Brexit: Umsatzsteuer - Fall 51: Besteuerung freiberuflicher Tätigkeit (B2C)

Fall:

Die A-GmbH ist eine Rechtsanwaltsgesellschaft. Sie erbringt Beratungsleistungen an Y im Rahmen der Nachfolgeplanung. Y ist eine vermögende Privatperson mit Wohnsitz in UK, der sein Testament machen möchte und darum auch etwaige deutsche steuerliche Folgen berücksichtigen möchte. Er hat eine Tochter, die in Deutschland lebt. Zudem hat er einen Teil seines Vermögens in Deutschland investiert.

Lösung:

Nach dem Brexit ist nach den dortigen Regeln britische Umsatzsteuer (statt wie bisher deutsche Umsatzsteuer) in der Rechnung auszuweisen und in UK abzuführen. Dafür muss sich die A-GmH in UK umsatzsteuerlich registrieren.

Hintergrundinfo:

Die A-GmbH erbringt eine sonstige Leistung an einen im Drittland (UK) ansässigen Nichtunternehmer. Dabei handelt es sich mit der Rechtsberatung bzw. Steuerberatung um eine freiberufliche Tätigkeit. Der Ort der Leistung befindet sich bei im Drittland ansässigen Nichtunternehmern gem. § 3a Abs. 4 Satz 2 Nr. 3 UStG am Ort des Leistungsempfängers. Dies ist Großbritannien. Innerhalb der EU ist der Ort der Leistung bei sonstigen Leistungen, die an Nichtunternehmer erbracht werden, gem. § 3a Abs. 1 UStG der Ort, von dem aus das leistende Unternehmen (hier die A-GmbH) ihr Unternehmen ausführt. Dies wäre Deutschland. Durch den Brexit verändert sich damit der Ort der Leistung und die Leistung ist in Deutschland nicht mehr steuerbar.

Da der Ort der Leistung in UK liegt, wird nach den dort geltenden Regelungen britische Umsatzsteuer in der Rechnung auszuweisen und die ausgewiesene/vereinnahmte Umsatzsteuer in UK abzuführen sein. Dazu hat sich die A-GmbH in UK umsatzsteuerlich zu registrieren.

Das gleiche Ergebnis ergibt sich, wenn nicht die A-GmbH diese Leistung erbringt, sondern eine Partnerschaft (oder andere Personengesellschaft) oder der Freiberufler in einer Einzelpraxis tätig wird.

Die Regelung gilt für alle freiberuflichen Tätigkeiten sowie Übersetzer, Ingenieure, Sachverständige etc., wenn diese Leistungen an Nichtunternehmer in UK erbringen.

 
Hinweis

Zeitpunkt der Leistungserbringung entscheidend

Die umsatzsteuerliche Behandlung richtet sich danach, ob die Leistung vor oder nach dem Brexit erbracht worden ist. Dabei ist der Zeitpunkt der Ausführung der Leistung maßgebend. Sofern die Leistung zeitlich begrenzt ist (d. h. keine Dauerleistung), ist für die umsatzsteuerliche Beurteilung der ganzen Leistung der Zeitpunkt der Beendigung der Leistung entscheidend. Entsprechendes gilt für Teilleistungen.[1]

 
Hinweis

Beratungsleistung gegenüber einem Unternehmer (B2B)

Werden die Tätigkeiten gegenüber einem umsatzsteuerlichen Unternehmer erbracht (B2B), gelten die allgemeinen Regelungen zu sonstigen Leistungen an in UK ansässige Unternehmer (vgl. Fall 60).

 
Hinweis

Keine Sonderregelung für Nordirland

Anders als bei Warenlieferungen wird bei Dienstleistungen nicht zwischen Großbritannien (England, Schottland, Wales) und Nordirland unterschieden.[2]

Checkliste:

  • Sind Privatkunden/Nichtunternehmer in UK ansässig?
  • Ist der aktuelle USt-Satz in UK bekannt?
  • Ist eine umsatzsteuerliche Registrierung in UK erfolgt?
  • Sind die Umsätze in UK erklärt?

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