Gürsching/Stenger, Bewertun... / c) Keine Ableitung trotz Verkäufe innerhalb der Jahresfrist
 

Rz. 181

Nach dem BFH lässt sich der gemeine Wert nicht börsennotierter Aktien nicht i.S.d. § 11 Abs. 2 Satz 2 BewG aus Verkäufen ableiten, wenn nach den Veräußerungen aber noch vor dem Bewertungsstichtag weitere objektive Umstände hinzutreten, die dafür sprechen, dass diese Verkäufe nicht mehr den gemeinen Wert der Aktien repräsentieren, und es an objektiven Maßstäben für Zu- und Abschläge fehlt, um von den festgestellten Verkaufspreisen der Aktien auf deren gemeinen Wert zum Bewertungsstichtag schließen zu können. Die Entscheidung ist im Zusammenhang mit der Bestimmung eines geldwerten Vorteils eines Arbeitnehmers aus der verbilligten Überlassung von Aktien seines Arbeitgebers im Rahmen einer Kapitalerhöhung ergangen.

 

Rz. 182

Um den gemeinen Wert aus Verkäufen abzuleiten, muss zumindest ein Maßstab erkennbar sein, der mittels Zu- und Abschlägen von den festgestellten Verkaufspreisen auf den gemeinen Wert der Aktien kurz vor dem Gang an den Kapitalmarkt schließen lässt. Der BFH hat auch dargelegt, weshalb in dem Entscheidungsfall "weitere objektive Umstände" vorgelegen haben. In dem Klagefall waren der Arbeitgeber und die mit der Steuerung und Platzierung der Emission als verantwortliche Konsortialführerin beauftragte Bank von einer Bewertung der Anteile ausgegangen, die deutlich, nämlich um mehr als 800 % von den zuvor erzielten Verkaufspreisen abweicht. Zusätzlich hat der Arbeitnehmer zwar eine relativ geringe laufende Lohnzahlung erhalten, jedoch konnte er von einer hohen Wertzuwendung in Form von Aktien im Rahmen der Kapitalerhöhung ausgehen, wobei diese Kombination zur Geschäftsgrundlage des Arbeitsverhältnisses geworden war.

 

Rz. 183

Aus dem in § 11 Abs. 2 BewG genannten Tatbestandsmerkmal "ableiten" folgt nach Auffassung des BFH nicht, dass der gemeine Wert zwingend mit den tatsächlich vorliegenden Kaufpreisen übereinstimmen muss und die Kaufpreise – auch wenn sie im gewöhnlichen Geschäftsverkehr und unter drittüblichen Bedingungen zustande gekommen sind – unbesehen und pauschal der Wertfindung zugrunde zu legen sind. Ableiten bedeutet vielmehr, dass der tatsächlich erzielte Kaufpreis als Ausdruck des gemeinen Wertes zu ändern ist, wenn Umstände vorliegen, die eine Änderung gebieten.

 

Rz. 184

Solche zu berücksichtigende Umstände hatte der BFH etwa angenommen, wenn nur Kurswerte für Vorzugsaktien vorlagen, aber Stammaktien zu bewerten waren, wenn eine Minderheitsbeteiligung nach dem Verkaufspreis für eine Mehrheitsbeteiligung zu bewerten war oder wenn die Kapitalgesellschaft eigene Anteile hält.

 

Rz. 185

Liegen solche besonderen Umstände vor, sind die festgestellten und weniger als ein Jahr zurückliegenden Verkaufspreise nicht unbesehen als gemeiner Wert zu übernehmen. Vielmehr sind nach Auffassung des BFH lediglich Ausgangspunkte des zu schätzenden gemeinen Wertes. Grundlage der Schätzung sind in diesen Fällen die festgestellten Veräußerungspreise, die durch schätzweise zu ermittelnde Zu- und Abschläge unter Berücksichtigung der besonderen Umstände zu bestimmen sind.

 

Rz. 186–187

Einstweilen frei.

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