Gürsching/Stenger, Bewertun... / 1. Ablauf der Ermittlung der Bodenrichtwerte
 

Rz. 15

§ 179 Satz 2 BewG sieht ebenso wie § 145 Abs. 3 Satz 2 BewG vor, dass die Bodenrichtwerte von den Gutachterausschüssen nach dem Baugesetzbuch zu ermitteln sind. §§ 195 bis 197 BauGB finden Anwendung.

 

Rz. 16

Mit der Einführung der Bewertung nach § 179 wurde durch Art 4 ErbStRG vom 24.12.2008 § 196 BauGB an die weiteren Anforderungen durch das Erbschaftsteuerreformgesetz angepasst. Er lautet nun wie folgt:

§ 196 BauGB

(1) Auf Grund der Kaufpreissammlung sind für jedes Gemeindegebiet durchschnittliche Lagewerte für den Boden unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Entwicklungszustands, mindestens jedoch für erschließungsbeitragspflichtiges oder erschließungsbeitragsfreies Bauland, zu ermitteln (Bodenrichtwerte). In bebauten Gebieten sind Bodenrichtwerte mit dem Wert zu ermitteln, der sich ergeben würde, wenn der Boden unbebaut wäre. Es sind Richtwertzonen zu bilden, die jeweils Gebiete umfassen, die nach Art und Maß der Nutzung weitgehend übereinstimmten. Die wertbeeinflussenden Merkmale des Bodenrichtwertgrundstücks sind darzustellen. Die Bodenrichtwerte sind jeweils zum Ende jedes zweiten Kalenderjahres zu ermitteln, wenn nicht eine häufigere Ermittlung bestimmt ist. Für Zwecke der steuerlichen Bewertung des Grundbesitzes sind Bodenrichtwerte nach ergänzenden Vorgaben der Finanzverwaltung zum jeweiligen Hauptfeststellungszeitpunkt zu ermitteln. Auf Antrag der für den Vollzug dieses Gesetzbuchs zuständigen Behörden sind Bodenrichtwerte für einzelne Gebiete bezogen auf einen abweichenden Zeitpunkt zu ermitteln.

(2) Hat sich in einem Gebiet die Qualität des Bodens durch einen Bebauungsplan oder andere Maßnahmen geändert, sind bei der nächsten Fortschreibung der Bodenrichtwerte auf der Grundlage der geänderten Qualität auch Bodenrichtwerte bezogen auf die Wertverhältnisse zum Zeitpunkt der letzten Hauptfeststellung oder dem letzten sonstigen Feststellungszeitpunkt für steuerliche Zwecke zu ermitteln. Die Ermittlung kann unterbleiben, wenn das zuständige Finanzamt darauf verzichtet.

(3) Die Bodenrichtwerte sind zu veröffentlichen und dem zuständigen Finanzamt mitzuteilen. Jedermann kann von der Geschäftsstelle Auskunft über die Bodenrichtwerte verlangen.

Neu wurde eingeführt, dass nach § 196 Abs. 1 BauGb nun der Entwicklungsstand des Grundstücks zu berücksichtigen ist.

 

Rz. 17

§ 196 BauGB sieht vor, dass nun flächendeckend durchschnittliche Lagewerte (Bodenrichtwerte) zu ermitteln sind, da für steuerliche Zwecke sämtliche Grundstücke einer Bewertung zugeführt werden müssen.

 

Rz. 18

Die bisherige Regelung in § 196 BauGB sah dagegen lediglich vor, dass mindestens für erschließungsbeitragspflichtiges oder erschließungsbeitragsfreies Bauland Bodenrichtwerte zu ermitteln waren. Durch die Neuregelung werden auch

  • baureifes Land,
  • Bauerwartungsland,
  • Rohbauland sowie
  • land- und forstwirtschaftliche genutzte Flächen

einer Bewertung zugeführt.

 

Rz. 19

Nach § 196 Abs. 1 Satz 3 BewG sind sog. Richtwertzonen zu bilden, die jeweils Gebiete umfassen, die nach Art und Maß der Nutzung weitgehend übereinstimmen. Die wertbeeinflussenden Merkmale sind darzustellen.

 

Rz. 20

Anders als bisher sind die Bodenrichtwerte jeweils zum Ende jedes zweiten Kalenderjahres zu ermitteln, wenn nicht eine häufigere Ermittlung bestimmt ist. Die bisherige Regelung sah vor, dass grundsätzlich zum Ende eines jeden Kalenderjahres die Wertermittlung vorzunehmen ist.

Wegen der weitergehenden Einzelheiten zu § 196 BauGB s. § 145 BewG Anm. 66.

Der Gutachterausschuss hat für die Wertermittlung die in § 197 BauGB näher beschriebenen Befugnisse. Er kann Auskünfte verlangen, sich Unterlagen vorlegen lassen und darf Grundstücke betreten. Wohnungen dürfen allerdings nur mit Zustimmung des Wohnungsinhabers betreten werden.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge