Reuber, Die Besteuerung der... / 2.2 Sachzuwendung/-spende ist steuerverstrickt
 

Tz. 6

Stand: EL 102 – ET: 04/2017

Bei der Bewertung von Sachzuwendungen/-spenden aus dem Privatvermögen, bei denen bei einer gedachten Veräußerung ein Besteuerungstatbestand (Steuerverstrickung) erfüllt würde, ist grundsätzlich ebenfalls der gemeine Wert anzusetzen. Dieser Wertansatz wird jedoch gedeckelt auf max. die fortgeführten Anschaffung-/Herstellungskosten des Wirtschaftsguts, soweit nicht vorab bereits eine Gewinnrealisierung stattgefunden hat (s. § 10b Abs. 3 Satz 4 EStG, Anhang 10).

Ein Wirtschaftsgut des Privatvermögens löst bei einer Veräußerung einen Besteuerungstatbestand aus, wenn es sich um

Mit der Regelung soll verhindert werden, dass die Wertzuwächse bei Wirtschaftsgütern des Privatvermögens, nicht besteuert werden, aber die nicht realisierten und damit nicht besteuerten Gewinne (bei Ansatz des gemeinen Werts) gleichwohl als Zuwendung nach § 10b Abs. 3 (Anhang 10) EStG abgezogen werden können.

 

Beispiel:

F hält seit Jahren eine 14 %ige Beteiligung an der steuerpflichtigen Y-AG. Die Beteiligung hat er für 100 000 EUR erworben. In 2015 spendet er diese Beteiligung dem steuerbegünstigten Gesundheit e. V. zur Förderung der Gesundheitshilfe. Im Zeitpunkt der Zuwendung hat die Beteiligung einen gemeinen Wert von 300 000 EUR.

Nach § 10b Abs. 3 Satz 3 EStG ist die Zuwendung grundsätzlich mit ihrem gemeinen Wert von 300 000 EUR anzusetzen. Da F aber, bei einer gedachten Veräußerung der Beteiligung, den daraus erzielten Gewinn nach § 17 EStG hätte besteuern müssen, wird der Ansatz des gemeinen Wert nach § 10b Abs. 3 Satz 4 EStG auf die Anschaffungskosten des Wirtschaftsguts i. H. v. 100 000 EUR gedeckelt.

Der Gesundheit e. V. darf in der Zuwendungsbestätigung nur 100 000 EUR als Wert der Sachzuwendung ausweisen.

Abwandlung

Im Zeitpunkt der Zuwendung hatte die Beteiligung nur einen gemeinen Wert von 40 000 EUR.

In diesem Fall ist die Sachspende mit dem gemeinem Wert von 40 000 EUR steuerlich zu berücksichtigen. Der Wertverlust von 60 000 EUR ist ein steuerlich nicht zu berücksichtigender Verlust auf der privaten Vermögensebene. So begrenzt § 10b Abs. 3 Satz 4 EStG den Wertansatz nur nach oben auf die fortgeführten Anschaffungs-/Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts. Liegt jedoch der gemeine Wert darunter, ist der gemeine Wert anzusetzen.

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