Reuber, Die Besteuerung der... / 1. Nachweis durch die Vermögensaufstellung
 

Rz. 10

Stand: EL 103 – ET: 06/2017

Die Erstellung einer besonderen Nebenrechnung (Mittelverwendungsrechnung) ist für die meisten kleineren steuerbegünstigten Vereine jedoch nicht erforderlich.

Bei diesen reicht regelmäßig ein Blick auf die Einnahme-Überschussrechnungen bzw. die Vermögensaufstellungen zum 31.12. des jeweiligen Kalenderjahrs aus, um daraus ablesen zu können, ob Mittel in unzulässiger Höhe thesauriert worden sind.

 
Praxis-Beispiel

Der gemeinnützige Umweltschutzverein Grüne Aue e. V. erstellt für die Jahre 2015 und 2016 folgende Einnahme-Überschussrechnungen nebst Vermögensaufstellungen:

Einnahme-Überschussrechnung

 
  2015 in EUR 2016 in EUR
Einnahmen        
  • Beiträge
1 460   1 520  
  • Spenden
4 200   4 670  
  • Naturprojekte
1 985   2 496  
  • Erlöse Sommerfest
980 8 625 1 020 9 706
Ausgaben        
  • Mitgliederverwaltung
842   637  
  • Exkursionen
1 875   1 940  
  • Krötenschutz
2 230   1 880  
  • Uferrenaturierung
1 000   6 500  
  • Sommerfest
475 6 522 520 11 477
         
Überschuss   2 103   ./. 1 771

Vermögensaufstellung 2015/2016

 
  2015 in EUR 2016 in EUR
Barkasse 250   200  
Girokonto 1 380   1 200  
Sparbuch 3 500   1 000  
Ausstattung Geschäftsstelle 1 500 6 630 1 350 3 750
         
Verb. Uferrenaturierung 1 000 1 000 0 0
         
Vermögen   5 630   3 750
         
Bestand 01.01. 3 527   5 630  
Zu-/Abgänge 2 103   ./. 1 771  
Bestand 31.12. 5 630 5 630 3 750 3 750

Angesichts des vorgelegten Zahlenwerks bedarf es keiner dezidierten Mittelverwendungsrechnung um festzustellen, dass der Verein keine zeitnah zu verwendenden Mittel in unzulässiger Höhe thesauriert hat.

So ist erkennbar, dass der Bestand der "freien" Mittel (Bargeld und Bankguthaben) deutlich unterhalb des jährlichen Zuflusses zeitnah zu verwendender Mittel (sämtliche Einnahmen) liegt. Auch die Ausstattung der Geschäftsstelle mit Vermögensgegenständen ist eine zulässige Verwendung zeitnaher Mittel für satzungsmäßige Zwecke, da ein Verein in der Lage sein muss, seine Organisation zu bewältigen. Weiterhin kann aus dem Zahlenwerk abgelesen werden, dass der Verein nur in geringem Umfang Mittel über den 31.12. des jeweiligen Kalenderjahrs zurückbehält. In der Vermögensverwaltung des Vereins sind offenkundig keine größeren Investitionen erfolgt, deren Mittelherkunft ggf. nachvollzogen werden müsste.

Als Faustregel kann festgehalten werden, dass es nur dann weiterer Erläuterungen bedarf, wenn der Bestand der "freien" Mittel den Zufluss von zeitnahen Mitteln der beiden Vorjahre deutlich übersteigt. Daher ist in diesen übersichtlichen Fällen keine weitere Aufschlüsselung (Mittelverwendungsrechnung) erforderlich.

Bei größeren steuerbegünstigten Einrichtungen mit einem großen Mittelaufkommen und entsprechenden Vermögenswerten, wie z. B. Stiftungen, gGmbH oder große operativ tätige Verbände, ist die Prüfung der zeitnahen und zutreffenden Mittelverwendung allein unter Zuhilfenahme der Jahresabschlüsse oder der Vermögensaufstellungen jedoch regelmäßig nicht mehr möglich.

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