Reuber, Die Besteuerung der... / 15. Beispielsfälle
 

Tz. 95

Stand: EL 115 – ET: 03/2020

 

Beispiel 1:

Der Verein "Rote Teufel" beschäftigt Frau Schnell als Hausmeisterin. Sie erhält monatlich 390 EUR. Der Lohn beträgt pro Stunde 10,00 EUR. Frau Schnell übt keine andere Berufstätigkeit aus. Bei ihrem Ehemann ist sie in der gesetzlichen Krankenversicherung (Techniker Krankenkasse) mitversichert. Eine Option zur freiwilligen Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen hat Frau Schnell gegenüber dem Verein nicht abgegeben.

Ergebnis 1:

Das Beschäftigungsverhältnis von Frau Schnell erfüllt die Voraussetzungen für eine geringfügige Beschäftigung, sofern sie nicht noch andere geringfügige Beschäftigungen bei anderen Arbeitgebern ausübt. Der Verein muss Frau Schnell zur Sozialversicherung anmelden und ggf. monatlich 2020 folgende Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See abführen:

 
Krankenversicherung 13 % von 390 EUR 50,70 EUR
Rentenversicherung 15 % von 390 EUR 58,50 EUR
pauschale Lohnsteuerabzugsbeträge 2 % von 390 EUR 7,80 EUR
Umlage U1 = 2,00 % (Standard, 70 % Erstattung) 7,80 EUR
Umlage U2 = 0,47 % 1,83 EUR
Umlage U3 zur Insolvenzgeldversicherung = 0,06 %   0,23 EUR
Summe 126,55 EUR

Der Verein muss an Frau Schnell 390 EUR auszahlen. Zusätzlich wird der Verein mit Pauschalbeiträgen i. H. v. insgesamt 126,86 EUR belastet.

Die Umlage U3 (Insolvenzgeldumlage) beträgt 0,06 % seit 2018, s. Tz. 89.

 

Beispiel 2:

Ein Verband beschäftigt eine Reinigungskraft, die bei ihrem Ehemann in der Familienversicherung (hier: Techniker Krankenkasse) krankenversichert ist. Die Putzfrau erhält für ihre Tätigkeit monatlich 237,50 EUR (Lohn für 25 Stunden pro Stunde 9,50 EUR = 237,50 EUR) und hat eine schriftliche Option zur Zahlung von freiwilligen Rentenversicherungsbeiträgen gegenüber dem Verein abgegeben, weil sie ihre Altersversorgung aufbessern möchte.

Ergebnis 2:

Die Putzfrau erfüllt die Voraussetzungen für ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis. Es wird unterstellt, dass sie keine weiteren Nebenbeschäftigungen ausübt, die zu einer Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenze von 450 EUR (bis zum 31.12.2012: 400 EUR) führen. Der Verband muss die Putzfrau bei der Minijob-Zentrale anmelden und 2020 folgende Beiträge abführen:

 
Krankenversicherung 13 % von 237,50 EUR 30,88 EUR
Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung 15 % von 237,50 EUR 35,62 EUR
Pauschale Lohnsteuerabzugsbeträge 2 % von 237,50 EUR 4,75 EUR
Arbeitnehmeranteil zur Rentenversicherung, weil die Putzfrau optiert hat, 3,6 % von 237,50 EUR 8,55 EUR
Umlage U1 = 2,00 % (Standard, 70 % Erstattung) 4,75 EUR
Umlage U2 = 0,47 % 1,12 EUR
Umlage U3 zur Insolvenzgeldversicherung = 0,06 % 0,14 EUR
Summe 6,01 EUR

Die Putzfrau erhält vom Verband 237,50 EUR ./. 6,01 EUR (Abzug ihres Arbeitnehmer-Eigenanteils i. H. v. 3,6 % zur Rentenversicherung) = EUR ausgezahlt. Der Verband wird mit Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuerabzugsbeträgen bzw. sonstigen Abgaben i. H. v. 81,12 EUR ./. 6,01 EUR = 75,11 EUR belastet.

 

Beispiel 3:

Ein Trainer arbeitet gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von 450 EUR. Außerdem erhält er jeweils im Dezember ein ihm vertraglich zugesichertes Weihnachtsgeld i. H. v. 200 EUR.

Ergebnis 3:

Das für die versicherungsrechtliche Beurteilung maßgebende Arbeitsentgelt ist wie folgt zu ermitteln:

 
Arbeitsentgelt von Jan. bis Dez. 5 400 EUR
Weihnachtsgeld (Zahlung im Monat Dez.)     200 EUR
Summe  5 600 EUR

Ein Zwölftel dieses Betrages beläuft sich auf (5 600 EUR : 12 Monate) = 466,66 EUR und übersteigt die Arbeitsentgeltgrenze für Minijobs von 450 e (bis zum 31.12.2012: 400 EUR). Der Trainer ist versicherungspflichtig. In der Gleitzone, in der sich das Arbeitsentgelt befindet, steigt der Arbeitnehmeranteil nach einer bestimmten Formel langsam an. Hierzu auch s. Tz. 19, 23.

 

Beispiel 4:

Ein Trainer arbeitet gegen ein monatliches Entgelt von 450 EUR. Er soll diese Tätigkeit zusätzlich zu seinem Dienstverhältnis ausüben.

Ergebnis 4:

Das Arbeitsentgelt aus der Trainertätigkeit unterliegt nicht der Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung, weil eine geringfügige Beschäftigung, die neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ausgeübt wird, nicht mit dieser zusammenzurechnen ist. Seit 2013 besteht zwingend Rentenversicherungspflicht. (s. Tz. 20c).

 

Beispiel 5:

Der Trainer wie im Beispiel 4 (keine Änderung des monatlichen Entgelts) soll im Hauptberuf in einem Beamtenverhältnis beschäftigt sein. Er ist privat krankenversichert, war zuvor aber Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse (hier: Techniker Krankenkasse).

Ergebnis 5:

Die Geringfügigkeitsgrenze von 450 EUR (bis zum 31.12.2012: 400 EUR) monatlich wird beim Arbeitsentgelt nicht überschritten. Das Arbeitsentgelt unterliegt mit einem Pauschalbeitrag von 15 % der Rentenversicherung. Der Eigenanteil in Höhe von 3,6 % entfällt auf Antrag, damit allerdings auch der vollumfängliche Schutz der gesetzlichen Rentenversicherung. Es sind durch den Arbeitgeber 2 % pauschale Lohnsteuerabzugsbeträge abzuführen. Beiträge zur Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicher...

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