Tz. 8

Stand: EL 125 – ET: 02/2022

Verluste, die im jeweiligen Veranlagungszeitraum weder horizontal noch vertikal bei der Ermittlung des Gesamtbetrages der Einkünfte ausgeglichen werden konnten, können bei der Einkommensteuer bzw. bei der Körperschaftsteuer in den Veranlagungszeiträumen 2008 bis 2019 bis zu einem Betrag von 1 000 000 EUR in das Vorjahr zurückgetragen werden (= einjähriger Verlustrücktrag).

Dieser maximale Verlustrücktrag wurde durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz für Verluste der Jahre 2020 und 2021 zunächst auf 5 Mio. EUR bzw. im Fall der Zusammenveranlagung (§ 26b EStG, Anhang 10) auf 10 Mio. EUR erhöht (§ 10d Abs. 1 EStG, Anhang 10). Im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2020 wurde der maximale Verlustrücktrag für die Verluste der Jahre 2020 und 2021 nochmals angehoben auf nun 10 Mio. EUR bzw. 20 Mio. EUR im Fall der Zusammenveranlagung.
Ab dem VZ 2022 ist ein Verlustrücktrag nur noch wieder bis max. 1 Mio. EUR bzw. im Fall der Zusammenveranlagung bis max. 2 Mio. EUR möglich.

Bei der Körperschaftsteuer kann nach § 8 Abs. 1 KStG in Verbindung mit § 10d EStG ebenfalls ein einjähriger Verlustrücktrag mit den vorgenannten Höchstbeträgen vorgenommen werden.

 

Tz. 9

Stand: EL 125 – ET: 02/2022

Der Abzug eines Verlustes erfolgt von dem Gesamtbetrag der Einkünfte des dem Verlustentstehungsjahrs unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraums.

 

Tz. 10

Stand: EL 125 – ET: 02/2022

Wurde für den unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum bereits ein Steuerbescheid erlassen, so ist dieser insoweit zu ändern, als darin ein Verlustrücktrag zu gewähren oder zu berichtigen ist (§ 10d Abs. 1 Satz 4 EStG, Anhang 10).

Dies gilt auch in den Fällen, wenn ein Steuerbescheid unanfechtbar geworden ist. Die Festsetzungsfrist endet insoweit nicht, bevor die Festsetzungsfrist für den Veranlagungszeitraum abgelaufen ist, in dem die negativen Einkünfte nicht ausgeglichen werden (§ 10d Abs. 1 Satz 4 EStG, Anhang 10).

 

Tz. 11

Stand: EL 125 – ET: 02/2022

Die Höhe des Verlustrücktags kann jedoch durch Antrag eingeschränkt bzw. ganz unterbunden werden (§ 10d Abs. 1 Satz 1 EStG; Anhang 10). In dem Antrag auf Verlustrücktrag sollte daher zur Vermeidung von Missverständnissen die Höhe des gewünschten Verlustrücktrags konkret benannt werden, wenn ein von dem tatsächlich erzielten Verlust abweichender Verlustrücktrag gewünscht wird.

 

Beispiel:

Ein steuerbegünstigter Verein hat wegen der Corona-Krise im Veranlagungszeitraum 2020 einen Verlust aus dem nach § 64 Abs. 2 AO (Anhang 1b) zusammengefassten steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben i. H. v. ./. 60 000 EUR erzielt. In 2019 hatte er einen Gewinn von 50 000 EUR erwirtschaftet. Die Bruttoeinnahmen des Vereins übersteigen in beiden Jahren die Besteuerungsfreigrenze von 45 000 EUR bzw. 35 000 EUR im VZ 2019 (§ 64 Abs. 3 AO; Anhang 1b).

Ergebnis:

Durch das Überschreiten der Besteuerungsfreigrenzen von 45 000 EUR (VZ 2020) bzw. 35 000 EUR (VZ 2019) wird der Verein für 2019 und 2020 partiell steuerpflichtig und ist zur Körperschaftsteuer zu veranlagen. Der in 2020 erzielte Verlust des zusammengefassten steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs von 60 000 EUR kann nicht mit anderen steuerpflichtigen Einkünften ausgeglichen werden, so dass dieser Verlust nach § 10b EStG (Anhang 10) auf das Jahr 2019 zurückgetragen werden kann und mit dem in 2019 erzielten Gewinn von 50 000 EUR vollumfänglich (da der maximale Verlustrücktrag von 10 Mio. EUR nicht überschritten wird) verrechnet werden kann. Der danach verbleibende Verlust von 10 000 EUR ist in einem gesonderten Verlustfeststellungsbescheid auf den 31.12.2020 festzustellen (§§ 179ff. AO; Anhang 1b). Der festgestellte verbleibende Verlust kann dann mit den Gewinnen der Folgejahren verrechnet werden.

Der Verein hat jedoch die Möglichkeit, durch einen entsprechenden Antrag den Umfang des Verlustrücktrags ganz oder teilweise zu beschränken. So würde sich hier anbieten, den Verlustrücktrag auf den Betrag von 45 000 EUR zu beschränken, da der Verein in 2019 von dem dann verbleibenden Gewinn (5 000 EUR) noch den Freibetrag von 5 000 EUR (§ 24 KStG; § 11 GewStG) abziehen kann. In diesem Fall würde auf den 31.12.2020 ein verbleibender Verlustvortrag i. H. v. 15 000 EUR nach § 10d EStG (Anhang 10) festgestellt werden.

 

Tz. 12a

Stand: EL 125 – ET: 02/2022

Achtung!

Problematisch sind die Fälle, in denen beispielsweise wegen der Corona-Krise die (Brutto-)Einnahmen so stark absinken, dass der zusammengefasste steuerpflichtige wirtschaftliche Geschäftsbetrieb die Besteuerungsgrenze von 45 000 EUR (§ 64 Abs. 3 AO, Anhang 1b) nicht mehr überschreitet. In diesem Fall kann ein Verlust steuerlich nicht mehr berücksichtigt werden (d. h. kein Verlustrücktrag und auch kein Verlustvortrag möglich), da dann der steuerpflichtige wirtschaftliche Geschäftsbetrieb ebenfalls nicht mehr der Körperschaftsteuerpflicht unterliegt, sein Ergebnis (d. h. auch ein Verlust) also steuerfrei gestellt wird (§ 64 Abs. 3 AO; Anhang 1b).

 

Tz. 12

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