Reuber, Die Besteuerung der... / 2.1 Kurzarbeitergeld
 

Tz. 29

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Eine große Entlastung für die Unternehmen wurde durch die Änderungen der Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld erreicht. Für die Beantragung und den Bezug von Kurzarbeitergelt reicht es nun aus, wenn 10 % der Beschäftigten eines Betriebes von Arbeitsausfall betroffen sind. Bisher musste mindestens ein Drittel der Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen sein. Im Rahmen der Kurzarbeit werden auch die Sozialversicherungsbeiträge von der Bundesagentur für Arbeit vollständig erstattet. Ein Kurzarbeitergeld ist nun auch für Beschäftigte in Zeitarbeit möglich. In Betrieben, in denen Vereinbarungen zu Arbeitszeitschwankungen genutzt werden, wird auf den Aufbau negativer Arbeitszeitkonten verzichtet. Diese Erleichterungen sind rückwirkend zum 01.03.2020 in Kraft getreten und werden auch rückwirkend ausgezahlt.

Arbeitgeber sollten daher einen Arbeitsausfall zeitnah bei der Agentur für Arbeit anzeigen und Kurzarbeit beantragen. Dies gilt auch für Zeitarbeitsunternehmen. Ist ein Arbeitgeber bereits beim Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit registriert, kann das Kurzarbeitergeld online angezeigt und beantragt werden. Ansonsten ist die Anzeige der Kurzarbeit (= Vordruck: Anzeige über Arbeitsausfall) nebst dem Antrag auf Kurzarbeitergeld (= Vordruck: Antrag auf Kurzarbeitergeld (Kug) – Leistungsantrag –) schriftlich anhand der unter 5. und 6. abgedruckten Vordrucke zu beantragen.

Die Bedingungen für die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld gelten jedoch nur für die Fälle, für die auch ein Grundanspruch auf Kurzarbeitergeld gegeben ist. Arbeitgeber können Kurzarbeitergeld nur für die Arbeitnehmer beantragen, die auch versicherungspflichtig in der Arbeitslosenversicherung sind. Geringfügig Beschäftigte (450-EUR-Minijobber) sind versicherungsfrei in der Arbeitslosenversicherung, für sie kann daher nach wie vor kein Kurzarbeitergeld beantragt werden (https://www.minijob-zentrale.de/DE/00_home/01_aktuelles/Kurzarbeitergeld.html, Stand 28.03.2020).

Wird ein Betrieb aufgrund einer behördlichen Anordnung geschlossen und liegen hierfür nicht die Voraussetzungen für ein Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz vor, hat ein Minijobber grundsätzlich weiterhin Anspruch auf Entgeltszahlung durch den Arbeitgeber, wenn die Arbeitnehmer arbeitsfähig und arbeitsbereit sind, aber der Arbeitgeber sie aus Gründen nicht beschäftigen kann, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen (sog. Betriebsrisikolehre, § 615 Satz 3 BGB). Dazu zählen etwa die Fälle, in denen es aufgrund von COVID-19-Erkrankungen zu erheblichen Personalausfällen oder Versorgungsengpässen käme, in deren Folge der Arbeitgeber die Betriebstätigkeit vorübergehend einstellen würde. Ein Arbeitnehmer behält also in diesem Fall seinen Entgeltanspruch, auch wenn er durch den Arbeitgeber nicht beschäftigt werden kann. Für diese Fälle, in denen weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer den Arbeitsausfall zu vertreten haben, können jedoch einzel- oder kollektivvertragliche Vereinbarungen Abweichendes regeln.

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