| BFH Kommentierung

Kein Werbungskostenabzug für nachträgliche Schuldzinsen bei Kapitaleinkünften

Die Geschäftsanteile wurden für 1 DM veräußert.
Bild: Haufe Online Redaktion

Nachträgliche Schuldzinsen für die Anschaffung einer Beteiligung sind ab 2009 nicht als Werbungskosten abziehbar.

Hintergrund

X hielt ab 1999 eine wesentliche Beteiligung (15 %) an einer GmbH. In 2001 veräußerte er seine Geschäftsanteile zum Preis von 1 DM, wobei ein gewisses Eigenkapital der GmbH garantiert wurde. Hieraus ergab sich ein an den Erwerber zu leistender Ausgleichsbetrag. Um seiner Ausgleichsverpflichtung nachzukommen, verzichtete X auf die Rückzahlung eines Gesellschafterdarlehens, das er bei einer Bank refinanziert hatte. Außerdem leistete er eine Sonderzahlung, die durch ein weiteres Bankdarlehen finanziert wurde.

Die Finanzierungskosten (Schuldzinsen) wurden vom FA für 2005 bis 2008 als nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften des X aus Kapitalvermögen anerkannt. Für das Streitjahr 2009 versagte das FA jedoch den Abzug. Das FG gab der dagegen erhobenen Klage statt. Das ab 2009 geltende Abzugsverbot komme nicht zur Anwendung, da die Zinsen - wegen der Veräußerung der Beteiligung bereits in 2001 - mit Kapitalerträgen der Vorjahre zusammenhingen.   

Entscheidung

Der BFH hält die Sachbehandlung durch das FA für zutreffend. Er hob das Urteil des FG auf und wies die Klage ab.

Mit der Einführung der Abgeltungssteuer für private Kapitalerträge wurde ab 2009 der Abzug der tatsächlich entstandenen Werbungskosten ausgeschlossen (§ 20 Abs. 9 EStG). Abziehbar ist lediglich noch der Sparer-Pauschbetrag von 801 EUR (bei Zusammenveranlagung: 1.602 EUR). Gegen die Verfassungsmäßigkeit dieser Regelung sieht der BFH keine Bedenken. Der Gesetzgeber hat einerseits mit der Gewährung des Sparer-Pauschbetrags bei den Beziehern niedriger Kapitaleinkünfte und andererseits mit der Senkung des Steuertarifs von bisher 45 % auf nunmehr 25 % bei den Beziehern höherer Kapitaleinkünfte eine verfassungsrechtlich anzuerkennende Typisierung der Werbungskosten vorgenommen. Denn bei Kleinanlegern fallen regelmäßig nicht mehr als 801 EUR an Werbungskosten an und bei Spitzeninvestoren dürfte das Abzugsverbot durch die Senkung des Steuertarifs ausgeglichen sein.

Entgegen der Auffassung des FG gilt das Abzugsverbot auch für den Fall, dass - nach 2009 - keine Erträge fließen. Eine einschränkende Betrachtung auf Kapitalerträge, die erst nach 2008 zufließen, ist mit dem Wortlaut und den Besonderheiten der Abgeltungssteuer nicht vereinbar.

Hinweis

Der BFH teilt damit die Verwaltungsauffassung, die auch im Schrifttum überwiegend vertreten wird (BMF-Schreiben v. 9.10.2012, BStBl I 2012, 953, Tz. 322). Die Regelung hält sich im Rahmen der gesetzlichen Typisierungsbefugnis. Die gegenteilige Auffassung würde zu nicht hinnehmbaren Ungleichbehandlungen und Systembrüchen und damit zu Verkomplizierungen führen, die mit dem Vereinfachungszweck der Abgeltungssteuer unvereinbar wären.

Urteil v. 1.7.2014, VIII R 53/12, veröffentlicht am 15.10.2014

Alle am 15.10.2014 veröffentlichten Entscheidungen im Überblick

Schlagworte zum Thema:  GmbH, Kapitalgesellschaft, Veräußerungsgewinn, Einkommensteuer, Abgeltungsteuer, Einkünfte aus Kapitalvermögen

Aktuell

Meistgelesen