Reuber, Die Besteuerung der... / 2.3 Regelmäßige Arbeitsstätte
 

Rz. 21

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Der BFH hat in seinen Urteilen zur regelmäßigen Arbeitsstätte bei mehreren Tätigkeitsstätten vom 09.06.2011

entschieden, dass ein Arbeitnehmer nicht mehr als eine regelmäßige Arbeitsstätte je Arbeitsverhältnis innehaben kann (Rechtsprechungsänderung).

In Fällen, in denen bisher mehrere regelmäßige Arbeitsstätten angenommen wurden,

  • ist die Entfernungspauschale nunmehr nur für Fahrten zwischen Wohnung und einer regelmäßigen Arbeitsstätte anzusetzen;
  • für die übrigen Fahrten können Werbungskosten nach den Grundsätzen einer Auswärtstätigkeit geltend gemacht werden.
 

Rz. 22

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Die Finanzverwaltung ordnet im BMF-Schreiben vom 15.12.2011, BStBl I 2012, 57 an, dass die Grundsätze dieser Urteile in allen offenen Fällen allgemein anzuwenden sind.

Im Hinblick auf die Entscheidungen des Bundesfinanzhofs ist bei der Bestimmung der regelmäßigen Arbeitsstätte Folgendes zu beachten:

In der Regel ist von einer regelmäßigen Arbeitsstätte auszugehen, wenn der Arbeitnehmer auf Grund der dienstrechtlichen/arbeitsvertraglichen Festlegungen

  • einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers dauerhaft zugeordnet ist oder
  • in einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers

    • arbeitstäglich,
    • je Arbeitswoche einen vollen Arbeitstag oder
    • mindestens 20 % seiner vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit

    tätig werden soll (Prognoseentscheidung).

 

Rz. 23

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Wird im Einzelfall hiervon abweichend geltend gemacht, dass entsprechend den Grundsätzen der oben genannten Entscheidungen des BFH

  • eine andere betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers eine regelmäßige Arbeitsstätte ist oder
  • keine regelmäßige Arbeitsstätte vorliegt,

ist dies anhand des inhaltlichen (qualitativen) Schwerpunktes der beruflichen Tätigkeit nachzuweisen oder glaubhaft zu machen.

 

Rz. 24

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Bei einer vorübergehenden Auswärtstätigkeit (z. B. befristete Abordnung) an einer anderen betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers wird diese nicht zur regelmäßigen Arbeitsstätte (s. R 9.4 Abs. 3 Satz 4 LStR).

 

Rz. 25

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Betriebliche Einrichtungen von Kunden des Arbeitgebers sind unabhängig von der Dauer der dortigen Tätigkeit keine regelmäßigen Arbeitsstätten seiner Arbeitnehmer, wenn die Arbeitnehmer im Rahmen des Dienstverhältnisses zu ihrem Arbeitgeber mit wechselnden Tätigkeitsstätten rechnen müssen (s. R 9.4 Abs. 3 Satz 5 LStR). Zur Rechtslage ab 2014 s. "Reisekosten seit 2014" Tz. 15, 17.

 

Rz. 26

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Als regelmäßige Arbeitsstätte kommen auch außerbetriebliche Einrichtungen in Betracht, z. B. wenn

  • das Dienstverhältnis an einen anderen Arbeitgeber ausgelagert wird und der Arbeitnehmer weiterhin an seiner bisherigen regelmäßigen Arbeitsstätte tätig ist (Outsourcing; s. BFH vom 09.02.2012, BStBl II 2012, 827) oder
  • der Leiharbeitnehmer vom Verleiher für die gesamte Dauer seines Dienstverhältnisses dem Entleiher überlassen wird (s. BMF vom 21.12.2009, BStBl I 2010, 21).
 

Rz. 27

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Beachte:

Zentraler Punkt der zum 01.01.2014 in Kraft getretenen Neuregelungen im Reisekostenrecht ist die gesetzliche Definition der ersten Tätigkeitsstätte, die künftig an die Stelle der regelmäßigen Arbeitsstätte tritt. Hierzu s. "Reisekosten seit 2014" Tz. 15 ff.

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