Reuber, Die Besteuerung der... / 2. Steuerliche Entlastungen für alle Steuerpflichtigen
 

Tz. 11

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Neben den besonders die steuerbegünstigten Einrichtungen betreffenden Maßnahmen wurden insbesondere durch das Erste Corona-Steuerhilfegesetz und das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz sowie einige BMF-Schreiben eine Vielzahl von Maßnahmen in Kraft gesetzt, die alle Steuerpflichtigen, d. h. natürliche Personen, Unternehmen, Körperschaften, aber auch die steuerbegünstigten Einrichtungen betreffen.

Nachfolgend werden die – ggf. auch die steuerbegünstigten Einrichtungen betreffenden – wichtigsten Maßnahmen dargestellt:

2.1 Stundung und Vollstreckungsmaßnahmen

 

Tz. 12

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Steuerpflichtige, welche nachweislich unmittelbar und nicht unerheblich von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind, können bis zum 31.12.2020 unter Darlegung ihrer Verhältnisse Anträge auf Stundung der bis zu diesem Zeitpunkt bereits fälligen oder fällig werdenden Steuern, die von den Landesfinanzbehörden im Auftrag des Bundes verwaltet werden, stellen. Selbst wenn die Steuerpflichtigen ihre entstandenen Schäden wertmäßig nicht im Einzelnen nachweisen können, sind die Anträge nicht abzulehnen. Bei der Nachprüfung der Voraussetzungen für Stundungen sind keine strengen Anforderungen zu stellen. Auch kann auf die Erhebung von Stundungszinsen in der Regel verzichtet werden. Anträge auf Stundung der nach dem 31.12.2020 fälligen Steuern sowie Anträge auf Anpassung der Vorauszahlungen, die nur Zeiträume nach dem 31.12.2020 betreffen, sind besonders zu begründen.

Bei den von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich betroffen Steuerpflichtigen soll bis zum 31.12.2020 von Vollstreckungsmaßnahmen bei allen rückständigen oder bis zu diesem Zeitpunkt fällig werdenden Steuern abgesehen werden. Auch sollen für diese Fälle die im Zeitraum ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Schreibens bis zum 31.12.2020 verwirkten Säumniszuschläge für diese Steuern zum 31.12.2020 erlassen werden (BMF vom 19.03.2020, BStBl I 2020, 262).

Etwaige Stundungs- und Erlassanträge bezüglich der Gewerbesteuer sind an die Gemeinden zu richten, lediglich bei den Stadtstaaten ist ein entsprechender Antrag ebenfalls an das zuständige Finanzamt zu richten (§ 1 GewStG und R 1.6 Abs. 1 GewStR; einheitl. Ländererlass vom 19.03.2020, BStBl I 2020, 281).

2.2 Temporäre Erhöhung des Verlustrücktrags

 

Tz. 13

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Im Rahmen des Zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes wurde der höchstmögliche Verlustrücktrag nach § 10d EStG (Anhang 10) für die Verluste der Jahre 2020 und 2021 in das Vorjahr von bisher maximal 1 Mio. EUR auf maximal 5 Mio. EUR erhöht. Bei einer Zusammenveranlagung erhöht sich der maximale Verlustrücktag von 2 Mio. EUR auf 10 Mio. EUR. Die Erhöhung des Verlustrücktrags auf 5 Mio. EUR für die Verluste in 2020 und 2021 gilt nach § 8 Abs. 1 KStG (Anhang 3) auch für Körperschaften.

Die in den Jahren 2022ff. erzielten Verluste können dann nur wieder bis max. 1 Mio. EUR, bzw. bis max. 2 Mio. EUR bei einer Zusammenveranlagung, in das Vorjahr zurückgetragen werden. Bei der Gewerbesteuer gibt es – wie bisher auch schon – keinen Verlustrücktrag.

2.3 Degressive Abschreibung

 

Tz. 14

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz wurde die Möglichkeit an Stelle der linearen Abschreibung einer degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die in 2020 oder 2021 angeschafft oder hergestellt wurden, in Höhe von bis zu 25 %, höchstens dem Zweieinhalbfachen der linearen Abschreibung, geschaffen (§ 7 Abs. 2 EStG, Anhang 10).

Die degressive Abschreibung kann – wie auch die lineare Abschreibung – bei einem beweglichen Wirtschaftsgut des Anlagevermögens, welches erst im Laufe des Jahres 2020 oder 2021 angeschafft oder hergestellt wurde, im Jahr der Anschaffung oder Herstellung nur zeitanteilig geltend gemacht werden.

2.4 Herabsetzung von Vorauszahlungen

2.4.1 Herabsetzung der Vorauszahlungen 2020

 

Tz. 15

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Wenn erkannt werden kann, dass die Einkünfte der Steuerpflichtigen im laufenden Jahr 2020 voraussichtlich geringer sein werden als vor der Corona-Pandemie erwartet, werden auf Antrag die Vorauszahlungen (Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer) herabgesetzt (BMF vom 19.03.2020, BStBl I 2020, 262; einheitl. Ländererlass vom 19.03.2020, BStBl I 2020, 281).

Die Anträge sollten online über Mein Elster eingereicht werden. Ansonsten gibt es zur Vereinfachung der Abläufe von einer Vielzahl von Bundesländern auch einen entsprechenden Antragsvordruck (siehe beispielsweise den vom Land NRW veröffentlichten Vordruck unter III 7.), aufgrund dessen die o. g. Maßnahmen beantragt werden können. Der Vordruck kann auf der Homepage des jeweiligen Landesfinanzministeriums abgerufen werden. Es ist natürlich auch zulässig, diese Maßnahmen formlos zu beantragen.

2.4.2 Herabsetzung der Vorauszahlungen 2019

 

Tz. 16

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Aufgrund des durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz eingeführten § 110 EStG kann auf Antrag für die Festsetzung der Vorauszahlungen ein pauschaler Abschlag von 30 % des bei der Festsetzung zugrunde gelegten Gesamtbetrags der Einkünfte (ohne die darin enthaltenen Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit nach § 19 EStG) erfolgen. Damit erfolgt bereits bei der Fes...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Reuber, Die Besteuerung der Vereine. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Reuber, Die Besteuerung der Vereine 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge