Entscheidungsstichwort (Thema)

Körperschaftsteuer: Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) bei nicht zeitgerecht durchgeführter Gehaltsvereinbarung

 

Leitsatz (amtlich)

1. Wird das monatliche Gehalt in einem Gesamtbetrag zum Jahresende oder erst nach Jahren ausgezahlt, indiziert dies die mangelnde Ernsthaftigkeit und kommt eine vGA an die beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer in Betracht.

2. Die mangelnde tatsächliche Durchführung führt jedoch der Höhe nach nur insoweit zur vGA, wie die Zahlungen sonst übliche dienstvertragliche Mindestansprüche übersteigen (Rspr.-Fortentwicklung).

 

Normenkette

KStG § 8 Abs. 3 S. 2; BGB §§ 611-612

 

Nachgehend

BFH (Urteil vom 20.10.2004; Aktenzeichen I R 4/04)

BFH (Urteil vom 20.10.2004; Aktenzeichen I R 4/04)

 

Tatbestand

Streitig ist, ob die Gehaltszuwendungen der Klägerin an ihre Gesellschafter-Geschäftsführer in den Streitjahren 1996 und 1997 verdeckte Gewinnausschüttungen (vGA) darstellen.

I. Die Klägerin ist eine GmbH mit Sitz in Hamburg. Sie wurde 1995 gegründet und betreibt die Entwicklung von Zielführungs- und Informationssystemen für Fahrzeuge aller Art, Multimedia-Produkten sowie Software und anderen damit in Zusammenhang stehenden Produkten und Verfahren sowie die Vermarktung dieser Entwicklungen (Akte Notarurkunden -Notar-A- Bl. 20). Das Stammkapital der Klägerin betrug ursprünglich DM 50.000 und wurde durch Gesellschafterbeschluss vom 20. März 1996 auf DM 1.000.000 erhöht (Notar-A Bl. 38). Die Gesellschaftsanteile werden zu je 45 v.H. von den Gesellschaftern R. und W. und zu 10 v.H. von der Gesellschafterin H. gehalten (Notar-A Bl. 39).

Mit undatierten Verträgen wurden die Gesellschafter R. und W. unter Befreiung von den Beschränkungen des § 181 BGB zu Einzelgeschäftsführern der Klägerin berufen. Die Verträge enthalten u.a. folgende Regelungen (Akte Allgemeines -Allg-A- Bl. 43 ff., 49 ff.):

" (...) § 6 Bezüge 1. Der Geschäftsführer erhält für seine Tätigkeit ein festes Monatsgehalt, das jeweils am Monatsende zu zahlen ist, und dessen Höhe noch von der Gesellschafterversammlung festgelegt wird (...) § 10 Dauer des Vertrages 1. Der Vertrag tritt mit Wirkung vom 01.02.1996 in Kraft (...) "

Zwei als "Gesellschafterbeschluss" überschriebene privatschriftliche Urkunden vom 5. Februar 1996 enthalten in Bezug auf die Vergütung für die Geschäftsführungstätigkeit folgende Regelungen (Allg-A Bl. 74 f.):

"Das Gehalt des vorbereiteten Geschäftsführervertrags von Herrn W. (bzw. in der zweiten Urkunde: "Herrn R.") wird auf DM 20.800 pro Monat festgesetzt. Dieses Gehalt soll in Anbetracht des Liquiditätsbedarfs der Gesellschaft zumindestens in den nächsten 12 Monaten nicht ausgezahlt werden. Für eine Auszahlung des Gehalts bedarf es eines neuen Gesellschaftsbeschlusses (...)"

Am 13. August 1996 wurde die Bestellung der Gesellschafter W. und R. zu Geschäftsführern im Handelsregister bei dem Amtsgericht Hamburg eingetragen (Notar-A Bl. 4).

Ab Februar 1996 verbuchte die Klägerin auf privaten Verrechnungskonten der Gesellschafter-Geschäftsführer W. und R. Zahlungen an diese (von den Beteiligten auch "Entnahmen" genannt; Allg-A Bl. 55 ff., 64 ff.):

Verrechnungskonten 1996

Gesellschafter W.

Gesellschafter R.

05.02.1996

1.000,00

20.03.1996

597,64

13.02.1996

1.430.00

22.03.1996

50,00

15.02.1996

1.200,00

30.03.1996

11,60

20.02.1996

21,70

19.04.1996

250,00

29.02.1996

1.000,00

07.05.1996

100,00

29.02.1996

32,55

06.1996

8.000,00

11.03.1996

1.000,00

05.07.1996

8.000,00

14.03.1996

1.300,00

22.08.1996

8.000,00

20.03.1996

1.250,00

15.10.1996

8.000,00

22.03.1996

50,00

12.1996

16.000,00

22.03.1996

1.271,00

30.12.1996

8.000,00

03.1996

5.374,95

19.04.1996

3.310,00

19.04.1996

250,00

03.05.1996

2.200,00

07.05.1996

100,00

08.05.1996

1.700,00

28.05.1996

4.360,00

03.06.1996

800,00

07.06.1996

1.600,00

06.1996

2.685,00

07.1996

2.100,00

16.07.1996

2.400,00

20.08.1996

6.376,90

29.08.1996

4.078,34

25.09.1996

6.450,00

09.10.1996

4.500,00

22.10.1996

3.600,00

31.10.1996

4.625,00

11.1996

3.400,00

11.1996

5.100,00

09.12.1996

3.366,00

10.12.1996

820,40

23.12.1996

11.300,00

Summe in DM

90.051,84

57.009,24

Verrechnungskonten 1997

Gesellschafter W.

Gesellschafter R.

11.02.1997

5.695,50

14.01.1997

8.000,00

03.03.1997

1.920,00

11.02.1997

4.000,00

27.03.1997

4.586,50

13.02.1997

16.000,00

01.04.1997

3.000,00

24.03.1997

8.000,00

09.05.1997

7.300,00

25.04.1997

16.000,00

19.06.1997

3.200,00

24.07.1997

8.000,00

19.06.1997

5.562,75

14.08.1997

16.000,00

18.08.1997

10.652,67

10.09.1997

16.000,00

21.11.1997

6.100,00

28.10.1997

16.000,00

21.11.1997

11.550,00

14.11.1997

8.000,00

15.12.1997

7.000,00

30.11.1997

15.000,00

Summe in DM

81.567,42

116.000,00

Zusammen mit zusätzlichen Barzahlungen wurden insgesamt für W. in 1996 DM 109.688 und in 1997 DM 119.010 sowie für R. in 1996 DM 72.000 und in 1997 DM 118.584 verbucht.

Am 5. August 1997 schrieb die Klägerin den Verrechnungskonten der Gesellschafter R. und W. mit Wertstellung zum 31. Dezember 1996 Gehälter für ihre Tätigkeit als Geschäftsführer im Jahr 1996 von jeweils DM 250.000 zu und behandelt...

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