Existenzgründungsberatung –... / 2.6.2 Beteiligungsgesellschaften

Beteiligungsgesellschaften beteiligen sich an nicht börsennotierten Unternehmen (meist mit einer Minderheitsbeteiligung von 25 bis 40 %). Bei den Beteiligungsgesellschaften handelt es sich oft um Tochtergesellschaften von Großunternehmen, Versicherungsgesellschaften oder Kreditinstituten.

Kapitalbeteiligungsgesellschaften

Kapitalbeteiligungsgesellschaften beteiligen sich an langjährig bestehenden Unternehmen, die zur Finanzierung des Wachstums weiteres Eigenkapital benötigen, welches die derzeitigen Gesellschafter nicht aufbringen können.

Venture-Capital-Gesellschaften (Wagnisfinanzierungsgesellschaften)

Diese beteiligen sich an jungen, innovativen Unternehmen (Software, Internet, Biotechnologie usw.). Die Gründer dieser Unternehmen stehen häufig vor folgenden Problemen:

  • Aufgrund fehlender Sicherheiten und des hohen Risikos ist es schwierig, Kapital zu beschaffen. Kreditinstitute sind vielfach nicht zur Kreditvergabe bereit.
  • Den Gründern fehlt das notwendige Managementwissen für eine erfolgreiche Unternehmensführung.

Venture Capital Gesellschaften beteiligen sich typischerweise:

  • entweder bei der Gründung (= Start-Up-Financing = First Stage-Financing); das Unternehmen setzt die ihm zufließenden Mittel dann zur Produktentwicklung bis zur Marktreife und Produktionsaufnahme ein;
  • oder bei der Expansion (= Expansion -Stage-Financing = Second Stage Financing); das Unternehmen setzt die ihm zufließenden Mittel zur Entwicklung weiterer Produkte und/oder zur nationalen und internationalen Expansion ein.

Für Kapitalbeteiligungs- und Venture-Capital-Gesellschaften ist typisch, dass sie die Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, auch betriebswirtschaftlich beraten (Marketing, Organisation, Kostenrechnung, Management usw.).

Beendet wird die Beteiligung in der Regel nach 5 bis 15 Jahren durch

  • Verkauf an die übrigen (Gründungs-) Gesellschafter des betr. Unternehmens
  • Verkauf an Dritte
  • Umwandlung des Unternehmens in eine AG und Verkauf der Aktien über die Börse

Je nachdem, in welcher Phase des Lebenszyklus sich das Unternehmen gerade befindet, können verschiedene Ausprägungen einer Beteiligung (bzw. Investition oder Finanzierung) unterschieden werden:

Seed Stage

In der frühen Seed-Phase (seed = engl. = Saat) werden die finanziellen Mittel in der Regel für Forschung und Entwicklung benötigt, um ein Produkt oder eine Dienstleistung zur Marktreife zu führen. Diese Phase ist regelmäßig durch ein sehr hohes Risiko gekennzeichnet, da noch kein fertiges Produkt vorliegt und der mögliche wirtschaftliche Erfolg in diesem Stadium nur sehr schwer abschätzbar ist. Für den Kapitalgeber erfolgt daher der Einstieg zu einem niedrigen Preis bei hohem Risiko.

Early Stage

In der Early-Stage-Phase (Frühphase) des Unternehmens ist die Produktentwicklung weitgehend abgeschlossen und es wird Kapital für Tests, Marketingaktivitäten und den Aufbau von Produktionskapazitäten benötigt, um die erfolgreiche Markteinführung zu gewährleisten. Das Risiko für den Kapitalgeber ist hier schon niedriger, da bereits ein funktionsfähiges Produkt vorhanden ist. Der wirtschaftliche Erfolg ist aber auch in dieser Phase noch zweifelhaft.

Later Stage

In der Later-Stage-Phase (Spätphase) ist das Unternehmen mit dem entwickelten Produkt marktreif und erzielt Umsätze aus dem Verkauf des Produktes. Der kommerzielle Erfolg ist sichtbar und es wird weiteres Kapital für den Ausbau der Produktions- und Vertriebskapazitäten benötigt. Das Risiko für den Kapitalgeber ist in dieser Phase weitaus geringer als in den vorangegangenen Phasen.

Exit

Nach 2 – 7 Jahren (oder auch später) wird der Exit (Ausstieg) angestrebt, d. h. der Kapitalgeber zieht sich aus dem Unternehmen zurück. Er verkauft seine Anteile an der Börse, an andere Unternehmen oder bietet sie den übrigen Gesellschafter zum Kauf an.

 

Praxis-Beispiel

Alternative Finanzierungsquellen (Beteiligungsgesellschaft)

Die A-GmbH benötigt zur Finanzierung eines Investitionsvorhabens einen Betrag von 250.000 EUR. Der Geschäftsführer steht vor der Frage, ob der gesamte Betrag über eine Darlehensaufnahme bei der Hausbank aufgenommen werden soll oder ob die Einbeziehung einer Beteiligungsgesellschaft sinnvoll ist.

Folgende Finanzierungsalternativen stehen zur Auswahl:

Variante 1:

Darlehen der Hausbank: 250.000 EUR (Zins: 7,5 %, Tilgung: 10 % p. a.)

Variante 2:

  • Darlehen der Hausbank: 175.000 EUR (Zins: 6,0 %, Tilgung: 10 % p. a.)
  • Eigenkapital der Beteiligungsgesellschaft: 75.000 EUR (Entgelt: 11,5 %, endfällige Tilgung nach 10 Jahren)

Ausgangssituation:

 
Aktiva 500

Eigenkapital

Fremdkapital

75

425
  500   500

=> Die Eigenkapitalquote beträgt 15 %

Lösung:

Variante 1: Finanzierung durch Bankdarlehen

 
Aktiva (500 + 250) 750

Eigenkapital

Fremdkapital (425 + 250)

75

675
  750   750

=> Eigenkapitalquote: 10 %.

=> Kapitaldienst: Zins (19) + Tilgung (25) = 44

Variante 2: Finanzierung durch Bankdarlehen und Beteiligungsgesellschaft

 
Aktiva 750

Eigenkapital (75 + 75)

Fremdkapital (425 + 175)

150

600
  750   750

=> Eigenkapitalquote: 20 %

=> Kapitaldienst: Zins (10,5) + Ti...

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