Reuber, Die Besteuerung der... / 1.2 Abzug als Werbungskosten
 

Rz. 33

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Sind die Reisekosten beim Arbeitnehmer der steuerbegünstigten Körperschaft als Werbungskosten anzuerkennen, so können die Fahrtkosten in der nachgewiesenen Höhe geltend gemacht werden. Ist der Nachweis durch Vorlage der Fahrkarte oder anderer Quittungen nicht möglich, so muss die Dienstreise durch geeignete Unterlagen (Hotelrechnungen, Tankstellenquittungen, Fahrtenbuch, Korrespondenz u. Ä.) glaubhaft nachgewiesen werden.

Die Wahl des Verkehrsmittels ist dem Arbeitnehmer überlassen. Es ist gleichgültig, ob und in welcher Höhe sich bei einem anderen Verkehrsmittel geringere Fahrtkosten ergeben würden.

Hat der Arbeitnehmer der steuerbegünstigten Körperschaft ein eigenes Kraftfahrzeug benutzt, so bestehen die nachfolgenden Möglichkeiten des Abzugs:

 

Rz. 34

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

  • Es werden die tatsächlichen Kraftfahrzeugkosten geltend gemacht

    In diesem Fall müssen die Aufwendungen (z. B. Kosten für Treibstoff- und Ölverbrauch sowie die anteiligen festen Kosten wie Abschreibung, Steuer und Versicherung) im Einzelnen nachgewiesen werden. Für die AfA ist bei Personenkraftwagen und Kombifahrzeugen grundsätzlich eine Nutzungsdauer von sechs Jahren – s. BMF vom 15.12.2000, BStBl I 2000, 1532 – zugrunde zu legen. Eine kürzere Nutzungsdauer kann bei einer höheren Fahrleistung oder bei Altfahrzeugen anerkannt werden.

    Bei Kraftfahrzeugen, die im Zeitpunkt der Anschaffung nicht neu gewesen sind, ist die entsprechende Restnutzungsdauer unter Berücksichtigung des Alters, der Beschaffenheit und des voraussichtlichen Einsatzes des Fahrzeuges zu schätzen (s. BMF vom 28.05.1993, BStBl I 1993, 483).

    Eine längere Nutzungsdauer kann ebenfalls in Betracht kommen, wenn dies der Arbeitnehmer beantragt (s. BFH vom 26.07.1991, BStBl II 1992, 1000).

    Im BFH-Urteil vom 24.11.1994, BStBl II 1995, 318 hat der BFH ausgeführt, dass als Nutzungsdauer bei einem Pkw mit einer Jahresfahrleistung von bis zu 15 000 km regelmäßig ein Zeitraum von acht Jahren zugrunde zu legen sei.

    Eine Berufung auf die Kilometersätze der ADAC-Tabellen lässt die Rechtsprechung des BFH nicht zu (s. BFH vom 27.06.1980, BStBl II 1980, 651).

 

Rz. 35

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

  • Die Aufwendungen werden in Form eines Kilometersatzes nach Gesamtkosten geltend gemacht

    In diesem Fall müssen dem Kilometersatz die Aufwendungen zugrunde gelegt werden, die sich bei dem Arbeitnehmer für jeden gefahrenen Kilometer im Durchschnitt tatsächlich ergeben. Allgemeine Durchschnittsberechnungen, die sich nur nach bestimmten Fahrzeugtypen und Kilometerleistungen, nicht aber an den individuellen Verhältnissen eines Arbeitnehmers orientieren, können nicht zugrunde gelegt werden (s. BFH vom 17.12.1976, BStBl II 1977, 295).

    Die Gesamtkosten sind zunächst auf der Basis von zwölf Monaten zu ermitteln, und danach ist der Kilometersatz festzulegen. Der so ermittelte Kilometersatz kann dann auch in den Folgejahren angewendet werden, und zwar so lange, wie sich die Verhältnisse nicht wesentlich ändern. Zusätzlich sind die während einer Dienstfahrt tatsächlich angefallenen Park- und Straßenbenutzungsgebühren abziehbar.

    Der Arbeitgeber kann seinem Arbeitnehmer diese Kilometersätze auch steuerfrei ersetzen, und zwar so lange, wie sich die Verhältnisse nicht wesentlich ändern. § 3 Nr. 16 (Anhang 10) und § 3c EStG (Anhang 10) sind aber zu beachten.

 

Rz. 36

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

  • Kfz-Kosten mit Kilometersätzen (Pauschalen)

    Ohne jeglichen Einzelnachweis der angefallenen Kosten darf der Arbeitnehmer für sein eigenes Fahrzeug, das er für Dienstreisen zur Verfügung stellt, die in Rz. 32 benannten Pauschsätze zum Ansatz bringen (R 9.5 Abs. 1 LStR, H 9.5 LStH "Pauschale Kilometersätze"):Durch Anwendung der Kilometersätze sind sämtliche weiteren mit dem Betrieb des Fahrzeugs verbundenen Aufwendungen abgegolten. Außergewöhnliche Kosten, z. B. Unfallkosten, können jedoch neben dem Kilometersatz berücksichtigt werden (s. BFH vom 17.10.1973, BStBl II 1974, 186 und s. BFH vom 10.03.1978, BStBl II 1978, 381).

 

Rz. 37

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Soweit behinderte Arbeitnehmer nach § 9 Abs. 2 Satz 2 EStG (Anhang 10) ihre tatsächlichen Aufwendungen für die Benutzung eines eigenen Kraftfahrzeugs für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte oder zu Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten geltend machen können, können die Fahrtkosten mit diesen tatsächlichen Aufwendungen angesetzt werden. Die Voraussetzungen der Behinderung sind aber nachzuweisen.

 

Rz. 38

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Bei doppelter Haushaltsführung sind für alle Arbeitnehmer als notwendige Fahrtkosten die tatsächlichen Aufwendungen für die Fahrten anlässlich der Wohnungswechsel zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung anzuerkennen (s. R 9.11 Abs. 6 Nr. 1 LStR). Ausführlich hierzu s. "Doppelte Haushaltsführung".

 

Rz. 39

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Erstattung durch den Arbeitgeber:

  • Der Arbeitnehmer muss dem Arbeitgeber bei Einzelnachweis die Unterlagen über die Berechnung de...

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