Reuber, Die Besteuerung der... / I. Allgemeines

1. Neuregelung ab 2014

 

Rz. 1

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Das steuerliche Reisekostenrecht wurde mit Wirkung vom 01.01.2014 umgestaltet, teilweise mit gravierenden Auswirkungen. Hierzu ausführlich s. "Reisekosten seit 2014".

2. Grundsätzliches zu Reisekosten bis 2013

 

Rz. 2

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Reisekosten konnten auch vor 2014 entweder als Betriebsausgaben (s. § 4 EStG, Anhang 10) oder Werbungskosten (s. § 9 EStG, Anhang 10) zum Abzug gelangen und bei einer beruflichen Auswärtstätigkeit anfallen. Die Unterscheidung in

  • Dienstreisen,
  • Fahrtätigkeit und
  • Einsatzwechseltätigkeit

ab dem Veranlagungszeitraum 2008 wurde aufgegeben.

Ersetzen steuerbegünstigten Zwecken dienende Körperschaften ihren Arbeitnehmern Reisekosten, kann im Rahmen des § 3 Nr. 16 EStG (Anhang 10) insoweit ein steuerfreier Ersatz erfolgen. Erstattet der Arbeitgeber (hier: die steuerbegünstigten Zwecken dienende Körperschaft) den bei ihnen beschäftigten Arbeitnehmern höhere Beträge als die zulässigen Pauschalen, sind die übersteigenden Beträge als steuerpflichtiger Arbeitslohn zu behandeln.

 

Rz. 3

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Auf die Pauschalierungsmöglichkeiten der Lohnsteuer in derartigen Fällen (s. § 40 Abs. 2 EStG, Anhang 10) wird hingewiesen. Ggf. kann auch eine Versteuerung im Rahmen eines "Mini-Jobs" (s. "Aushilfskräfte") vorgenommen werden.

3. Abzug als Betriebsausgaben

3.1 Abzugsfähigkeit

 

Rz. 4

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Betriebsausgaben i. S. v. § 4 Abs. 4 EStG (Anhang 10) sind dem Grunde nach alle Reisekosten, die durch eine Geschäftsreise (vorübergehende Auswärtstätigkeit) unmittelbar verursacht werden.

3.2 Umfang der Reisekosten

 

Rz. 5

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Zu den Reisekosten gehören

  • Fahrtkosten,
  • Mehraufwendungen für Verpflegung,
  • Übernachtungskosten,
  • Reisenebenkosten (z. B. Telefon-, Portokosten, Telefax, Schriftverkehr betrieblichen Inhalts, Parkgebühren, Garagenmiete, Parkplatz- und Straßenbenutzungsgebühren), die durch eine so gut wie ausschließlich betriebliche Tätigkeit außerhalb der Wohnung und dem Mittelpunkt seiner dauerhaft angelegten betrieblichen Tätigkeit veranlasst sind.

Entsprechende Aufzeichnungspflichten für Anlass und Art der beruflichen Tätigkeit, Reisedauer und Reiseweg sowie Nachweise durch geeignete Unterlagen (z. B. Fahrtenbuch, Tankquittungen, Hotelrechnungen, Schriftverkehr usw.) sind erforderlich. Eine besondere Aufzeichnungspflicht für Reisekosten besteht aber nicht – Umkehrschluss aus § 4 Abs. 7 EStG (Anhang 10).

Bezüglich des Begriffs der Reisekosten sind R 9.4–9.11 LStR sinngemäß anzuwenden.

 

Rz. 6

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Mittelbar mit der Geschäftsreise (der betrieblich veranlassten Auswärtstätigkeit) im Zusammenhang stehende Kosten (z. B. Kosten für die Anschaffung von Bekleidung etc.) gehören nicht zu den Reisekosten und stellen keine abzugsfähigen Betriebsausgaben dar.

Zum Begriff der Betriebsausgaben s. "Betriebsausgaben".

4. Abzug als Werbungskosten

4.1 Abzugsfähigkeit

 

Rz. 7

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Reisekosten, die von einem Arbeitnehmer, der bei einer steuerbegünstigten Körperschaft in einem Dienstverhältnis beschäftigt ist, durch eine Dienstreise (einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit) verursacht werden, sind, soweit sie vom Arbeitgeber (steuerbegünstigte Körperschaft) nicht oder nur teilweise ersetzt werden, bei diesem unter Beachtung der gesetzlichen Vorschrift des § 9 EStG (Anhang 10) abzugsfähige Werbungskosten.

Erledigt der Arbeitnehmer im Zusammenhang mit der beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit auch in einem mehr als geringfügigen Umfang private Angelegenheiten, sind die beruflich veranlassten von den privat veranlassten Aufwendungen zu trennen. Ist das nicht – auch nicht durch Schätzung – möglich, gehören die gesamten Aufwendungen zu den nach § 12 EStG (Anhang 10) nicht abziehbaren Aufwendungen für die Lebensführung (s. R 9.4 Abs. 1 LStR).

Die berufliche Veranlassung der Auswärtstätigkeit, die Reisedauer und den Reiseweg hat der Arbeitnehmer aufzuzeichnen und anhand geeigneter Unterlagen, z. B. Fahrtenbuch (s. R 8.1 Abs. 9 Nr. 2 Satz 3 LStR), Tankquittungen, Hotelrechnungen, Schriftverkehr, nachzuweisen oder glaubhaft zu machen (s. R 9.4 Abs. 1 Satz 6 LStR).

4.2 Umfang der Reisekosten

 

Rz. 8

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Zu den Reisekosten des Arbeitnehmers gehören

  • Fahrtkosten (R 9.5 LStR),
  • Mehraufwendungen für Verpflegung (R 9.6 LStR),
  • Übernachtungskosten (R 9.7 LStR),
  • Reisenebenkosten (R 9.8 LStR), z. B. Kosten für die Beförderung und die Aufbewahrung des Gepäcks, Telefon- und Portokosten, Garagenmiete, Parkgebühren, Straßenbenutzungsgebühren, Fahrt-/Taxikosten, die dem Arbeitnehmer am Reiseziel entstehen.
 

Rz. 9

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Eine steuerfreie Erstattung durch den Arbeitgeber ist möglich, soweit die dem Arbeitnehmer tatsächlich entstandenen Kosten abgegolten werden.

S. hierzu § 3 Nr. 13, 16 EStG (Anhang 10) und s. R 3.13, 3.16 LStR.

 

Rz. 10

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Kosten, die durch eine Dienstreise nur mittelbar verursacht werden, z. B. Kosten für Bekleidung oder einen Reisekoffer bzw. andere Reiseausrüstungen, gehören nicht zu den Reisekosten und sind folglich auch keine Werbungskosten i. S. v. § 9 EStG (s. § 9 EStG, Anhang 10), die zum steuerlichen Abzug führen können.

Zu den Reis...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Reuber, Die Besteuerung der Vereine. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Reuber, Die Besteuerung der Vereine 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge