Dötsch/Pung/Möhlenbrock (D/... / 8.6.5 Sonderproblem: Mandantenstamm einer freiberuflichen Praxis
 

Tz. 1360

Stand: EL 81 – ET: 08/2014

Der Mandantenstamm einer freiberuflichen Praxis kann Gegenstand eines Pachtvertrages zwischen einem Freiberufler und einer von ihm gegründeten GmbH sein; s Urt des BFH v 30.03.1994 (BStBl II 1994, 903); v 18.12.1996 (BStBl II 1997, 546); s Beschl des BFH v 08.04.2011 (BFH/NV 2011, 1135). Die Überlassung des Mandantenstammes (= wes Betriebsgrundlage) führt zu einer Betriebsaufspaltung. Die von der Betriebs-GmbH für die Überlassung gezahlten Pachtzinsen sind nicht als vGA iSv § 8 Abs 3 S 2 KStG anzusehen (anders noch s Urt des BFH v 28.02.1990, BStBl II 1990, 595).

Hieran hat sich uE auch durch die neue Rspr des BFH zum Übergang eines Geschäftswerts auf die Betriebs-Gesellschaft nichts geändert (dazu s Tz 1344ff).

 

Beispiel:

H errichtete im Januar 05 als Alleingesellschafter eine Steuerberatungsgesellschaft, die H-GmbH. H veräußerte zum 01.04.05 das bewegliche Anlagevermögen, die Finanzanlagen und das Umlaufvermögen seiner bisherigen Steuerberatungseinzelpraxis an die H-GmbH. Den Praxiswert, dh den Wert aller dem H erteilten Mandate, brachte er ausdrücklich nicht in die GmbH ein. Der Praxiswert sollte vielmehr an die H-GmbH mietweise gegen Zahlung von jährlich 124 000 EUR überlassen werden. Neue Mandate sollten nicht der H-GmbH, sondern H zustehen. Mit Vereinbarung v 01.04.09 veräußerte H den Praxiswert zum (angemessenen) Preis von 1,1 Mio EUR an die H-GmbH.

Lösung:

Der Mandantenstamm ist nicht bereits zum 01.04.05 auf die H-GmbH übergegangen. Damit konnte zu diesem Zeitpunkt auch keine verdeckte Einlage des Praxiswerts in die H-GmbH vorliegen. Wäre dies der Fall, müssten sowohl die Pachtzahlungen für die Überlassung des Mandantenstammes in den Jahren 05 bis 09 als auch die Vergütung für die Übertragung des Praxiswerts im Jahr 09 als vGA angesehen werden. Der Mandantenstamm muss nicht notwendigerweise das Rechtsschicksal der übrigen übertragenen Gegenstände des BV der bisherigen Einzelpraxis teilen. Er kann Gegenstand eines selbstständigen Übertragungsgeschäfts und auch Gegenstand eines selbstständigen Pachtvertrags sein. Dem steht auch nicht entgegen, dass H seit der Gründung der GmbH deren alleiniger GF war. Die Überlassung/Übertragung des Mandantenstammes ist nicht Gegenstand des Anstellungsverhältnisses. Ein GF schuldet der GmbH nur eine Dienstleistung, nicht aber gleichzeitig die Übertragung des ihm gehörenden Praxiswerts/Mandantenstammes. Er kann diese Werte an einen Dritten übertragen, ohne deshalb seine Pflichten als Gesellschafter oder GF zu verletzen; s Urt des BFH v 30.03.1994 (BStBl II 1994, 903).

Damit führt weder die entgeltliche Überlassung des Mandantenstammes noch dessen Übertragung im Jahr 09 zu einer vGA.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge