Gürsching/Stenger, Bewertun... / L. Anhang 2: Leitfaden der Oberfinanzdirektionen zur Bewertung von (Anteilen an) Kapitalgesellschaften für ertragsteuerliche Zwecke
 

Rz. 751

Vorbemerkung: Der von der Praxis entwickelte Leitfaden zur Bewertung von (Anteilen an) Kapitalgesellschaften für ertragsteuerliche Zwecke bildete bei der Diskussion über das seit dem 1.1.2009 für Zwecke der Erbschaft-/Schenkungsteuer geltende vereinfachte Ertragswertverfahren eine konzeptionelle Grundlage. Das vereinfachte Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. BewG ist für ertragsteuerliche Zwecke erst in der Fassung der BV-Erlasse vom 17.5.2011 maßgebend. Deshalb wird der Leitfaden hier noch für eine Übergangszeit abgedruckt.

 

Rz. 752

Der Leitfaden war bei der Konzeption des BV-Erlass vom 25.6.2009 eine Orientierungshilfe, um die für Bewertungszeitpunkte nach dem 31.12.2008 geltenden Regelungen zur Ermittlung des gemeinen Werts von nicht notierten Anteilen an Kapitalgesellschaften i.S.d. § 11 Abs. 2 BewG i.d.F. ErbStRG mit Inhalten auszufüllen. Die Finanzverwaltung vertrat mit dem BV-Erlass vom 25.6.2009 zunächst die Auffassung, dass das vereinfachte Ertragswertverfahren nur bei der Erbschaft-/Schenkungsteuer gilt. Auf Bundesebene hatte die Finanzverwaltung allerdings für Zwecke der Ertragsteuer keine besonderen Bewertungsregelungen abgestimmt, so dass in der Praxis im Zweifel weiterhin – also auch bei Bewertungszeitpunkten nach dem 31.12.2008 – auf die Grundsätze des Leitfadens abgestellt wurde. Dabei ist zu beachten, dass der Leitfaden nicht mehr an die zwischenzeitlich erfolgten gesetzlichen Änderungen angepasst worden ist und im Übrigen lediglich in Nordrhein-Westfalen auf der Ebene der Oberfinanzdirektionen herausgegeben worden ist. Obwohl auf Bundesebene eine Verständigung der Finanzverwaltung auf die Anwendung des Leitfadens fehlte, wurde er bundesweit angesetzt.

 
A. Allgemeines und Vorbemerkungen  
  1. Anlass, Zweck und Anwendung dieses Leitfadens  
  2. Bewertungsanlässe und Bewertungsmaßstab  
    2.1 Bewertungsanlässe  
    2.2 Bewertungsmaßstab  
    2.3 Teilwert als Bewertungsmaßstab  
    2.4 Bewertung von (Anteilen an) ausländischen Kapitalgesellschaften  
  3. Erste Schritte und Überlegungen vor Durchführung der Bewertung  
    3.1 Zuständige bewertende Stelle, Mithilfe anderer Stellen, Beizug von Akten  
    3.2 Vorbereitung der Bewertung  
  4. Aufbau und Anwendung dieses Leitfadens  
    4.1 Beschreibung der Teile B. und C. 4  
    4.2 Ablaufdiagramm  
B. Unternehmensbewertung  
  1. Ertragswertverfahren  
    1.1 Allgemeines  
    1.2 Ertragsermittlung (Betriebsergebnisse/Durchschnittsertrag)  
    1.3 Ertragswertermittlung  
  2. Substanzwertverfahren  
    2.1 Substanzwert  
    2.2 Substanzwertermittlung  
  3. Abschließende Wertfindung  
    3.1 Allgemeines  
    3.2 Bewertungsuntergrenze  
    3.3 Anteilsbewertung (Beteiligungsquote)  
    3.4 Besondere Zu- oder Abschläge/Sonderfälle  
C. Vergleichswertorientierte Bewertungsmethoden  
  1. Vergleichsorientierte Bewertungsmethode  
  2. Multiplikatorenmethode  
D. Anlagenverzeichnis  
  Anlage 1: Zusammenstellung von Bewertungsanlässen  
  Anlage 2: Ertragsermittlung (Betriebsergebnisse/Durchschnittsertrag)  
  Anlage 3: Ertragswertverfahren  
  Anlage 4: Substanzwertermittlung/-verfahren  

Der Leitfaden (LeitF) hat den nachstehend abgedruckten Wortlaut, der – soweit dies erforderlich erschien – ohne besondere Kennzeichnung redaktionell angepasst oder gekürzt wurde.

A. Allgemeines und Vorbemerkungen

1. Anlass, Zweck und Anwendung des Leitfadens

Vielfältige steuerliche Fallgestaltungen können in der Praxis eine Bewertung von (Anteilen an) Kapitalgesellschaften für ertragsteuerliche Zwecke erforderlich machen. Die ungeprüfte Übernahme zu hoher oder zu niedriger Unternehmenswerte kann je nach Interessenlage zu endgültigen Steuerausfällen in beträchtlicher Höhe führen. Aus diesem Grunde bedürfen durch den Steuerpflichtigen erklärte Unternehmenswerte i.d.R. einer Überprüfung. Ebenso besteht ein Bedürfnis nach einheitlichen Regeln für die Unternehmensbewertung, wenn eine solche durch den Steuerpflichtigen nicht durchgeführt bzw. ein Unternehmenswert nicht erklärt wurde und daher eine eigene steuerliche Bewertung durch die Veranlagungs-/Betriebsprüfungsstelle erforderlich wird.

Dieser Leitfaden soll für diese Fälle eine Arbeitshilfe bieten und gleichzeitig die einheitliche Durchführung von Bewertungen dieser Art fördern.

Die vorliegende 3. Fassung berücksichtigt die Änderungen durch das Gesetz zur Senkung der Steuersätze und zur Reform der Unternehmensbesteuerung (Steuersenkungsgesetz) vom 23.10.2000 (BGBl. I 2000, 1433). Es bestehen keine Bedenken, sie bereits bei Bewertungsstichtagen ab dem 1.1.2000 anzuwenden. Für Altfälle mit Bewertungsstichtagen bis zum 31.12.1999 sollte weiterhin auf die vorhergehende 2. Fassung des Leitfadens zurückgegriffen werden.

2. Bewertungsanlässe und Bewertungsmaßstab

2.1 Bewertungsanlässe

Es existiert eine große Vielzahl von Anlässen, die steuerlich eine Bewertung von (Anteilen an) Kapitalgesellschaften notwendig machen. Die wichtigsten Fälle, in denen dies erforderlich wird, sind in der Anlage 1 aufgeführt, ...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge