Reuber, Die Besteuerung der Vereine, Coronavirus – Überblick über die getroffenen Maßnahmen

I. Allgemeines

 

Tz. 1

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Von den wirtschaftlichen Folgen aufgrund der durch den Coronavirus (COVID-19/SARS-CoV-2) ausgelösten Covid-19-Pandemie sind nicht nur Unternehmen, Freiberufler und ihre Angestellten sondern auch viele gemeinnützige Einrichtungen mit deren Beschäftigten betroffen. So mussten viele steuerbegünstigte Vereine wie Bildungsvereine, Sportvereine, Kulturvereine etc. ihre Tätigkeiten vollständig einstellen und konnten diese häufig gar nicht oder in nur eingeschränktem Umfang wieder aufnehmen. Dadurch kommt es auch für diese Einrichtungen häufig zu existenzbedrohenden wirtschaftlichen Belastungen.

Neben den steuerlichen Maßnahmen gibt es eine Vielzahl anderer Maßnahmen der Bundesregierung, der Bundesländer und der Kommunen, um die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie für die Unternehmen abzumildern. Durch diese Maßnahmen soll den von der Corona-Krise Betroffenen dabei geholfen werden, die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu überstehen.

Angesichts immer noch sehr dynamischen Entwicklung hinsichtlich der möglichen Hilfsmaßnahmen handelt es sich bei den nachfolgenden Ausführungen daher nur um eine Momentaufnahme und nicht um einen abschließenden Überblick über die geplanten bzw. schon eingeleiteten Maßnahmen. Insbesondere kann hier nicht im Detail auf die unterschiedlichen Maßnahmen der einzelnen Bundesländer und der Kommunen eingegangen werden. Betroffene sollten sich über die Hilfsmaßnahmen vor Ort informieren. Häufig ergänzen sich die verschiedenen Maßnahmen und können auch nebeneinander (kumulierend) in Anspruch genommen werden.

II. Steuerliche Maßnahmen

 

Tz. 2

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Bei den steuerlichen Maßnahmen kann unterschieden werden in für alle Steuerpflichtigen getroffene

Maßnahmen und Maßnahmen, die den steuerbegünstigten (gemeinnützigen) Einrichtungen helfen sollen.

Gesetzliche Regelungen enthalten das (Erste) Corona-Steuerhilfegesetz vom 19.06.2020 (BGBl I 2020, 1385) und das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz vom 29.06.2020 (BGBl I 2020, 1512).

1. Maßnahmen für gemeinnützige Einrichtungen

 

Tz. 3

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Die steuerlichen Maßnahmen zur Förderung der Hilfe für von der Corona-Krise Betroffene wurden in einem sog. Katastrophenerlass (BMF vom 09.04.2020, BStBl I 2020, 498) geregelt. Darin wurden insbesondere auch Hinweise für die Besteuerung der steuerbegünstigten (gemeinnützigen) Körperschaften gegeben. Die Regelungen im Katastrophenerlass gelten für die Zeit vom 01.03.2020 bis 31.12.2020.

Zusätzlich enthalten die vom BMF veröffentlichten und regelmäßig aktualisierten FAQ "Corona" (Steuern) mit Stand 30.06.2020 ein eigenes Kapitel mit Hinweisen für die steuerlichen Fragen für die steuerbegünstigten Einrichtungen (s. III 4.).

1.1 Spendenabzug

 

Tz. 4

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Zuwendungen, die auf ein für die Hilfe von Corona-Betroffene eingerichtetes Sonderkonto von juristischen Personen des öffentlichen Rechts oder einem amtlich anerkannten inländischen Verband der freien Wohlfahrtspflege einschließlich seiner Mitgliedsorganisationen eingezahlt werden, können ohne betragsmäßige Begrenzung im Rahmen des vereinfachten Spendenabzugs steuerlich geltend gemacht werden. Als Nachweis für die Zuwendung reicht der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung eines Kreditinstituts, wie der Kontoauszug oder PC-Ausdruck bei Online-Banking, aus (§ 50 Abs. 4 Nr. 1 Buchst. a EStDV). Die Ausstellung einer gesonderten Zuwendungsbestätigung (Spendenbescheinigung) ist in diesen Fällen nicht mehr erforderlich.

Der Nachweis über die Zuwendung (Spende) ist nur auf Verlangen des Finanzamts vorzulegen und muss bis zum Ablauf eines Jahres nach Bekanntgabe des Steuerbescheids aufgehoben werden (§ 50 Abs. 8 EStDV).

Verzichten Arbeitnehmer auf die Auszahlung von Teilen ihres Arbeitslohns zugunsten einer Zahlung des Arbeitsgebers auf ein Spendenkonto einer steuerbegünstigten Organisation (Arbeitslohnspende), bleiben diese Lohnbestandteile bei der Feststellung des steuerpflichtigen Arbeitslohns außer Ansatz, wenn der Arbeitsgeber die Verwendungsauflage erfüllt und dies dokumentiert. Ein Spendenabzug bei dem Arbeitnehmer scheidet dann jedoch aus.

Musste eine steuerbegünstigte Einrichtung wegen der Corona-Krise Veranstaltungen absagen, kann dem Ticketinhaber eine Zuwendungsbestätigung (Spendenbescheinigung) über einen Verzicht auf die Erstattung des Ticketpreises (= Geldspende) ausgestellt werden, wenn

  • die Veranstaltung von einer steuerbegünstigten Einrichtung organisiert wurde,
  • die Zuwendung für steuerbegünstigte Zwecke verwendet wird
  • der Ticketinhaber schriftlich oder elektronisch (per E-Mail) auf die ihm zustehende Erstattung des Ticketpreises verzichtet und
  • keine Gegenleistung (z. B. Gutschein, sonstiger Ersatz) mit dem Verzicht verbunden ist.

Ein Verzicht gegenüber einem kommerziellen Veranstalter/Ticketvertreiber oder unmittelbar gegenüber einem Künstler führt nicht zu einer steuerlich abzugsfähigen Spende. In diesem Fall fehlt es an einem steuerbegünstigten Zuwendungsempfänger.

Die Verzichtserklärung des Ticketinhabers ist mit dem Doppel der ausgestellten Zuwendungsbes...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Reuber, Die Besteuerung der Vereine. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Reuber, Die Besteuerung der Vereine 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge