Reuber, Die Besteuerung der... / 2.8 Mehrere Minijobs sowie Midijobs
 

Tz. 29

Stand: EL 115 – ET: 03/2020

Werden mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen nebeneinander bzw. bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt, sind für die Beurteilung der Frage, ob eine geringfügig entlohnte Beschäftigung aus versicherungsrechtlicher Sicht gegeben ist, die Arbeitsentgelte aus den einzelnen Beschäftigungen zusammenzurechnen.

Beträgt das Arbeitsentgelt bei der Zusammenrechnung weniger als 450 EUR, können die Renten-, Krankenversicherungs- und die Lohnsteuerabzugsbeträge pauschaliert werden. Stellt sich heraus, dass das Arbeitsentgelt nach erfolgter Zusammenberechnung mehr als 450 EUR beträgt, besteht ab diesem Zeitpunkt für diese Beschäftigungen Sozialversicherungspflicht.

Eine Zusammenrechnung entfällt, wenn eine geringfügig entlohnte Beschäftigung mit einer kurzfristigen Beschäftigung zusammentrifft. Derartige Beschäftigungen können folglich nebeneinander ausgeübt werden.

 

Tz. 30

Stand: EL 115 – ET: 03/2020

Um die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sowie den Wechsel aus Minijobs in Vollzeitbeschäftigungen zu fördern, wurde eine Gleitzone mit progressiv ansteigenden Sozialversicherungsbeiträgen, sog. Midijobs, eingeführt. Geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer sollen nicht plötzlich mit hohen Sozialabgaben belastet werden, wenn das Arbeitsentgelt die Minijob-Grenze übersteigt. Ein Midijob (Gleitzonenfall) ist seit dem 01.07.2019 ein Beschäftigungsverhältnis, bei dem das Arbeitsentgelt über 450 EUR und höchstens 1300 EUR im Monat liegt und 1300 EUR im Monat regelmäßig nicht überschreitet (vor dem 01.07.2019: Grenze 850 EUR). Arbeitsrechtlich unterscheiden sich Midijobber grundsätzlich nicht von Vollzeitbeschäftigten – sie haben Anspruch auf Urlaubstage, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und den gesetzlichen Mindestlohn. Bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen ist das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt maßgebend. Innerhalb dieser Gleitzone ist der Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Sozialversicherung vom Bruttoarbeitsentgelt abhängig, während der Arbeitgeberanteil konstant bleibt. Der Arbeitnehmeranteil ist gestaffelt und steigt mit dem Verdienst. Bei 1300 EUR (vor dem 01.07.2019: 850 EUR) erreicht er die volle Beitragshöhe.

Anders als Minijobs sind Midijobs nicht steuervergünstigt. Bei Ehepaaren mit einem Ehepartner im Midijob wird das Gesamteinkommen zur Steuerberechnung herangezogen. Hierdurch kann bei einem gut verdienenden Ehepartner der Midijob steuerlich (wirtschaftlich) unattraktiv sein.

Sozialversicherungsrechtlich gilt:

  • Beträgt der monatliche Arbeitslohn mehr als 450 EUR, aber unter 1300 EUR monatlich (sog. Gleitzone), sind ermäßigte Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung zu entrichten. Der Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung steigt mit der Höhe des monatlichen Entgelts zwischen 450 EUR bis 1300 EUR nach einer spezifischen Formel an. Der Arbeitgeber muss demgegenüber den vollen Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung für das gesamte Arbeitsentgelt entrichten. Der Arbeitnehmer hat nur einen geringeren Beitragsanteil zu entrichten.
  • Beträgt der Arbeitslohn mehr als 1 300 EUR (vor dem 01.07.2019: 850 EUR), gelten die allgemeinen Regeln für die Beitragszahlung zur Sozialversicherung, vgl. zur Neuregelung ab dem 01.07.2019 Rz. 31a.

Hinweise:

  • Für versicherungsfreie Beschäftigungen (z. B. im Rahmen von kurzfristigen Beschäftigungen) gilt die Gleitzonenregelung nicht. Beträgt das Arbeitsentgelt mehr als 450 EUR, aber weniger als 1300 EUR und liegen mehrere Beschäftigungsverhältnisse vor, werden diese zusammengerechnet. Arbeitsentgelte aus versicherungsfreien Beschäftigungen (z. B. kurzfristige entlohnte Beschäftigungen) werden bei der Zusammenrechnung nicht berücksichtigt.
  • Die Gleitzonenregelung findet keine Anwendung z. B. bei

    • Personen, die eine Berufsausbildung absolvieren,
    • Praktikanten,
    • Beschäftigungen mit einem fiktiven Arbeitsentgelt (z. B. Beschäftigung von behinderten Personen),
    • vermindertem Arbeitsentgelt, das wegen Altersteilzeit gezahlt wird,
    • Teilarbeitsentgelten (z. B. Kurzarbeit),

wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt mehr als 1300 EUR beträgt.

  • Midijobber erwerben seit dem 01.07.2019 die gleichen Rentenansprüche, als hätten sie den vollen Arbeitnehmeranteil in die Rentenversicherung einbezahlt. Die Entgeltpunkte werden seitdem nicht mehr aus dem fiktiven reduzierten beitragspflichtigen Entgelt, sondern aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt ermittelt.
 

Tz. 31

Stand: EL 115 – ET: 03/2020

Für Beschäftigungen seit 2015 bis einschließlich 30.06.2019 galt folgende Gleitzonenformel:

beitragspflichtige Einnahme = 1,275569 × Arbeitsentgelt ./. 234,57 EUR.

 

Tz. 31a

Stand: EL 115 – ET: 03/2020

Aufgrund des am 04.12.2018 im Bundesgesetzblatt verkündeten RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetzes wurde zum 01.07.2019 die bisherige "Gleitzone" zu einem "Übergangsbereich" für Arbeitsentgelte von 450,01 EUR bis 1300 EUR (bisher 850 EUR) umgestaltet. Dabei wird die Formel zur Berechnung der Beiträge angepasst und gilt dann auch für Einkommen bis 1 300 EUR, vgl. im Einzelnen ...

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