternehmerinitiative entfalten kann. Maßgebend für die Abgrenzung der selbständigen von der nichtselbstständigen Tätigkeit ist das Gesamtbild der Verhältnisse unter Berücksichtigung der Verkehrsanschauung.

 

Rz. 123– 127

Einstweilen frei.

cc) Nachhaltigkeit

 

Rz. 128

Die zu beurteilende Tätigkeit muss (subjektiv) von der Absicht getragen sein, sie zu wiederholen und daraus eine Erwerbsquelle zu machen und sich (objektiv) – i.d.R. durch Wiederholung – als nachhaltig darstellen. Auf das Vorliegen des subjektiven Tatbestandsmerkmals der Wiederholungsabsicht kann nur aus den objektiven, nach außen hin erkennbaren Umständen, geschlossen werden. Die tatsächliche Wiederholung der Betätigung ist die typische und häufigste, aber nicht die einzige Form, in der sich die Wiederholungsabsicht dokumentieren kann. Im Einzelnen wird auf die einschlägigen Kommentierungen zu § 15 Abs. 2 EStG verwiesen.

 

Rz. 129– 135

Einstweilen frei.

dd) Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr

 

Rz. 136

Die Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr setzt voraus, dass der Steuerpflichtige – für Dritte erkennbar – am Markt Güter und Leistungen anbietet. Die Bereitschaft des Steuerpflichtigen, seine Leistungen jedem zu erbringen, der die geforderte Gegenleistung erfüllt, genügt. Nicht erforderlich ist, dass der Steuerpflichtige die Leistungen in eigener Person am Markt anbietet; er kann sich dabei eines Maklers oder Vertreters bedienen, deren Leistungen ihm zuzurechnen sind.

 

Rz. 137

Bei typischer kaufmännischer bzw. gewerblicher Betätigung können Geschäfte mit einem einzigen Kunden genügen. Eine Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr liegt auch dann vor, wenn der Steuerpflichtige lediglich ein erfolgsabhängiges Entgelt erhält. Das Entgelt muss nicht vom Abnehmer der Leistungen, sondern kann auch von einem Dritten gewährt werden. Eine einzige Leistung kann ausreichen, wenn der Steuerpflichtige an jeden leisten will, der die Vertragsbedingungen akzeptiert. Bloße Vorbereitungsmaßnahmen, wie bei einer Baureederei, genügen nicht. Eine Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr kann auch dann vorliegen, wenn der Steuerpflichtige keine Wettbewerber hat.,

 

Rz. 138– 144

Einstweilen frei.

ee) Gewinnerzielungsabsicht

 

Rz. 145

Das Streben des Steuerpflichtigen muss darauf gerichtet sein, durch seine Tätigkeit einen Gewinn zu erzielen. Die Gewinnerzielungsabsicht braucht nicht Hauptzweck zu sein; es genügt, dass sie als Nebenzweck verfolgt wird. Fehlt die Gewinnerzielungsabsicht, liegt keine gewerbliche Betätigung, sondern Liebhaberei vor.

Folglich liegt in diesen Fällen auch bewertungsrechtlich sowie in erbschaft- und schenkungsteuerrechtlicher Sicht kein Betriebsvermögen i.S.v. § 95 BewG vor, und zwar auch dann nicht, wenn das der Liebhaberei dienende Vermögen ertragsteuerrechtlich als sog. "eingefrorenes Betriebsvermögen" verstrickt ist.

 

Rz. 146

Gewinn in diesem Sinne ist ein solcher i.S.d. Einkommensteuergesetzes, d.h. eine durch Betriebsvermögensvergleich (§§ 4 Abs. 1, 5 EStG) erfassbare "Betriebsvermögensmehrung". Eine durch die Betätigung verursachte Minderung von Einkommensteuer kommt als Gewinn im genannten Sinne nicht in Betracht (§ 15 Abs. 2 Satz 2 EStG). Maßgebend ist nicht der Gewinn in einem einzelnen oder aber in mehreren Veranlagungszeiträumen, sondern der sog. Totalgewinn, d.h. die Summe aller Periodengewinne und -verluste in der ges...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge