Dötsch/Pung/Möhlenbrock (D/... / 4.2.4.3 Teilbetrag II
 

Tz. 386

Stand: EL 88 – ET: 01/2017

In dem Teilbetrag II wird festgehalten, in welchem Umfang die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasste Vermögensminderung iRd Einkommensermittlung als vGA iSd § 8 Abs 3 S 2 KStG hinzugerechnet worden ist. Auch dieser Teilbetrag ist entspr der Entwicklung des Passivpostens fortzuschreiben. Er ist aufzulösen, soweit die Verpflichtung in der St-Bil aufzulösen ist.

 

Tz. 387

Stand: EL 88 – ET: 01/2017

Führt die Auflösung des Passivpostens in der St-Bil zu einer Gewinnerhöhung, ist diese, soweit sie anteilig auf den durch das Gesellschaftsverhältnis veranlassten Teil der Verpflichtung entfällt, bis zur Höhe des aufzulösenden Teilbetrags II außerhalb der St-Bil bei Ermittlung der Eink aus Gew zur Vermeidung einer doppelten Erfassung abzuziehen.

 

Beispiel:

Dem Ges-GF ist für das Wj 01 eine Tantieme zugesagt worden, die (zulässigerweise) am 31.01.03 iHv 20 000 EUR fällig gestellt wird. Die durch die Rückstellung eintretende Vermögensminderung stellt iHv 50 % eine vGA dar. In der St-Bil für das Wj 01 ist eine Tantiemerückstellung von 18 960 EUR gebildet und für das Wj 02 um 1 040 EUR auf 20 000 EUR aufgestockt worden (s § 6 Abs 1 Nr 3a Buchst e EStG – Aufzinsungsbetrag –). Im Zuge der Veranlagung für den VZ 01 unterbleibt versehentlich die Hinzurechnung einer vGA; eine Änderungsmöglichkeit nach den Vorschriften der AO besteht nicht mehr. Die Veranlagung für den VZ 02 ist noch offen.

Am 15.01.03 verzichtet der Ges-GF aus gesellschaftlich veranlassten Gründen auf die Auszahlung der Tantieme iHv 20 000 EUR. Der Anspruch war nicht mehr werthaltig.

Lösung:

Die gesellschaftliche Veranlassung der Tantiemezusage hat keine Auswirkungen auf die Passivierung der Tantiemerückstellung in der St-Bil. Die Entwicklung der Rückstellung, der Einkommensänderungen und der Teilbeträge I und II ist nachfolgend dargestellt:

 
Im Wj 01:   Teilbetrag I Teilbetrag II
Gewinnminderung durch Bildung der Tantiemerückstellung - 18 960 EUR    
davon sind gesellschaftlich veranlasst (50 %) 9 480 EUR 9 480 EUR  
Einkommenserhöhung durch Ansatz als vGA 0 EUR   0 EUR
Bestand zum 31.12.01   9 480 EUR 0 EUR
Im Wj 02:      
Gewinnminderung durch Erhöhung der Tantiemerückstellung - 1 040 EUR    
davon sind gesellschaftlich veranlasst (50 %) 520 EUR 520 EUR  
Einkommenserhöhung durch Ansatz als vGA 520 EUR   520 EUR
Bestand zum 31.12.02   10 000 EUR 520 EUR
Im Wj 03:      
Gewinnerhöhung durch Auflösung der Tantiemerückstellung wegen Verzicht des Gesellschafters 20 000 EUR    
davon entfallen auf den gesellschaftlich veranlassten Teil (50 %) 10 000 EUR - 10 000 EUR  
Einkommensminderung, soweit die auf den gesellschaftlich veranlassten Teil entfallende Gewinnerhöhung auf den vorherigen Ansatz einer vGA entfällt. Die maximale Höhe ist im Teilbetrag II festgehalten. - 520 EUR   - 520 EUR
Bestand zum 31.12.03   0 EUR 0 EUR

Dem Gesellschafter ist durch den Verzicht nichts zugeflossen, da seine Forderung nicht mehr werthaltig war.

 

Tz. 388

Stand: EL 88 – ET: 01/2017

Es ergeben sich jedoch andere Rechtsfolgen, wenn die Gewinnerhöhung bereits aus anderen Gründen, zB als verdeckte Einlage, iRd Einkommensermittlung wieder neutralisiert wird.

 

Beispiel:

Wie vorheriges Beispiel; aber der Anspruch war im Zeitpunkt des Verzichts noch zu 60 % werthaltig.

Lösung:

Die Entwicklung der Rückstellung, der Einkommensänderungen und der Teilbeträge I und II ist nachfolgend dargestellt:

 
Im Wj 01:   Teilbetrag I Teilbetrag II
Gewinnminderung durch Bildung der Tantiemerückstellung - 18 960 EUR    
davon sind gesellschaftlich veranlasst (50 %) 9 480 EUR 9 480 EUR  
Einkommenserhöhung durch Ansatz als vGA 0 EUR   0 EUR
Bestand zum 31.12.01   9 480 EUR 0 EUR
Im Wj 02:      
Gewinnminderung durch Erhöhung der Tantiemerückstellung - 1 040 EUR    
davon sind gesellschaftlich veranlasst (50 %) 520 EUR 520 EUR  
Einkommenserhöhung durch Ansatz als vGA 520 EUR   520 EUR
Bestand zum 31.12.02   10 000 EUR 520 EUR
Im Wj 03:      
Gewinnerhöhung durch Auflösung der Tantiemerückstellung wegen Verzicht des Gesellschafters 20 000 EUR    

Einkommensminderung wegen Ansatz einer verdeckten Einlage (60 % von 20 000 EUR)

In dieser Höhe gilt die Tantieme dem Gesellschafter als zugeflossen.
- 12 000 EUR - 6 000 EUR  
verbleibende Gewinn- und Einkommenserhöhung 8 000 EUR    
davon entfallen auf den gesellschaftlich veranlassten Teil (50 %) 4 000 EUR - 4 000 EUR  
Einkommensminderung, soweit die auf den gesellschaftlich veranlassten Teil entfallende Gewinnerhöhung auf den vorherigen Ansatz einer vGA entfällt. Die maximale Höhe ist im Teilbetrag II festgehalten. - 520 EUR   - 520 EUR
Bestand zum 31.12.03   0 EUR 0 EUR

Dem Gesellschafter gilt die Tantieme im Zeitpunkt des Verzichts iHd werthaltigen Teils als zugeflossen und von ihm sodann als nachträgliche AK seiner Beteiligung als verwendet. In diesem Fall beträgt der Zufluss 12 000 EUR (= 60 % von 20 000 EUR) und teilt sich auf in 6 000 EUR Eink aus nicht selbst Arbeit und 6 000 EUR Eink aus KapV iSd § 20 Abs 1 Nr 1 S 2 EStG (hinsicht...

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