Existenzgründungsberatung –... / 2.6.3 Bürgschaftsbanken

Bürgschaftsbanken verstehen sich als Selbsthilfeeinrichtungen des Mittelstands, an denen Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Kammern der Freien Berufe, Wirtschaftsverbände und Innungen, Banken und Sparkassen sowie Versicherungsunternehmen beteiligt sind. Sie stehen nicht miteinander im Wettbewerb, sondern sind – jeweils rechtlich und wirtschaftlich selbständig – für die mittelständische Wirtschaft in "ihrem" Bundesland tätig. Sie übernehmen Ausfallbürgschaften (Bankbürgschaften) für kurz-, mittel- und langfristige Kredite aller Art und alle wirtschaftlich vertretbaren Vorhaben, z. B. für

  • Existenzgründungen und Betriebsübernahmen
  • Investitions- und Wachstumsfinanzierungen
  • Betriebsmittel (auch Kontokorrentkreditrahmen)

Ausfallbürgschaften können für ein einzelnes Unternehmen auf der Grundlage europäischer Beihilferegelungen bis zu einer Gesamthöhe von 1 Mio. EUR (auch mehrfach) übernommen werden. In einigen Ländern bestehen Sonderregelungen. Die Übernahme von Bürgschaften für Sanierungskredite ist ausgeschlossen.

Ausfallbürgschaften sind für die Banken, Sparkassen und andere Finanzierungsinstitute vollwertige Kreditsicherheiten, da Bankbürgschaften. Sie sind im Interesse der Mittelstandsförderung von der Bundesrepublik Deutschland und den Bundesländern rückverbürgt. Durch die Übernahme von Garantien gegenüber Beteiligungsgesellschaften können typisch stille Beteiligungen an gewerblichen Unternehmen abgesichert werden.

Ausfallbürgschaften können alle gewerblichen Unternehmen und Freien Berufe (in einigen Bundesländern auch Landwirte, Gartenbaubetriebe und Fischer) erhalten, denen wegen fehlender Absicherung kein oder kein ausreichender Kredit gewährt würde. Ihr Finanzierungsvorhaben muss betriebswirtschaftlich sinnvoll sein.

Der Antrag ist in der Regel über die Hausbank zu stellen, in entsprechenden Fällen auch über die Beteiligungsgesellschaft, Bausparkasse, Versicherung oder Leasinggesellschaft. Sie alle arbeiten mit den Bürgschaftsbanken zusammen und haben Merkblätter, Richtlinien, Antragsvordrucke vorrätig. Viele Bürgschaftsbanken bieten mit einem Programm "Bürgschaft ohne Bank – BoB" die Möglichkeit, bei kleineren Bürgschaften sich direkt an die Bürgschaftsbank zu wenden.

Wichtig ist, die Hausbank und die Bürgschaftsbank frühzeitig in die eigene Planung einzuschalten.

Wer eine Leasing-, eine Bausparkassen- oder Versicherungsfinanzierung plant, wer Anzahlungen oder Gewährleistungen garantieren muss, wer eine Kapitalbeteiligung aufnehmen will, sollte in jedem Fall vorher seinen Finanzierungspartner, in Zweifelsfällen auch die regionale Bürgschaftsbank, fragen.

Wichtig: Alle Gespräche mit konkreten Unterlagen führen! Bürgschaftsbanken übernehmen ein besonders hohes Risiko, sie brauchen aktuelle und umfassende Informationen.

Der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e. V. (VDB) ist die gemeinsame Interessenvertretung der rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Bürgschafts-banken in Deutschland, die Ihren Standort in den einzelnen Bundesländern haben.

 

Praxis-Beispiel

Alternative Finanzierungsquellen (Beteiligungsgesellschaft / Bürgschaftsbank)

Die A-GmbH benötigt zur Finanzierung eines Investitionsvorhabens einen Betrag von 200.000 EUR. Der Geschäftsführer steht vor der Frage, ob der gesamte Betrag als Darlehen bei der Hausbank aufgenommen werden soll oder ob die Einbeziehung alternativer Finanzierungsquellen (Beteiligungsgesellschaft und Bürgschaftsbank) sinnvoll ist.

Variante 1:

Darlehen der Hausbank: 200.000 EUR

Variante 2:

  • Eigenkapital der Beteiligungsgesellschaft: 50.000 EUR
  • Darlehen der Hausbank: 150.000 EUR
  • Absicherung von 80 % des Hausbankdarlehens (80 % von 150.0000 EUR =) 120.000 EUR durch die Bürgschaftsbank

Ausgangssituation

 
Aktiva 400

Eigenkapital

Fremdkapital

40

360
  400   400

Die Eigenkapitalquote beträgt 10 %.

Lösung:

Variante 1: Finanzierung durch Bankkredit

 
Aktiva (400 + 200) 600

Eigenkapital

Fremdkapital (360 + 200)

40

560
  600   600

Die Eigenkapitalquote beträgt 6,7 %.

Variante 2: Finanzierung mit Beteiligungsgesellschaft und Bürgschaftsbank

 
Aktiva 600

Eigenkapital (40 + 50)

Fremdkapital (360 + 150)

90

510
  600   600

Die Eigenkapitalquote beträgt 15 %.

Beurteilung:

Bei der Finanzierung durch den klassischen Bankkredit verschlechtert sich die EK-Quote von 10 % auf 6,7 %. Das Ausfallrisiko der Hausbank liegt bei 100 % (= 200.000 EUR), wenn nicht weitere Sicherheiten verfügbar sind.

Bei Einbeziehung der Beteiligungsgesellschaft und der Bürgschaftsbank verbessert sich die Eigenkapitalquote auf 15 %. Da der Bankkredit zu 80 % verbürgt wird, beträgt das Ausfallrisiko der Hausbank lediglich (20 % von 150.000 EUR =) 30.000 EUR. D. h.:

  • Verbesserung der Bonität / Rating (durch höhere EK-Quote)
  • Konditionenverbesserung für neue Kredite
  • Risikoentlastung der Hausbank
  • Entscheidungssicherheit der Hausbank durch zusätzliche Fachkompetenz der Bürgschaftsbank und der Beteiligungsgesellschaft

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