Reuber, Die Besteuerung der... / III. Verlustrücktrag
 

Tz. 8

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Verluste, die im jeweiligen Veranlagungszeitraum weder horizontal noch vertikal bei der Ermittlung des Gesamtbetrages der Einkünfte ausgeglichen werden konnten, können bei der Einkommensteuer bzw. bei der Körperschaftsteuer in den Veranlagungszeiträumen 2008 bis 2019 bis zu einem Betrag von 1 000 000 EUR in das Vorjahr zurückgetragen werden (= einjähriger Verlustrücktrag).

Dieser maximale Verlustrücktrag wurde durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz für Verluste der Jahre 2020 und 2021 auf 5 000 000 EUR erhöht (§ 10d Abs. 1 EStG, Anhang 10).
Ab 2022 ist ein Verlustrücktrag nur noch wieder bis max. 1 000 000 EUR möglich.

Bei der Einkommensteuer verdoppelt sich jeweils der maximale Betrag eines Verlustrücktrags im Fall der Zusammenveranlagung nach § 26b EStG, 1 Mio. EUR auf 2 Mio. EUR bzw. für die Verluste der Jahre 2020 und 2021 von 5 Mio. EUR auf 10 Mio. EUR.

 

Tz. 9

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Der Abzug erfolgt von dem Gesamtbetrag der Einkünfte des dem Verlustentstehungsjahrs unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraums.

 

Tz. 10

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Wurde für den unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum bereits ein Steuerbescheid erlassen, so ist dieser insoweit zu ändern, als darin ein Verlustrücktrag zu gewähren oder zu berichtigen ist (§ 10d Abs. 1 Satz 4 EStG, Anhang 10).

Dies gilt auch in den Fällen, wenn ein Steuerbescheid unanfechtbar geworden ist. Die Festsetzungsfrist endet insoweit nicht, bevor die Festsetzungsfrist für den Veranlagungszeitraum abgelaufen ist, in dem die negativen Einkünfte nicht ausgeglichen werden (§ 10d Abs. 1 Satz 4 EStG, Anhang 10).

 

Tz. 11

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Die Höhe des Verlustrücktags kann jedoch durch Antrag eingeschränkt bzw. ganz unterbunden werden (§ 10d Abs. 1 Satz 1 EStG; Anhang 10). In dem Antrag auf Verlustrücktrag sollte daher zur Vermeidung von Missverständnissen die Höhe des gewünschten Verlustrücktrags konkret benannt werden, wenn ein von dem tatsächlich erzieltem Verlust abweichender Verlustrücktrag gewünscht wird.

 

Beispiel:

Ein steuerbegünstigter Verein hat wegen der Corona-Krise im Veranlagungszeitraum 2020 einen Verlust aus dem nach § 64 Abs. 2 AO (Anhang 1b) zusammengefassten steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben i. H. v. ./. 60 000 EUR erzielt. In 2019 hatte er einen Gewinn von 50 000 EUR erwirtschaftet. Die Bruttoeinnahmen des Vereins übersteigen in beiden Jahren die Besteuerungsfreigrenze von 35 000 EUR (§ 64 Abs. 3 AO; Anhang 1b).

Ergebnis:

Durch das Überschreiten der Besteuerungsfreigrenzen von 35 000 EUR wird der Verein für 2019 und 2020 partiell steuerpflichtig und ist zur Körperschaftsteuer zu veranlagen. Der in 2020 erzielte Verlust des zusammengefassten steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs von 60 000 EUR kann nicht mit anderen steuerpflichtigen Einkünften ausgeglichen werden, so dass dieser Verlust nach § 10b EStG (Anhang 10) auf das Jahr 2019 zurückgetragen werden kann und mit dem in 2019 erzielten Gewinn von 50 000 EUR vollumfänglich (da der maximale Verlustrücktrag von 1 Mio. EUR nicht überschritten wird) verrechnet werden kann. Der danach verbleibende Verlust von 10 000 EUR ist in einem gesonderten Verlustfeststellungsbescheid auf den 31.12.2020 festzustellen (§§ 179ff. AO; Anhang 1b). Der festgestellte verbleibende Verlust kann dann mit den Gewinnen der Folgejahren verrechnet werden.

Der Verein hat jedoch die Möglichkeit, durch einen entsprechenden Antrag den Umfang des Verlustrücktrags ganz oder teilweise zu beschränken. So würde sich hier anbieten, den Verlustrücktrag auf den Betrag von 45 000 EUR zu beschränken, da der Verein in 2019 von dem dann verbleibenden Gewinn (5 000 EUR) noch den Freibetrag von 5 000 EUR (§ 24 KStG; § 11 GewStG) abziehen kann. In diesem Fall würde auf den 31.12.2020 ein verbleibender Verlustvortrag i. H. v. 15 000 EUR nach § 10d EStG (Anhang 10) festgestellt werden.

 

Tz. 12a

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Achtung!

Problematisch sind die Fälle, in denen wegen der Corona-Krise die (Brutto-)Einnahmen soweit zurückgehen, dass der zusammengefasste steuerpflichtige wirtschaftliche Geschäftsbetrieb in 2020 die Besteuerungsgrenze von 35 000 EUR (§ 64 Abs. 3 AO, Anhang 1b) nicht mehr überschreitet. In diesem Fall könnte ein in 2020 erzielter Verlust steuerlich nicht mehr berücksichtigt werden (d. h. kein Verlustrücktrag und auch kein Verlustvortrag möglich), da dann der steuerpflichtige wirtschaftliche Geschäftsbetrieb ebenfalls nicht mehr der Körperschaftsteuerpflicht unterliegt, sein Ergebnis (d. h. auch ein Verlust) steuerfrei gestellt wird (§ 64 Abs. 3 AO; Anhang 1b).

 

Tz. 12

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Beachte!

Ein Verlustrücktrag ist nur für die Körperschaft-, aber nicht für die Gewerbesteuer möglich. D.h. bei der Gewerbesteuer gibt es keinen Verlustrücktrag. Die Gewerbesteuer kennt nur einen Verlustvortrag (§ 10a GewStG; Anhang 7).

 

Tz. 12a

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Wegen der zur Abmilderung der Folgen der Corona-Krist getroffenen besonderen Regelun...

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