Factoring: Die Funktionsweise und wie richtig gebucht wird

Zusammenfassung

 

Überblick

Beim Factoring veräußert ein Unternehmer seine kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen vor Ablauf der Fälligkeit an ein gewerbliches Finanzdienstleistungsinstitut (Factor). Der Unternehmer erhält hierbei – vor dem planmäßigen Ausgleich der Forderungen – Zahlungen vom Factor. Allerdings verringert sich durch Gebühren und Kosten der Zahlungszufluss aus der Forderung.

 

1 Nutzen des Factorings

Ein großer Vorteil für das Unternehmen besteht in der Verbesserung seiner Liquidität, da bei Anwendung von Factoring in der Regel innerhalb einer Woche ein Geldzufluss vorliegt. Das Factoringinstitut (Factor) zahlt nach Abzug der Gebühren üblicherweise 80–90 % der jeweiligen Forderung sofort, die restlichen 10–20 % nach Zahlung durch den Kunden unter Berücksichtigung von Retouren und Skonti. Durch den vorzeitigen Mittelzufluss können die Unternehmen nutzbringend (Lieferanten-) Verbindlichkeiten gegebenenfalls unter Inanspruchnahme von Skonto ablösen. Zudem entfällt für das Unternehmen der aufwendige Verwaltungsaufwand für eine vollumfängliche Debitorenbuchhaltung, Bonitätsprüfung, ein Mahnwesen und Inkasso sowie eine Rechtsverfolgung bei Ausfall der Forderung.

Darüber hinaus erhöht sich durch die Reduzierung der ausgewiesenen (Kunden-) Forderungen und der daraus resultierenden Verkürzung der Bilanz die Eigenkapitalquote; dies wiederum verbessert das Ratingergebnis und somit die Zinskonditionen.

2 Voraussetzungen für Factoring

Factoring kommt nicht für alle Geschäftsmodelle in Frage; es müssen so genannte "factorable" Geschäfte vorliegen. So sind beispielsweise Forderungen aus dem Verkauf von kundenspezifischer Individualsoftware, aus Projektgeschäften und Individualanfertigungen sowie aus dem Verkauf von Aktionsware nicht geeignet. Zudem bezieht sich der Forderungsverkauf auf alle Forderungen der vereinbarten Art; es können daher nicht nur die zweifelhaften Forderungen "losgeworden" werden.

Nicht nur die Unternehmen sollten Voraussetzungen erfüllen; auch die Kunden des Unternehmens (Debitoren) müssen Anforderungen genügen. Optimalerweise sind sie innerhalb der Kundendatei des Unternehmens breit gestreut und weisen eine gute Bonität vor.

 Weitere Voraussetzungen für Standard-Factoring:

  • Tätigkeit des Unternehmens in der Produktion, im Handel oder im Dienstleistungsbereich
  • Jahresumsatz über 1 Mio. EUR
  • durchschnittliche Rechnungsbeträge über 1.000 EUR
  • Zahlungsziele von max. 90 Tagen im Inland und 120 Tagen im Ausland
  • die den Forderungen zugrunde liegenden Leistungen sind vollständig erbracht
  • keine Forderungen aus Abschlagszahlungen oder Leasinggeschäften
  • keine Forderungen aus Geschäften mit längeren Gewährleistungsfristen als gesetzlich vorgeschrieben.

Sofern die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind und die Tätigkeit des Unternehmens nicht in der Bau- oder der speziellen Anlagen- und Maschinenbaubranche mit Leistungsabschnitten und Abschlagszahlungen liegt, kommt Factoring üblicherweise in Frage. In allen anderen Fällen bleibt nur die Prüfung, ob für einen Factor akzeptable Ausnahmefälle vorliegen oder die Voraussetzungen für Spezialleasing erfüllt sind.

3 Funktionsweise und Auswirkungen auf das Rechnungswesen

Beim Factoring sind grundsätzlich drei Parteien beteiligt. Zum einen das Unternehmen, das seine Forderungen aus Lieferungen und Leistungen veräußert (Anschlusskunde), der Kunde des Unternehmens, der die Lieferung oder Leistung erhalten hat (Endabnehmer) und die Factoringgesellschaft (Factor), die die Forderung des Unternehmens erwirbt.

Sofern der Factor die Forderungen inklusive der Gefahr des Forderungsausfalls übernimmt (echtes Factoring), besteht seine Leistung aus einer Finanzierung, Dienstleistung und Versicherung. Für jede einzelne dieser Funktionen fallen Gebühren an:

  • Der Zinssatz für die Kreditgewährung (Vorfinanzierungszinssatz) aus der Finanzierung der Forderung liegt höher als der übliche Bankzins (etwa zwischen 4,0 % – 8,0 %), da sich die Factoringinstitute überwiegend bei Kreditinstituten refinanzieren. Die Zinssätze sind in der Regel durch die Koppelung an Referenzzinssätze (beispielsweise dem Dreimonats-EURIBOR) dynamisch gehalten.
  • Die eigentliche Factoringgebühr fällt für die Dienstleistungen an; von der Bonitätsprüfung über die Debitorenbuchhaltung bis hin zum Inkasso. Sie beträgt zwischen 0,5 % und 2,0 % des Forderungsnennwerts. Grundsätzlich gilt: Je höher das Forderungsvolumen, desto niedriger ist die Factoringgebühr.
  • Mit der Delkrederegebühr wird das Risiko für die Zahlungsunfähigkeit des Kunden und dem damit verbundenen Ausfall der Forderung abgegolten. Die Delkrederegebühr fällt in der Regel jährlich und pro Debitor an; sie liegt üblicherweise zwischen 20 und 100 EUR pro Debitor und Jahr.

Liegt ein echtes Factoring vor (Verkauf mit Übernahme des Delkredererisikos), wird der Factor zivilrechtlicher und wirtschaftlicher Eigentümer der Forderung, mit der Folge, dass diese bei ihm – und folglich nicht mehr beim Unter...

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