Erbschaftsteuererklärung: A... / 2.4 Angaben zum Erwerber (Zeilen 9 bis 16)

Der begünstigte Erwerber muss das Familienheim unverzüglich zu eigenen Wohnzwecken nutzen.

 

Hinweis

Schuldhaftes Zögern

Unverzüglich bedeutet hier ohne schuldhaftes Zögern (R E 13.4 Abs. 2 Satz 4 ErbStR 2019).

Befreiungsunschädlich ist es, wenn der überlebende Ehegatte oder überlebende eingetragene Lebenspartner pflegebedürftig wird oder sogar verstirbt .

In Zeile 9 ist anzugeben, wie viel der Wohnfläche der bisherigen Wohnung des Erblassers durch den Erwerber zu eigenen Wohnzwecken genutzt wird (s. Tz. 2.2).

Zeile 10 erfordert das Datum, ab dem der Erwerber die Wohnung zu eigenen Wohnzwecken nutzt.

War es dem Erwerber aus objektiv zwingenden Gründen nicht möglich, die Wohnung selbst zu nutzen, ist dies in den Zeilen 11 bis 15 aufzuführen. Objektiv zwingender Grund ist beispielsweise die Pflegebedürftigkeit des Erwerbers, durch welche die Führung eines eigenen Haushalts nicht möglich ist.

Gesundheitliche Einschränkungen stellen erst dann zwingende objektive Gründe dar, die nicht zur Versagung der Steuerbefreiung für das Familienheim führen, wenn das selbstständige Führen eines Haushalts dem Erwerber schlechthin und nicht nur in dem konkreten sich im Nachlass befindlichen Familienheim unmöglich ist.

Entschließt sich der Erwerber, das Gebäude abzureißen und auf dem Grundstück einen Neubau errichten zu lassen, dann führt das dazu, dass die Steuerbefreiung versagt wird.

 

Hinweis

Abbruchkosten

Die Abbruchkosten sind nicht als Nachlassverbindlichkeiten gem. § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG erbschaftsteuermindernd zu berücksichtigen.

In Zeile 16 ist der von Ihnen ermittelte Grundbesitzwert einzutragen. Es ist zu beachten, dass der gesamte Grundstückswert einzutragen ist, auch wenn nur ein anteiliger Übergang auf den Erwerber erfolgt.

 

Achtung

Nachversteuerungsvorbehalt

Es ist darauf zu achten, das Familienheim für einen Zeitraum von 10 Jahren nicht steuerschädlich zu nutzen. Steuerschädlich ist es, wenn der Erwerber das Familienheim

  • vermietet,
  • innerhalb des 10-Jahreszeitraums veräußert,
  • leer stehen lässt oder an eine dritte Person unentgeltlich überlässt.

Mit dem Wegfall der Steuerbefreiung kommt es zur rückwirkenden Nachversteuerung. Der ursprüngliche Steuerbescheid wird nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO geändert.

 

Praxis-Beispiel

Nachversteuerung

Ehemann G lebt mit seiner Ehefrau H in einem Einfamilienhaus, das G gehört. G verstirbt am 1.10.2019 und hinterlässt H als Alleinerbin ein Bankguthaben i. H. v. 2.350.000 EUR und das Einfamilienhaus mit einem Steuerwert von 510.000 EUR. Die Ehegatten hatten bei Eheschließung den Güterstand der Gütertrennung gewählt. 5 Jahre nach dem Tod des G zieht H aus und vermietet das Einfamilienhaus.

Lösung

Der Erwerb des Einfamilienhauses als Familienheim durch die Ehefrau H ist zunächst steuerbefreit. Das verbleibende Vermögen unterliegt der Erbschaftsteuer, was zu folgender Berechnung führt:

 
Sonstiger Nachlass (Ansatz gemeiner Wert) 2.350.000 EUR
./. persönlicher Freibetrag (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG) ./. 500.000 EUR
./. Versorgungsfreibetrag (§ 17 Abs. 1 ErbStG) ./. 256.000 EUR
./. Beerdigungskostenpauschale (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG) ./. 10.300 EUR
Abgerundeter steuerpflichtiger Erwerb (§ 10 Abs. 1 ErbStG) 1.583.700 EUR
Erbschaftsteuer (Steuersatz 19 %) 300.903 EUR

Der Auszug aus dem Familienheim und die Vermietung führen zu einem steuerschädlichen Tatbestand. Hierdurch kommt es rückwirkend zur Nachversteuerung:

 
Sonstiger Nachlass (Ansatz gemeiner Wert) 2.350.000 EUR
Familienheim (Ansatz mit dem gemeinen Wert) + 510.000 EUR
Vermögensanfall/Bereicherung 2.860.000 EUR
./. persönlicher Freibetrag (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG) ./. 500.000 EUR
./. Versorgungsfreibetrag (§ 17 Abs. 1 ErbStG) ./. 256.000 EUR
./. Beerdigungskostenpauschale (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG) ./. 10.300 EUR
Abgerundeter steuerpflichtiger Erwerb (§ 10 Abs. 1 ErbStG) 2.093.700 EUR
Erbschaftsteuer (Steuersatz 19 %) 397.803 EUR
 

Wichtig

Meldepflicht

Fallen die Voraussetzungen für die Befreiung eines Familienheims weg, ist dies dem Finanzamt unverzüglich anzuzeigen.

Fällt die Steuerbefreiung weg, ist die auf das Familienheim entfallende Steuer in voller Höhe zu zahlen, unabhängig davon, zu welchem Zeitpunkt der Wegfall eintritt.

Der Nachversteuerungstatbestand findet auch in den Fällen Anwendung, in denen der Erwerber das Familienheim zwar weiterhin bewohnt, das Eigentum daran aber innerhalb der genannten Frist auf einen Dritten übertragen hat.

Die Übertragung kann z. B. unter Nießbrauchsbestellung zugunsten des Übertragenden erfolgen.

Auch die Finanzverwaltung vertritt die Auffassung, dass eine Weiterübertragung des Familienheims unter Nutzungsvorbehalt (Nießbrauch) als Verstoß gegen den Nachversteuerungsvorbehalt anzusehen ist.

Der Erwerb durch ein Kind ist nur insoweit steuerfrei, als das Familienheim eine Wohnfläche von 200 qm nicht übersteigt. Übersteigt die Wohnfläche dagegen die Grenze von 200 qm, unterliegt nur der übersteigende Anteil der Besteuerung. Hinsichtlich des Begriffs der Wohnfläche ist die WoFlV zugrunde zu legen. Zum Schuldenabzug s. ...

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