Reuber, Die Besteuerung der Vereine, Ablösesummen

I. Allgemeines

 

Tz. 1

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Die Steuerbegünstigung wegen Gemeinnützigkeit ist bei einem Sportverein immer dann gefährdet, wenn die ihm zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausschließlich und unmittelbar für die in der Satzung festgelegten Zwecke (z. B. "Förderung des Sports") verwendet werden (s. § 55 Abs. 1 Nr. 1 AO, Anhang 1b).

Zahlungen, die Vereine für die Freigabe von "Sportlern" bei einem Vereinswechsel (sog. Ablöseentschädigungen) entrichten, führen grundsätzlich zum Verlust aller Steuerbegünstigungen. Durch den Verlust aller Steuerbegünstigungen und Steuerbefreiungen werden erhebliche Steuerfolgen ausgelöst.

Die gesetzliche Vorschrift des § 58 Nr. 2 AO (Anhang 1b) kann insoweit auch nicht greifen, weil es sich bei den Ablösezahlungen für die Freigabe von Sportlern um keine Mittel handelt, die teilweise einer anderen, ebenfalls steuerbegünstigten Körperschaft zugewendet werden. Es liegt vielmehr ein Leistungsaustausch zwischen abgebendem und empfangendem Verein i. S. d. Umsatzsteuergesetzes vor.

 

Tz. 2

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Als Ablösezahlungen sind auch solche Beträge anzusehen, die dafür gezahlt werden, dass ein Spitzensportler von einem anderen Verein ausgeliehen wird.

 

Tz. 3

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Die pauschalen Zahlungen i. H. v. 2 557 EUR (s. AEAO zu § 67a Abs. 3 AO TZ 40, Anhang 2) bzw. die tatsächlichen entstandenen Ausbildungskosten, die in jedem Einzelfall nachzuweisen sind, sind nur bei Anwendung des § 67a AO (Anhang 1b) relevant. Kommt für einen sporttreibenden Verein die Zweckbetriebsfreigrenze des § 67a Abs. 1 Satz 1 AO (Anhang 1b) zur Anwendung, sollen nach dem AEAO (s. AEAO zu § 67a Abs. 1 AO TZ 17 und 19, Anhang 2) Zahlungen von Ablöseentschädigungen uneingeschränkt zulässig sein.

II. Ablösezahlungen bei Unterschreiten der Zweckbetriebsgrenze "Sport"

1. Ertragsteuerliche Behandlung

 

Tz. 4

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Nach § 67a Abs. 1 Satz 1 AO (Anhang 1b) sind alle Einnahmen aus sportlichen Veranstaltungen im Tätigkeitsbereich Zweckbetrieb "Sport" zu erfassen, wenn die Bruttoeinnahmen innerhalb eines Jahres die Zweckbetriebsfreigrenze von 45 000 EUR (bis zum Veranlagungszeitraum 2012: 35 000 EUR) nicht übersteigen. Der Gesetzgeber lässt auch zu, dass an sportlichen Veranstaltungen, die die Voraussetzungen des § 67a Abs. 1 AO (Anhang 1b) erfüllen, bezahlte Sportler teilnehmen (s. § 58 Nr. 9 AO, Anhang 1b).

Dabei ist die Herkunft der Mittel, mit denen die Sportler bezahlt werden, bedeutungslos.

 

Tz. 5

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Werden vom Verein Ablösezahlungen für die Freigabe (Abgabe) eines Sportlers vereinnahmt, sind die Einnahmen dem Zweckbetrieb "Sport" zuzuordnen. Voraussetzung für dieses Zuordnungskriterium ist aber, dass durch die Vereinnahmung der Ablösezahlungen die Zweckbetriebsfreigrenze von 45 000 EUR (bis zum Veranlagungszeitraum 2012: 35 000 EUR) nicht überschritten wird. Kommt es durch die Vereinnahmung derartiger Zahlungen zum Überschreiten dieser Grenze und wurde nicht von dem Optionsrecht des § 67a Abs. 2 AO (Anhang 1b) Gebrauch gemacht, sind alle Einnahmen einschließlich der vereinnahmten Ablösezahlungen in einem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb "Sport" zu erfassen (ebenso s. AEAO zu § 67a Abs. 1 AO TZ 17, Anhang 2). U.U. wird partielle Steuerpflicht ausgelöst, wenn die Besteueuerungsfreigrenze im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb i. H. v. 35 000 EUR (bis zum Veranlagungszeitraum 2006: 30 678 EUR) überschritten wird.

Eine Erhöhung auf 45 000 EUR durch das Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes (Ehrenamtsstärkungsgesetz) vom 21.03.2013 (BGBl 2013 Teil I S. 556ff.) erfolgte nicht.

 

Tz. 6

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Zahlt ein Verein Ablösezahlungen für die Übernahme eines Sportlers an den abgebenden Verein und ist bei ihm (zahlender Verein) der gesetzliche Tatbestand des § 67a Abs. 1 Satz 1 AO (Anhang 1b) verwirklicht, sind Zahlungen von Ablöseentschädigungen aus dem Tätigkeitsbereich Zweckbetrieb uneingeschränkt zulässig. Die Herkunft der Mittel, mit denen die Sportler bezahlt werden, ist aber ohne Bedeutung (s. AEAO zu § 67a Abs. 1 TZ 18 und 19, Anhang 2).

Vereine, die Ablösesummen entrichten müssen, sind bei Erfüllung des gesetzlichen Tatbestandes des § 67a Abs. 1 AO (Anhang 1b) folglich nicht an

die pauschale Kostenerstattung bis zur Höhe von 2 557 EUR,
den Einzelnachweis bei höheren Kostenerstattungen

zur Abgeltung der Ausbildungskosten gebunden, weil die Verwaltung in uneingeschränkter Höhe Zahlungen zulässt.

 

Tz. 7

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Wird die Zweckbetriebsfreigrenze von 45 000 EUR (bis zum Veranlagungszeitraum 2012: 35 000 EUR) – s. § 67a Abs. 1 Satz 1 AO, Anhang 1b – überschritten und wurde von dem Optionsrecht keinen Gebrauch gemacht, kann m. E. die Ablöseentschädigung in uneingeschränkter Höhe als Abzug bei den Betriebsausgaben zugelassen werden; aus der Sicht des Gemeinnützigkeitsrechts ist die Zahlung in uneingeschränkter Höhe aber nicht zulässig, weil der zitierte AEAO auf die gesetzliche Vorschrift des § 67a Abs. 1 Satz 1 AO (Anhang 1b) abstellt. M.E. kann in derartigen Fällen die Steuerbegünstigung wegen Gemeinnützigkeit nur dann erha...

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