Reuber, Die Besteuerung der... / 5. Gemischte Nutzung
 

Tz. 86

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Werden ein Wirtschaftsgut in verschiedenen Tätigkeitsbereichen eines Vereins/Verbandes (ideeller Tätigkeitsbereich, Vermögensverwaltungen, Zweckbetriebe, steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetriebe) genutzt, muss zunächst geprüft werden, ob eine ausschließliche und unmittelbare Zuordnung des Wirtschaftsgutes zu einem der genannten Tätigkeitsbereiche erfolgen kann. Ist dies möglich, kann die AfA in diesem Tätigkeitsbereich in vollem Umfang zum Abzug gelangen. Die Nutzungsanteile für einen anderen Bereich ist durch entsprechende Entnahmebuchungen zu korrigieren.

Wird das Wirtschaftsgut in mehreren Tätigkeitsbereichen genutzt und ist eine Zuordnung zu einem Bereich nicht möglich, kann nur der jeweilige auf diesen Tätigkeitsbereich entfallende anteilige AfA-Betrag als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abgezogen werden.

 

Tz. 87

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Kann keine genaue Zuordnung bzw. keine klare Berechnung erfolgen, muss ggf. die vorzunehmende und u. U. aufzuteilende AfA im Wege einer sachgerechten Schätzung ermittelt werden. M.E. ist es sinnvoll und zweckmäßig, für jeden Tätigkeitsbereich ein gesondertes Anlageverzeichnis zu führen, damit eine korrekte Zuordnung der AfA erfolgen kann.

 

Beispiel:

Ein Verein errichtet in den Jahren 01/02 auf einem eigenen Grundstück ein Gebäude. Der Antrag auf Baugenehmigung wurde zu Beginn des Jahres 01 gestellt. Das Gebäude wird nach seiner Fertigstellung zu

  • 2/8 für den ideellen (steuerneutralen) Tätigkeitsbereich (hier: Geschäftsstelle),
  • 2/8 für den Tätigkeitsbereich Vermögensverwaltungen (hier: Hausmeisterwohnung),
  • 3/8 im Tätigkeitsbereich Zweckbetrieb "Sport" (hier: Sporthalle)
  • und zu 1/8 im Tätigkeitsbereich steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb (hier: Vereinsgaststätte)

genutzt.

Die Herstellungskosten für das Gebäude haben im Jahre 01/02 netto 1 000 000 EUR betragen. Die AfA soll nach § 7 Abs. 4 EStG (Anhang 10) ermittelt werden. Die Vorsteuerbeträge wurden nach § 9b EStG (Anhang 10) zutreffend ermittelt, zugeordnet bzw. haben als solche die Umsatzsteuerschuld gemindert.

Ergebnis:

Zunächst sind die Herstellungskosten des Gebäudes zu ermitteln und auf die verschiedenen Tätigkeitsbereiche zuzuordnen. So ist der AfA-Satz für ein betrieblich genutztes Gebäude ein anderer, als für ein Gebäude, welches in der Vermögensverwaltung genutzt wird (§ 7 Abs. 1 Satz 2 EStG, Anhang 10).

 
Anteilige Gebäudekosten für die Gebäudeteile, die nicht
zu einem Betriebsvermögen gehören
(4/8 von 1 000 000 EUR; ideeller Bereich, Vermögensverwaltung)
500 000 EUR  
× AfA 2 % im Jahr der Fertigstellung (§ 7 Abs. 4 Nr. 2a EStG)   10 000 EUR
Anteilige Gebäudekosten für die Gebäudeteile, die zu
einem Betriebsvermögen gehören
(4/8 von 1 000 000 EUR; Zweckbetrieb, stpfl. wirtschaftl. Geschäftsbetrieb)
500 000 EUR  
× AfA 3 % im Jahr der Fertigstellung (§ 7 Abs. 4 Nr. 1 EStG)   15 000 EUR
Jährliche AfA insgesamt   25 000 EUR

Die auf den steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb entfallende AfA (1/2 von 15 000 EUR = 7 500 EUR kann im Rahmen der Gewinnermittlung bei diesem entsprechend abgezogen werden.

Anmerkungen:

Die AfA des ideellen (steuerneutralen) Bereichs ist steuerlich ohne Bedeutung. Hier wäre aber zur Ermittlung der korrekten Bemessungsgrundlage auf die Anschaffungskosten der im ideellen und in der Vermögensverwaltung genutzten Gebäudeteile noch die nicht abziehbaren Vorsteuerbeträge draufzurechnen. Die Berücksichtigung der anteiligen AfA des ideellen Bereichs in anderen Tätigkeitsbereichen, vor allem im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, ist nicht zulässig. Bedeutungslos ist auch die anteilige AfA im Tätigkeitsbereich Vermögensverwaltung – Einkunftsart Vermietung und Verpachtung –, weil hier die persönliche Steuerbefreiung (die Vermögensverwaltung partizipiert an den Steuerbefreiungsvorschriften) des § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG (Anhang 3) greift. Erst wenn die Steuerbefreiung in diesem Bereich entfällt (z. B. durch Aberkennung der Gemeinnützigkeit), gewinnt die als Werbungskosten abzuziehende AfA an Bedeutung, weil durch den Abzug der AfA der Überschuss aus der Einkunftsart "Vermietung und Verpachtung" gemindert wird.

Gleiches trifft auch für den Zweckbetrieb "Sport" zu, wenn die in §§ 64, 65, 67a Abs. 1 bzw. Abs. 3 AO (Anhang 1b) vom Gesetzgeber geforderten Bedingungen erfüllt sind. Eine steuerliche Auswirkung ergibt sich im Tätigkeitsbereich der steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe, wenn die Besteuerungsfreigrenze von 35 000 EUR (§ 64 Abs. 3 AO, Anhang 1b) überschritten wird. Die für diesen Bereich ermittelte anteilige AfA stellt dann eine abzugsfähige Betriebsausgabe dar und mindert den Gewinn.

 

Tz. 88

Stand: EL 119 – ET: 11/2020

Hinweise:

  • Durch genaue Zuordnung der AfA in die jeweiligen Tätigkeitsbereiche werden korrekte Einzelergebnisse erzielt. Dies dient auch dazu, dass aus den Ergebnissen, die sich hieraus ergeben, korrekte Rücklagen nach § 62 Abs. 1 Nr. 1–4 AO (Anhang 1b) gebildet werden können.
  • Sollte spät...

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