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Zum Vorsteuerabzug eines Profifußballvereins aus Rechnungen von Spielervermittlern

Fußballprofis werden von Spielervermittlern beraten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Vorsteuerabzug eines Profifußballvereins aus ihm von Spielervermittlern erteilten Rechnungen setzt voraus, dass der Verein - und nicht der betreffende Spieler - Empfänger der in Rechnung gestellten Leistungen ist.

Hintergrund

Der Verein der Fußball-Bundesliga unterhält eine aus angestellten Spielern bestehende Profimannschaft. In den Streitjahren 2000/2001 wechselten mehrere Spieler in den Profikader des Vereins oder verlängerten ihre Verträge. Bei den Verhandlungen wurden die Spieler von Spielervermittlern beraten, die bis auf zwei Ausnahmen über die hierfür erforderliche Lizenz der FIFA verfügten. Der Verein und der jeweilige Vermittler schlossen, sobald ein ausgewählter Spieler einen Vertrag unterzeichnet hatte, eine "Zahlungsvereinbarung", nach der ein Vermittlungshonorar zu zahlen war. Die Vermittler erteilten dem Verein Rechnungen mit gesondertem Umsatzsteuerausweis.

Das FA versagte den Vorsteuerabzug mit der Begründung, zwischen dem Verein und den Vermittlern habe kein Leistungsaustausch stattgefunden, da die Vermittler ihre Leistungen an die Spieler erbracht hätten.

Das Finanzgericht gab der Klage statt. Es war der Ansicht, die Vermittler hätten durch ihre Beratung und Vermittlung bei Transfers und Vertragsverlängerungen Vermittlungsleistungen gegen Entgelt an den Verein erbracht. Eine mögliche treuwidrige Doppeltätigkeit sei steuerlich unerheblich. Die Vergütungen seien in vollem Umfang Gegenleistung für die Vermittlungsleistungen. Es handele sich weder ganz noch teilweise um Entgelt von Dritter Seite für an die Spieler erbrachte Leistungen.

Mit der Revision rügte das FA, die Leistungen der Vermittler seien nicht für den Verein, sondern gegenüber den Spielern erbracht worden.

Entscheidung

Der BFH hob das FG-Urteil auf und verwies die Sache an das FG zurück.

Der BFH sieht gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass die Vermittler - zumindest auch - Leistungen an die Spieler erbracht haben. Möglicherweise erbrachten sie - teilweise - aufgrund von Managementverträgen Beratungsleistungen gegen ein vom jeweiligen Spieler geschuldetes Entgelt, was einen Leistungsaustausch zwischen Vermittler und Spieler nahelegt.

Der BFH gibt dem FG auf, die näheren Begleitumstände - etwa auch durch die Vernehmung der Spieler und der Vermittler - aufzuklären. Sollte das FG sodann zu dem Ergebnis kommen, dass die Vermittler an den Verein Leistungen erbracht haben, wäre zu prüfen, ob und ggf. zu welchen Teilen das allein vom Verein gezahlte Entgelt zugleich Entgelt von dritter Seite für an die Spieler von den Vermittlern erbrachte Leistungen darstellt.

Hinweis

Der BFH bekräftigt noch die Anforderungen an eine zum Vorsteuerabzug berechtigende Rechnung. Allgemeine Angaben wie "Schreibarbeiten", "Fliesenarbeiten" oder "Büromaterial" usw. sind nach der Rechtsprechung nicht ausreichend. Insofern bestehen im Streitfall Zweifel, da die Leistungen lediglich mit "Beratung und Unterstützung beim Transfer", "Mitwirkung beim Vertragsschluss", "Transfer-Provision" und ähnlichen allgemeinen Angaben beschrieben waren.

Urteil v. 28.8.2013, XI R 4/11, veröffentlicht am 16.10.2013

Alle am 16.10.2013 veröffentlichten BFH-Entscheidungen im Überblick

Schlagworte zum Thema:  Umsatzsteuer, Vorsteuerabzug, Fußballverein, Vermittlung

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