Erstberatungsbrief: Selbstanzeige

Kurzbeschreibung

Dieser Musterbrief wendet sich direkt an den Mandanten und unterstützt den steuerlichen Berater für den Fall der Erstberatung oder bei einem Mandantenwechsel. Er zeigt Beratungspotenzial bei einer Selbstanzeige auf.

Hinweis: Weitergabe von Mandanteninformationen

Die Weitergabe der Mandanteninformationen, z. B. per E-Mail oder als Brief, an Ihre Mandanten ist zulässig, die Weitergabe an Dritte außerhalb Ihrer Mandantschaft ist hingegen nicht zulässig. Ebenso zulässig ist die Veröffentlichung, z. B. als HTML-Dokument oder als PDF-Datei, im geschützten Bereich des Internetauftritts Ihrer Kanzlei. Aus urheberrechtlichen Gründen ist eine Veröffentlichung z. B. in sozialen Netzwerken oder auf Internet-Homepages im öffentlich zugänglichen Bereich nicht gestattet.

Selbstanzeige

  [Briefkopf Kanzlei]
Frau/Herr …  
   
  [Datum]
   
Unser Termin/unser Telefonat am/vom …
   

Sehr geehrte Frau …, sehr geehrter Herr …,

Banken und Vermögensverwalter oder Versicherungen aus dem Ausland melden Konten und Vermögenswerte ihrer deutschen Kunden an die örtlichen Steuerbehörden. Diese leiteten die Daten an das deutsche Bundeszentralamt für Steuern weiter. Diese Behörde verteilt die Meldedaten anschließend an die örtlich zuständigen Finanzämter. Diese führen anschließend einen Abgleich der gemeldeten Daten mit den vom Steuerpflichtigen bisher gemeldeten Kapitaleinkünften durch. Stellt sich heraus, dass die gemeldeten Konten, Depots oder Versicherungsverträge vom Steuerpflichtigen bisher verschwiegen wurden, kommt es bezüglich der hinterzogenen Kapitaleinkünfte zu einer Tatentdeckung. Dieser folgt in der Regel die Einleitung eines Steuerstrafverfahrens.

Letzte Frist für eine Selbstanzeige

Am 30.9.2019 übermitteln die letzten Staaten (Österreich, Schweiz, Liechtenstein) die Kontodaten aller ausländischen Kunden an die jeweiligen Zentralstellen der betreffenden Wohnsitzländer (ausländische Anleger mit einem Anlagevolumen von über 1 Mio. US-Dollar wurden bereits zum 1.9.2018 gemeldet).

Übrigens: Eine Kontoschließung mit anschließender Barabhebung der Kontoguthaben kurz vor dem jeweiligen Meldestichtag verhindert eine Meldung nicht. Denn gemeldet werden neben Neukonten auch jene Konten und Depots bzw. Versicherungen, die bereits im Jahr 2016 bestanden haben. Ich möchte/Wir möchten Sie anlässlich der Einführung dieses neuen automatischen Informationsaustauschs über die wesentlichen Grundlagen einer Selbstanzeige informieren.

Was sich hinter einer Selbstanzeige verbirgt

Sie können einem Steuerstrafverfahren, das nach Auswertung der Meldungen regelmäßig droht, mit der Abgabe einer Selbstanzeige entgehen. Voraussetzung ist, dass die Selbstanzeige vor Übermittlung der Kontodaten beim Finanzamt eingeht. Hinter einer Selbstanzeige verbirgt sich weder ein Schreiben mit der Überschrift "Selbstanzeige", noch ein bestimmtes Form- oder Anzeigenblatt des Finanzamts. Als Selbstanzeige gewertet wird jede Art von Berichtigungserklärung betreffend vergangene Steuerjahre gegenüber den Finanzbehörden. Berichtigt werden müssen dabei alle in der Vergangenheit verschwiegenen steuerpflichtigen Einkünfte. Sog. Teilselbstanzeigen, die nur einen Teil der hinterzogenen Einkünfte enthalten (z. B. nur die Kapitaleinkünfte aus einem Konto in der Schweiz, nicht aber jene aus dem Konto in Luxemburg), entfalten keine strafbefreiende Wirkung.

Wann erlangen Steuersünder mit der Selbstanzeige Straffreiheit?

Die Abgabe berichtigter Steuererklärungen bedingt notwendigerweise die Offenlegung aller bislang verschwiegenen Einkünfte. Damit erhält das Finanzamt von der Steuerstraftat Kenntnis und wird seinerseits die Bußgeld- und Strafsachenstelle in Kenntnis setzen. Diese prüft, ob durch die Nacherklärungen eine Selbstanzeige wirksam erstattet worden ist. Nur in diesem Fall kommt der Steuerpflichtige ohne Strafe mit der Steuerhinterziehung davon.

Sprechen Sie mich/uns daher unbedingt vor der Erstattung einer Selbstanzeige an. Ich prüfe/Wir prüfen für Sie, ob die notwendigen Voraussetzungen für die Erlangung einer Straffreiheit durch Selbstanzeige für Sie gegeben sind, d. h. ob Ausschließungsgründe vorliegen.

  • Ausschluss bewusster Teilselbstanzeigen von der Straffreiheit

    Voraussetzung für eine wirksame Selbstanzeige ist, dass alle bisher verschwiegenen Einkünfte nacherklärt werden. Nach geltendem Recht entfaltet eine Selbstanzeige dann keine strafbefreiende Wirkung, wenn sie ihrerseits unvollständige oder unrichtige Angaben enthält und der Täter dies wusste oder bei verständiger Würdigung der Sachlage damit rechnen musste. Zudem ist der Mindestnacherklärungszeitraum von 10 Jahren zu beachten, auch wenn nicht in allen 10 Jahren Kapitaleinkünfte nachzuerklären sind. Der Vollständigkeitsgrundsatz sowie der 10-jährige Nacherklärungszeitraum mit dem Erfordernis der entsprechenden Materialbereitstellung (viele Banken habe eine kürzere gesetzliche Aufbewahrungsfrist als 10 Jahre) macht die Abgabe einer Selbstanzeige für Sie schwierig. Wollen Sie z. B. Einkünfte aus einem Konto in der Schweiz nacherklären, müssen Sie...

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