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Zufluss und Bewertung von Aktienoptionsrechten für Arbeitnehmer

Wann erfolgt nach Optionsausübung der Zufluss?
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der Vorteil fließt nicht nur durch die Ausübung der Option zu, sondern auch durch eine anderweitige Verwertung des Optionsrechts, insbesondere durch die Übertragung auf einen Dritten.

Hintergrund
Zu entscheiden war, ob der Vorteil aus einer vom Arbeitgeber gewährten Aktienoption dem Arbeitnehmer im Streitjahr 2004 oder schon in 2002 zugeflossen ist.

X war als Geschäftsführer einer GmbH beschäftigt und daneben auch in geringem Umfang (1,5 %) an dieser GmbH beteiligt. Im Oktober 2002 räumte die GmbH dem X für seine erfolgreiche Tätigkeit bei der GmbH das Recht ein, 15.000 Stückaktien einer AG zum Kaufpreis von 0,65 EUR je Aktie zu erwerben. Dieses Optionsrecht konnte von Januar 2004 bis Januar 2005 ausgeübt werden. X war vertraglich berechtigt, sein Optionsrecht auf die Z-GmbH zu übertragen, an der X zu 100 % beteiligt war und deren Unternehmensgegenstand die Verwaltung eigenen Vermögens war.

Im November 2002 übertrug X sein Optionsrecht auf die Z-GmbH zu 0,10 EUR je Aktie (insgesamt also 1.500 EUR). Der Kurswert betrug 1,84 EUR. Im Januar 2004 zahlte die Z-GmbH an X den Betrag von 1.500 EUR. Das Optionsrecht übte die Z-GmbH ebenfalls im Januar 2004 aus und die Aktien wurden in das Depot der Z-GmbH eingeliefert. Der Kurswert betrug 5,41 EUR. 2005 veräußerte die Z-GmbH sodann 5.000 Aktien.

Das FA war der Auffassung, der geldwerte Vorteil von 71.400 EUR sei X durch die Ausübung der Option durch die Z-GmbH und die Einbuchung der Aktien in deren Depot in 2004 zugeflossen. Die Übertragung des Optionsrechts in 2002 habe noch keinen Zufluss ausgelöst. So entschied auch das FG.

Entscheidung
Der BFH bestätigt zunächst, dass der Vorteil aus einer Option nicht schon mit der Einräumung des Optionsrechts, sondern grundsätzlich erst mit der Ausübung der Option zufließt. Ein Zufluss kann aber auch dadurch eintreten, dass der Arbeitnehmer die Optionsrechte anderweitig verwertet. Eine solche anderweitige Verwertung liegt regelmäßig vor, wenn der Arbeitnehmer über das Recht verfügt, so etwa auch, wenn er ein Wandeldarlehen mit dem Wandlungsrecht gegen Entgelt auf einen Dritten überträgt oder auf ein Aktienankaufsrecht gegen Entgelt verzichtet. Denn auch durch eine solche anderweitige Verwertung realisiert der Arbeitnehmer den dem Optionsrecht innewohnenden Wert.

Der BFH kommt daher zu dem Ergebnis, dass der geldwerte Vorteil dem X nicht erst im Streitjahr 2004, sondern bereits in 2002 mit der Übertragung des Optionsrechts auf die Z-GmbH zugeflossen ist. Das gilt auch dann, wenn - wegen zu niedrigen Kaufpreises - eine verdeckte Einlage vorlag. Denn der Vorteil ist mit der Übertragung des Rechts oder des Verzichts darauf zu erfassen.

Da nur das Jahr 2004 im Streit war, hatte die Revision somit Erfolg. Das FA wird jedoch, wenn die Veranlagung 2002 noch änderbar ist, das Optionsrecht in 2002 mit dem Wert im Zeitpunkt der Übertragung auf die Z-GmbH erfassen.

Hinweis
Der Zuflusszeitpunkt richtet sich grundsätzlich nach dem Zeitpunkt der Verwertung des Rechts. Bei der Optionsausübung ist das regelmäßig der Tag der Erfüllung des Anspruchs des Arbeitnehmers auf Verschaffung der Verfügungsmacht über die Aktien, d.h. die Einbuchung in das Depot des Arbeitnehmers. Bei einer anderweitigen Verwertung des Optionsrechts ist der Zeitpunkt der Übertragung des Rechts maßgebend.

Urteil v. 18.9.2012, VI R 90/10, veröffentlicht am 30.1.2013

Alle am 30.1.2013 veröffentlichten Entscheidungen im Überblick

Schlagworte zum Thema:  Einkommensteuer, Aktien, Geldwerter Vorteil

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