Literaturauswertung ErbStG/... / 3.4 § 199 BewG (Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens)

• 2017

Vereinfachtes Ertragswertverfahren versus IDW S 1 / § 199 ff. BewG

 

Im Rahmen der Erbschaftsteuerreform 2016 kommt der Bewertung von Unternehmen eine größere Bedeutung zu als bisher. Grundsätzlich hat der Stpfl. ein Wahlrecht zwischen der Ertragswertmethode nach IDW S 1 und dem vereinfachten Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. BewG. Dieses Wahlrecht kann gezielt zur Erbschaftsteuerplanung respektive zur Optimierung etwaiger Steuerbelastungen eingesetzt werden. Sinkende Ertragserwartungen, über § 203 BewG liegende Kapitalisierungszinssätze oder eine Steuerbelastung > 30 % sprechen für die Anwendung des IDW S 1, steigende Ertragserwartungen, unter § 203 BewG liegende Kapitalisierungssätze oder eine Steuerbelastung < 30 % für die Anwendung der §§ 199 ff. BewG. Ebenfalls für die Anwendung des IDW S 1 spricht das Vorliegen von nicht betriebsnotwendigem Vermögen oder das Vorliegen von jungen Wirtschaftsgütern. Ansonsten bietet das vereinfachte Ertragswertverfahren kaum Möglichkeiten, den Unternehmenswert gezielt zu beeinflussen. Demgegenüber kann bei Anwendung des IDW S 1 der Unternehmenswert innerhalb bestimmter Grenzen gestaltet werden. Im Übrigen wird regelmäßig neben dem Wert nach §§ 199 ff. BewG auch der Wert nach IDW S 1 ermittelt werden müssen, zum einen um den günstigsten Wert zu bestimmen, zum anderen, um ein offensichtlich unzutreffendes Ergebnis auszuschließen.

(so Bruckmeier/Zwirner/Vodermeier, Unternehmensbewertung im Erbschaftsteuerrecht: Handlungsempfehlungen und Modellrechnungen - §§ 199 ff. BewG und IDW S 1 nach der Erbschaftsteuerreform 2016 im Vergleich, DStR 2017, 678)

• 2019

Vereinfachtes Ertragswertverfahren / Nichtanwendbarkeit bei komplexen Strukturen von verbundenen Unternehmen / § 199 BewG

 

Die FinVerw geht bei komplexen Strukturen von verbundenen Unternehmen von begründeten Zweifeln an der Anwendbarkeit des vereinfachten Ertragswertverfahrens aus mit der Folge einer entsprechenden Beweislastumkehr. Dem dürfte nicht zu folgen sein. Auch beim Vorliegen komplexer Strukturen ist das vereinfachte Ertragswertverfahren anwendbar, sofern dessen Ergebnis nicht offensichtlich unzutreffend ist. Bei der Bewertung von Beteiligungen ist nach § 200 Abs. 2 und 3 BewG zwischen der Bewertung betriebsnotwendiger und nicht betriebsnotwendiger Beteiligungen zu differenzieren. Diese Differenzierung kann zu extremen Bewertungsunterschieden führen. Innerhalb eines Konzerngeflechts kann der Wert der einzelnen Beteiligungen nach unterschiedlichen Bewertungsmethoden ermittelt werden. Dies kann erhebliche Verzerrungen und damit ein offensichtlich unzutreffendes Ergebnis zur Folge haben. Dies ist bei einer einheitlichen Bewertung aller Beteiligungen - z. B. nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren - nicht zwingend. Fraglich ist allerdings, welche Voraussetzungen an das Vorliegen komplexer Strukturen zu stellen sind. Abzustellen sein dürfte insoweit insbesondere auf die Unternehmensgröße, die Anzahl der Gesellschaften im Konzernverbund und die Verzweigung und Tiefe des Beteiligungsgeflechts.

(so Kowanda, Die Nichtanwendbarkeit des vereinfachten Ertragswertverfahrens bei komplexen Strukturen von verbundenen Unternehmen, Ubg 2019, 34)

Bewertung ausländischer Beteiligungen im vereinfachten Ertragswertverfahren / § 199 BewG

 

Die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens ist insbesondere dann interessant, wenn eine Nachversteuerung nicht zu erwarten und von daher die Höhe des Unternehmenswerts nicht von Bedeutung ist. Anwendung finden kann das vereinfachte Ertragswertverfahren bei der Bewertung ausländischer Unternehmen aller Unternehmensformen. Die Bewertungsgrundlagen sind in der jeweiligen Landeswährung zu ermitteln. Diese Werte sind dann zum Bewertungsstichtag in Euro umzurechnen. Dabei empfiehlt es sich, die Übergabe zu einem Zeitpunkt vorzunehmen, in welchem der Auslandsdevisenkurs unterhalb derjenigen Werte der drei vergangenen Jahre der Betriebsergebnisbezugnahme liegt. Die Ausgangswerte sind nach den im jeweiligen Land geltenden Gewinnermittlungsvorschriften zu ermitteln. Der Kapitalisierungsfaktor ist bei der Bewertung ausländischer Unternehmen zwingend, sofern er nicht zu unzutreffenden Ergebnissen führt. Eine Anpassung ist nicht möglich. Die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens kann bei der Bewertung ausländischer Unternehmen dann zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen führen, wenn grenzüberschreitende Sachverhalte in den beteiligten Staaten steuerlich unterschiedlich behandelt werden. Die pauschalierte Ertragsteuerbehandlung dürfte vor dem Hintergrund abweichender ausländischer Verhältnisse der Anpassung unterliegen. Der angemessene Unternehmerlohn bestimmt sich nach den Verhältnissen im Ausland. Auch bei der Bewertung ausländischer Unternehmen nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren ist als Mindestwert der Substanzwert anzusetzen. Auch hier sind die Verhältnisse im jeweiligen ausländischen Staat maßgebend.

(so Kowanda, Problemfelder bei der Bewertung ausländischer Beteiligun...

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