Gürsching/Stenger, Bewertun... / dd) Besondere Umstände
 

Rz. 135

Wenn aufgrund besonderer Umstände der künftige Jahresertrag nicht aus den Vergangenheitserträgen abgeleitet werden kann, will sich die Finanzverwaltung nicht an die im vereinfachten Ertragswertverfahren ermittelten Werte binden lassen. Derartige Fallgestaltungen sind beispielsweise bei Wachstumsunternehmen ebenso zu erwarten, wie bei branchenbezogenen oder auch allgemeinen Krisensituationen. Dies gilt ebenso bei absehbaren Änderungen des künftig zu erwartenden wirtschaftlichen Umfelds.

 

Rz. 136

Bemerkenswert ist hierbei, dass auch bei einer allgemeinen Wirtschaftskrise nicht starr auf die Vergangenheitserträge abgestellt werden soll. Vielmehr muss der zukünftig nachhaltig zu erziehende Jahresertrag ermittelt werden. Ob die Finanzverwaltung in diesen Fällen – wie bei einer allgemeinen Bewertungsmethode unter Berücksichtigung der Ertragsaussichten – eine von der vergangenheitsorientierten Ermittlung des Jahresertrags zulässt, bleibt jedoch offen. Denn mit R B 199.1 Abs. 6 ErbStR 2011 wird lediglich dargelegt, dass im Falle einer Wirtschaftskrise Erkenntnisse über eine offensichtlich unzutreffende Wertermittlung zum gemeinen Wert hergeleitet werden können. M.E. könnte dieser Mangel grundsätzlich durch eine Ermittlung des zukünftigen Jahresertrags unter Berücksichtigung der krisenbedingten Ertragserwartung geheilt werden. Jedoch ergibt sich dabei die Notwendigkeit einer hinreichend verlässlichen Prognose, wie sich der Ertrag unter Berücksichtigung der Krise auf das Unternehmen auswirken wird.

 

Rz. 137

Diese Schwierigkeiten wollte die Finanzverwaltung für Bewertungsstichtage vor dem 1.7.2011 vermeiden, indem sie in den Erläuterungen zu den Erklärungsvordrucken dargelegt hat, dass der künftige Jahresertrag ohne die etwaigen Auswirkungen einer Wirtschaftskrise allein aus der vergangenheitsorientierten Betrachtung zu ermitteln ist.

 

Rz. 138

Die Erläuterungen zu Zeile 34 des Erklärungsvordrucks "Anleitung zur Anlage Vereinfachtes Ertragswertverfahren" hatten für Bewertungsstichtage vor dem 1.7.2011 folgenden Wortlaut:

 

Rz. 139

Anstelle der Ermittlung des Durchschnittsertrags nach den Zeilen 5 bis 33 tragen Sie hier einen in anderer Weise ermittelten in Zukunft erzielbaren Jahresertrag ein. Dies wäre beispielsweise der Fall, sofern zum Bewertungsstichtag feststeht, dass sich der künftige Jahresertrag durch bekannte objektive Umstände, z.B. durch den Tod des Unternehmers, nachhaltig verändert. Derartige Veränderungen sind bei der Ermittlung des Durchschnittsertrags entsprechend zu berücksichtigen.

Hierbei sind ausführliche und fundierte Erläuterungen unverzichtbar. Bitte fügen Sie diese in einer gesonderten Anlage bei.

Sofern damit zu rechnen ist, dass sich der künftige Jahresertrag beispielsweise wegen einer Wirtschaftskrise ändern könnte, kann eine abweichende Ermittlung des Jahresertrags nicht erfolgen. Hierbei handelt es sich nicht um objektiv feststehende Umstände. Außerdem sind derartige Veränderungen durch den gesetzlich vorgesehenen Zuschlag (Risikozuschlag) von 4,5 % abgedeckt (§ 203 Abs. 1 BewG).

 

Rz. 140

Diese bisherige Auffassung der Finanzverwaltung kann für Bewertungsstichtage nach dem 30.6.2011 keinen Bestand mehr haben. Denn die vielfältigen Einflüsse einer Wirtschaftskrise auf die künftig zu erwartenden Jahreserträge werden regelmäßig zu begründeten Zweifeln Anlass geben, dass die innerhalb des vereinfachten Ertragswertverfahrens vorgesehene vergangenheitsorientierte Ableitung der Jahreserträge nicht zu einem offensichtlich unzutreffenden Ergebnis führt.

 

Rz. 141

Dabei ist im Übrigen zu beachten, dass eine Wirtschaftskrise sich keineswegs stets durch eine Einschränkung der Ertragslage auszeichnen muss. Sofern sich der Geschäftsbereich des Unternehmens auf Tätigkeiten erstreckt, die gerade in einer Krise verstärkt nachgefragt werden, kann sich eine Krise positiv auf die Ertragslage des konkret zu bewertenden Unternehmens auswirken.

 

Rz. 142–143

Einstweilen frei.

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