Reuber, Die Besteuerung der... / 2.5. Vorläufiger Verlustrücktrag für 2020 nach 2019
 

Tz. 17

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Ein Verlustrücktrag in das Vorjahr nach § 10d EStG setzt grundsätzlich voraus, dass eine Veranlagung durchgeführt wurde, die zu einem rücktragsfähigen Verlust führt. D.h. ein Verlustrücktrag in das Jahr 2019 kann grundsätzlich erst nach der Veranlagung für das Jahr 2020 vorgenommen werden.

Damit die von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen, Körperschaften und anderen Menschen zeitnah einen Verlust in 2019 steuermindernd berücksichtigen zu können, wurde durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz mit Aufnahme des § 111 EStG die Möglichkeit eines vorläufigen Verlustrücktrags aus dem Jahr 2020 in das Jahr 2019 geschaffen.

Danach kann auf Antrag des Steuerpflichtigen bei der Steuerfestsetzung für das Jahr 2019 pauschal 30 % des Gesamtbetrags der Einkünfte, ohne die darin enthaltenen Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG), als vorläufiger Verlustabzug aus 2020 abgezogen werden (vorläufiger Verlustabzug für 2020).

Kann der Steuerpflichtige einen voraussichtlich höheren Verlustrücktrag für 2020 nachweisen, kann auch dieser abgezogen werden.

Voraussetzung für den Antrag auf den vorläufigen Verlustabzug für 2020 bei der Veranlagung 2019 ist, dass die Vorauszahlungen für 2020 0 EUR betragen bzw. auf 0 EUR herabgesetzt wurden.

Der vorläufige Verlustrücktrag für 2020 kann jedoch nur maximal bis zu 5 Mio. EUR bzw. im Fall der Zusammenveranlagung bis zu 10 Mio. EUR betragen.

Über § 8 Abs. 1 KStG (Anhang 3) gelten die Regelungen zum Verlustabzug auch für Körperschaften.

 
Praxis-Beispiel

Beispiel:

Der steuerbegünstigte A-Sportverein erzielte in 2019 aus dem Spielbetrieb seiner Profisportabteilung (= steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb nach § 64 AO; Anhang 1b) einen steuerpflichtigen Gewinn in Höhe von 13,4 Mio. EUR.

In 2020 wird er aufgrund der Corona-Krise (Einstellung des Spielbetriebs; Spielen vor leeren Zuschauerrängen etc.) einen voraussichtlichen Verlust von mindestens 6,7 Mio. EUR erzielen. Dies belegen die vorläufigen betriebswirtschaftlichen Auswertungen. Daher hat der A-Sportverein bereits im April 2020 die Vorauszahlungen für 2020 auf 0 EUR herabsetzen lassen.

Im Rahmen der Abgabe der Steuererklärung für 2019 stellt der Verein einen Antrag nach § 111 EStG auf Berücksichtigung eines vorläufigen Verlustrücktrags für 2020. Diesem Antrag legt er die vorläufige Verlustermittlung für 2020 über 6,7 Mio. EUR bei.

Da der nachgewiesene voraussichtliche Verlust für 2020 von 6,7 Mio. EUR höher ist als der pauschalierte Verlust (30 % von 13,4 Mio. EUR = 4,02 Mio. EUR), kann der nachgewiesene Verlust, jedoch maximal bis zum Höchstbetrag von 5 Mio. EUR, berücksichtigt werden.

D.h. im Rahmen der Veranlagung 2019 erfolgt ein vorläufiger Verlustabzug von 5 Mio. EUR.

Wird ein Antrag auf Berücksichtigung eines vorläufigen Verlustabzugs für 2020 nach § 111 EStG gestellt, muss für 2020 auch eine Steuererklärung abgegeben werden.

Ein Antrag nach § 111 EStG kann zwar grundsätzlich bis zum Ende der Festsetzungsfrist für 2019 gestellt werden, jedoch kann dieses Antragsrecht regelmäßig nur bis zur Bestandkraft des Einkommensteuer-/Körperschaftsteuerbescheids ausgeübt werden. Nach Eintritt der Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung kann ein Antrag nach § 111 EStG nur noch dann gestellt und berücksichtigt werden, soweit der Steuerbescheid noch geändert werden kann (z. B. §§ 129, 164, 172ff. AO).

Wurde bereits bei der Festsetzung der Vorauszahlungen 2019 ein pauschaler Verlustabzug berücksichtigt, kann die spätere Veranlagung 2019 dazu führen, dass beispielsweise wegen eines höheren Gesamtbetrags der Einkünfte eine Nachzahlung festgesetzt wird. Diese kann auf Antrag des Steuerpflichtigen bis zur Durchführung der Veranlagung 2020 gestundet werden. Stundungszinsen werden insoweit nicht erhoben.

Mit der Durchführung der Veranlagung 2020 ist der vorläufige Verlustabzug für 2020 in der Veranlagung 2019 rückgängig zu machen, d. h. dem Gesamtbetrag der Einkünfte ist der davon abgezogenen vorläufige Verlust für 2020 wieder hinzuzurechnen. Anschließend kann ein Verlustrücktrag für 2020 in das Jahr 2019 nach den allgemeinen Regelungen des § 10d EStG (Anhang 10) durchgeführt werden.

Ein vorläufiger Verlustrücktrag für 2020 in das Jahr 2019 ist nicht möglich, wenn die Veranlagung für 2020 vor der Veranlagung 2019 durchgeführt wird. So würde in diesem Fall ein nach § 10d EStG (Anhang 10) möglicher Verlustrücktrag feststehen. Es bestünde also kein Bedarf mehr an einem pauschalierten vorläufigen Verlustrücktrag.

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