Zusammenfassung

 
Überblick

Für die demnächst zu erstellenden Einkommensteuererklärungen für das Jahr 2020 sind einige Besonderheiten aufgrund der anhaltenden Pandemie-Situation zu beachten. Dazu gehören u.  a. bei Arbeitnehmern der Bezug von Lohnersatzleistungen und / oder die Arbeit im Homeoffice. Daneben hat die Bundesregierung zahlreiche gesetzliche und untergesetzliche Maßnahmen getroffen, um Bürgern und Unternehmen in der Krise zu helfen und Investitionen anzukurbeln. Die gewährten Sofort- und Überbrückungshilfen sind ebenfalls bei der Steuererklärung zu berücksichtigen, ebenso wie evtl. angepasste Vorauszahlungen. Nachfolgend informieren wir Sie über die wichtigsten durch die Corona-Krise ausgelösten Besonderheiten und Neuerungen für die Steuererklärung.

Mit dem Gesetz zur Umsetzung der Anti-Steuervermeidungsrichtlinie (ATAD-Umsetzungsgesetz - ATADUmsG), das am 25.6.2021 im Bundesrat verabschiedet wurde, wurden die Abgabefristen für die Einkommensteuererklärung 2020 verlängert. Nicht beratene Einkommensteuerpflichtige müssen ihre Steuererklärung für 2020 bis zum 31.10.2021 abgeben. Wer einen Steuerberater einschaltet, hat Zeit bis zum 31.5.2022.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung
  • Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Corona-Steuerhilfegesetz) vom 19.6.2020, BGBl 2020 I S. 1385.
  • Zweites Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Zweites Corona-Steuerhilfegesetz) vom 29.6.2020, BGBl 2020 I S. 1512.
  • Jahressteuergesetzes 2020 vom 21.12.2020, BGBl 2020 I S. 3096.
  • Drittes Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Drittes Corona-Steuerhilfegesetz) vom 10.3.2021, BGBl 2021 I S. 330.

1 Corona-Auswirkungen für alle Steuerzahler

1.1 Kinderbonus kann Steuererstattung mindern

Für jedes im Jahr 2020 kindergeldberechtigte Kind wurde ein Kinderbonus von 300 EUR gewährt. Die Auszahlung des Kinderbonus erfolgte in 2 Teilen, 200 EUR im September und 100 EUR im Oktober 2020. Der Bonus wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Bei der endgültigen Berechnung der Einkommensteuerlast wird der Bonus aber mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag verrechnet. Im Ergebnis wird gerade bei Gut- und Besserverdienern der Bonus dadurch vollständig aufgezehrt und ggf. fällt auch eine Steuererstattung geringer aus als in Vorjahren. Bei einem Jahreseinkommen ab etwa 80.000 EUR brutto (verheiratet, ein Kind) bleibt unterm Strich vom Bonus nichts mehr übrig, außer der Tatsache, dass die Betroffenen das Geld einige Monate früher bekommen haben.

 
Hinweis

Neuer Bonus 2021

Im Jahr 2021 erhalten Eltern erneut einen einmaligen Kinderbonus von 150 EUR. Anspruch auf den Kinderbonus 2021 haben Eltern für jedes Kind, für das im Mai 2021 ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Kinder, für die im Mai 2021 kein Anspruch auf Kindergeld besteht, werden ebenfalls berücksichtigt, wenn für sie in einem anderen Monat des Jahres 2021 ein Kindergeldanspruch besteht.[1]

[1] § 66 Abs. 1 EStG i. d. F. des Dritten Corona-Steuerhilfegesetzes.

1.2 Freibetrag für Alleinerziehende beantragen?

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende ist zunächst für die Jahre 2020 und 2021 von 1.908 EUR auf 4.008 EUR angehoben worden. Der Erhöhungsbetrag von 2.100 EUR ist bei Arbeitnehmern im Regelfall bereits als Freibetrag im ELStAM-Verfahren berücksichtigt worden. Sollte beim Lohnsteuerabzug 2020 ausnahmsweise kein Freibetrag berücksichtigt worden sein und oder kein Arbeitnehmerfall vorliegen, erfolgt die steuerliche Entlastung über die Einkommensteuerveranlagung.

[1]

Die Erhöhung soll nach dem Jahressteuergesetz 2020 auch ab dem Jahr 2022 weiter gelten und bis dahin auch in die Steuerklasse II und damit in die Lohnprogramme eingebaut werden.[2]

[2] § 24b EStG i. d. F. des Jahressteuergesetzes 2020.

1.3 Vereinfachungen beim Spenden-Abzug

Für einen (Sonderausgaben-)Abzug von Spenden in der Steuererklärung wird grundsätzlich eine Spendenbescheinigung benötigt, die von dem steuerbegünstigten Empfänger der Spende auszustellen ist. Sie muss inzwischen nicht mehr dem Finanzamt mit der Steuererklärung, sondern nur noch auf Anforderung übersandt werden. Wenn bestimmte steuerbegünstigte Körperschaften Spenden-Sonderkonten eingerichtet haben, um mit den dort gesammelten Geldern den von der Corona-Krise Betroffenen zu helfen, dann können die Spender Vereinfachungen nutzen. Wird auf diese Sonderkonten gespendet, dann reicht beim Finanzamt als Nachweis der Spende der Beleg des Kreditinstitutes (zum Beispiel Kontoauszug, Lastschrifteinzugsbeleg oder der PC-Ausdruck bei Online-Banking) aus – unabhängig von der Höhe der Spende.[1]

Mit Wirkung ab 2021 wird zudem der Betrag, bis zu dem allgemein ein vereinfachter Zuwendungsnachweis möglich ist, von 200 auf 300 Euro angehoben.[2]

[1] BMF, Schreiben v. 9.4.2020, IV C 4 – S 2223/19/10003 :003, BStBl 2020 I S. 498; inzwischen verlängert bis Ende 2021, BMF, Schreiben v. 18.12.2020, V C 4 – S 2223/19/10003 :006.
[2] § 50 Abs. 4 EStDV i. d. F. des Jahressteuergesetzes 2020.

2 Corona-Auswirkungen für Arbeitnehmer

2.1 Progressionsvorbehalt für Lohnersatzleistungen

Millionen von Arbeitnehmern haben im Jahr 2020 Kurzarbeitergeld bezogen. Viele haben auch Entschädigungen nach dem Infektionsschutz...

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