Reuber, Die Besteuerung der Vereine, Eintrittsgelder

I. Allgemeines

 

Tz. 1

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Erheben steuerbegünstigte Körperschaften anlässlich von Veranstaltungen Eintrittsgelder, wirft dies ertragsteuerliche als auch umsatzsteuerliche Fragen auf.

II. Sportveranstaltungen

 

Tz. 2

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Eintrittsgeldereinnahmen aus sportlichen Veranstaltungen (jedoch nicht die Einnahmen aus dem Verkauf von Speisen und Getränken oder Werbeeinahmen bei diesen Veranstaltungen) sind gem. § 67a Abs. 1 AO (Anhang 1b) nicht steuerpflichtig, wenn diese im Jahr 45 000 EUR einschließlich Umsatzsteuer nicht übersteigen. Bis zu diesem Umfang gelten sportliche Veranstaltungen nicht als steuerpflichtiger Zweckbetrieb. Übersteigen die Einnahmen hingegen die besondere Zweckbetriebsfreigrenze von 45 000 EUR, sind die vereinnahmten Eintrittsgelder insgesamt im Tätigkeitsbereich steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb "Sport" zu erfassen.

 

Tz. 3

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Es besteht für den Sportverein jedoch die Möglichkeit, bei Eintrittsgeldeinnahmen unter 45 000 EUR zur Steuerpflicht zu optieren. Eine solche Erklärung muss gegenüber dem Finanzamt abgegeben werden und ist für mindestens fünf Veranlagungszeiträume bindend. Dies kann z. B. sinnvoll sein, wenn die Einnahmen eines Vereins aus solchen Veranstaltungen stark schwanken und keine (hohen) Gewinne erwartet werden. Andererseits entfällt dann die Möglichkeit, den ermäßigten Umsatzsteuersatz (§ 12 Abs. 2 Nr. 8 UStG, Anhang 5) anzuwenden. Wurde von der Option Gebrauch gemacht (s. § 67a Abs. 2 AO, Anhang 1b), werden dennoch bestimmte Veranstaltungen nach § 67a Abs. 3 AO (Anhang 1b) als Zweckbetrieb behandelt, nämlich Veranstaltungen des unbezahlten Sports. Verluste aus diesen (verbleibenden) Zweckbetrieben können dann mit Mitteln aus dem ideellen Bereich ausgeglichen werden.

 

Tz. 4

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Eintrittsgelder, die anlässlich von Veranstaltungen des bezahlten Sports vereinnahmt werden, sind in diesem Fall (Option zur Steuerpflicht) dem Tätigkeitsbereich steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb "Sport" zuzuordnen.

III. Kulturelle Veranstaltungen

 

Tz. 5

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Eintrittsgelder bei kulturellen Veranstaltungen (u. a. Museen, Konzerte, Theater, Ausstellungen) sind bei einer steuerbegünstigten Zwecken dienenden Körperschaft dem Zweckbetrieb "Kultur" zuzuordnen. Dieser genießt in vollem Umfang Ertragsteuerfreiheit, weil es für den Bereich "Kultur" keine gesetzliche Zweckbetriebsgrenze gibt. Abzugrenzen sind Kulturveranstaltungen von solchen Veranstaltungen, die der Geselligkeit dienen (Tanz, Karneval, Bälle, s. aber Tz. 7). Der Verkauf von Bildern auf Kunstveranstaltungen ist wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb.

 

Tz. 6

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Einnahmen aus dem Verkauf von Speisen und Getränken und der Werbung in eigener Regie bei kulturellen Veranstaltungen sind einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb mit partieller Steuerpflicht zuzuordnen. Wird für den Bereich einer kulturellen Veranstaltung mit Bewirtung ein einheitlicher Eintrittspreis erhoben, so muss dieser ggf. im Wege der Schätzung aufgeteilt werden, damit eine Zuordnung der Einnahmen in den Zweckbetrieb und wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb erfolgen kann (s. AEAO zu § 68 Nr. 7 AO TZ 14, Anhang 2).

Um Diskussionen mit der Finanzverwaltung zu vermeiden, empfiehlt sich eine Trennung der Entgelte (gesondertes Entgelt für die kulturelle Veranstaltung und Bewirtung), vgl. Tz. 9.

IV. Gesellige Veranstaltungen

 

Tz. 7

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"Gesellige Veranstaltungen" sind eine steuerlich unschädliche Betätigung, wenn sie im Vergleich zur übrigen steuerbegünstigten Tätigkeit von untergeordneter Bedeutung sind (s. § 58 Nr. 7 AO, Anhang 1b und s. AEAO zu § 58 Nr. 8 AO TZ 10, Anhang 2). Solche Veranstaltungen können z. B.

  • Weihnachtsfeiern,
  • Vereinsausflüge,
  • Sommerfeste,
  • Karnevalsveranstaltungen

sein (s. § 58 Nr. 7 AO, Anhang 1b).

Einnahmen, die aus Eintrittsgeldern erwirtschaftet werden, sind dem Zweckbetrieb zuzuordnen, wenn der Satzungszweck nur durch eine solche Veranstaltung verwirklicht werden kann, z. B. Eintrittsgelder anlässlich von Auftritten eines Brauchtumsvereins. In allen übrigen Fällen sind die Eintrittsgelder dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb mit partieller Steuerpflicht zuzuordnen. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Speisen und Getränken sind grundsätzlich dem Tätigkeitsbereich der steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe zuzuordnen.

 

Tz. 8

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Umsatzsteuerlich sind Eintrittsgelder, die im Rahmen eines entsprechenden wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs anfallen, mit 19 % (bzw. im zweiten Halbjahr 2020 16 %, s. § 12 Abs. 1 UStG, Anhang 5,) zu versteuern, d. h. aus diesen eingenommenen Eintrittsgeldern ist 19 % (bzw. 16 % im 2. Hj. 2020) an das Finanzamt abzuführen und Vorsteuer entsprechend verrechenbar. Soweit hingegen die Veranstaltungen Zweckbetrieben zuzuordnen sind, ist nach § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG (sowie bei Kulturveranstaltungen gem. § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG und bei Zirkus-, Schaustell- und Zooveranstaltungen nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst...

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