Reuber, Die Besteuerung der... / 2.1 Sachzuwendung/-spende ist nicht steuerverstrickt
 

Tz. 5

Stand: EL 102 – ET: 04/2017

Die Bewertung von Sachzuwendungen/-spenden, die aus dem Privatvermögen abfließen, erfolgt mit dem gemeinen Wert des zugewendeten Wirtschaftsguts, wenn dessen Veräußerung im Zeitpunkt der Zuwendung keinen Besteuerungstatbestand (keine Steuerverstrickung) erfüllen würde (s. § 10b Abs. 3 Satz 3 EStG, Anhang 10; § 9 Abs. 2 BewG).

Der gemeine Wert wird durch den Preis bestimmt, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsguts bei einer Veräußerung zu erzielen ist. Dabei sind alle Umstände, die den Preis beeinflussen, einzubeziehen. Ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse sind nicht zu berücksichtigen (§ 9 Abs. 2 BewG). Regelmäßig entspricht der gemeine Wert dem Verkehrswert einschließlich der Umsatzsteuer.

Bei der Zuwendung von neu angeschafften Wirtschaftsgütern entspricht der kurz zuvor bezahlte Kaufpreis entsprechend der Einkaufsrechnung des Zuwenders/Spenders dem gemeinem Wert (BMF vom 07.11.2013, BStBl I 2013, 1333).

 

Beispiel:

A spendet dem steuerbegünstigtem Tierheim e. V. 20 Säcke Tierfutter, die er kurz zuvor im Futtermittelhandel erworben hat.

Die Sachspende "Tierfutter" kann in Höhe des von A bezahlten Einkaufspreises durch den Tierheim e. V. bestätigt und von A im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung steuerlich geltend gemacht werden.

Bei gebrauchten Wirtschaftsgütern lässt sich der gemeine Wert am zuverlässigsten anhand von Verkaufspreisen anderer gleicher oder vergleichbarer Wirtschaftsgüter ermitteln. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass Verkaufsfälle in ausreichender Zahl stattgefunden haben und die maßgebenden Wertfaktoren der zu vergleichenden Wirtschaftsgüter im Wesentlichen übereinstimmen. Ist es nicht möglich, den gemeinen Wert aus Verkäufen abzuleiten, so muss er geschätzt werden. Allein die Tatsache, dass Wirtschaftsgüter, weil sie nicht verbraucht sind, noch einen Nutzungswert haben können, verschafft ihnen noch keinen Marktwert im Sinne eines gemeinen Werts (BFH vom 23.05.1989, BStBl II 1989, 879).

An den Nachweis des Wertes von Sachspenden sind strenge Anforderungen zu stellen (BFH vom 22.10.1970, BStBl II 1972, 55).

In Zweifelsfällen verlangt die Finanzverwaltung einen entsprechenden Nachweis über die Höhe der in der Zuwendungs-/Spendenbestätigung bescheinigten Werte (§ 50 Abs. 4 Satz 2 EStDV, Anhang 11).

Werden mehrere Gegenstände zugewendet, muss der Aussteller der Zuwendungsbestätigung die Gegenstände einzeln auf ihren Wert untersuchen (Grundsatz der Einzelbewertung). Zu diesem Zweck ist der Marktwert jedes einzelnen Gegenstandes zu ermitteln (BFH vom 23.05.1989, BStBl II 1989, 879) und in der Zuwendungsbestätigung auszuweisen, sofern jedes einzelne Wirtschaftsgut einen Wert beinhaltet und es sich nicht um Massenware handelt. Nicht zulässig ist eine unabhängig vom Alter und Neuwert durchgeführte Gruppenbewertung (Pauschalbewertung) der zugewendeten Gegenstände; eine Bewertung anhand von Preisgruppen reicht nicht (OFD Frankfurt vom 06.11.2003, DStR 2004, 180).

 

Hinweis

Zur Wertermittlung der Sachzuwendung/Sachspende können herangezogen werden:

  • aktuelle Rechnung bei Neuwaren,
  • Gutachten über den gemeinen Wert der zugewendeten Sache im Zeitpunkt der Zuwendung,
  • Nachweise über erzielbare Preise vergleichbarer Sachen (z. B. eBay-Versteigerungserlöse etc.),
  • der sich aus der Rechnung ergebende historische Kaufpreis unter Berücksichtigung der AfA.

Die Unterlagen über die Wertermittlung hat der Zuwendungsempfänger zusammen mit der Zuwendungs-/Spendenbestätigung als Nachweis in seine Buchführung aufzunehmen.

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